Eine Ewigkeit stand die Welt der Mineralien und Fossilien still. Eiszeiten zogen wenige Meter über ihnen vorbei. Die Affen wurden zu Menschen und diese wiederum führten Weltkriege und flogen zum Mond. Unter der Erdoberfläche lagen in stoischer Ruhe die körperlichen Überreste längst ausgestorbener Tierarten, und die Mineralien wuchsen in Nanomillimeterschritten zu prächtigen Objekten.

Doch irgendwann geriet auch diese Welt aus den Fugen. Die Menschen wurden im 19. Jahrhundert nicht nur vom Goldfieber gepackt, sondern auch vom Fieber nach Fossilien, Rubinen, Diamanten und Bergkristallen. Einmal damit angesteckt, wird man es nie wieder los. Immerhin 230 Vereinsmitglieder zählen die Mineralien- und Fossilienfreunde Basel und Nordwestschweiz heute.

Dienstags treffen sich die Angefressensten im Untergeschoss des Vereinslokals an der Hüningerstrasse 46, um zu fachsimpeln, ihre neusten Funde aus dem Jura, vom Grimselpass oder Susten zu präsentieren oder an den Dingern ein bisschen rumzuschleifen. Den Vereinspräsidenten Marcus Stauffer packte das Mineralienfieber bereits als Kind, und abgesehen von einer kleinen Pause zwischen 10 und 15 Jahren nahm die Suche und das Sammeln eine derart grosse Bedeutung in seinem Leben ein, dass er kaum Zeit für anderes hatte.

Irgendwann kam dann noch der Wein als Hobby dazu, aber mehr hat beim 56-jährigen Gebäudetechniker schlicht keinen Platz. Da gehört viel Glück dazu, dass sich auch sein Privatleben integrieren lässt: Seine Ehefrau ist ebenfalls Mineralienfreundin.

Ein solches Hobby schweisst zusammen, denn: Was man da erlebt, darüber kann man sich abendfüllend unterhalten. Stauffer setzt beim Besuch der «Schweiz am Wochenende» zum Redeschwall an, als er vom schönsten Bergkristall erzählt, den er je gefunden hat. «Es war am Oberalppass, als wir dem Maighelsbach entlang gingen und eine alte Kluft sahen, die schon von anderen Mineraliensammlern bearbeitet worden war», beginnt Stauffer.

Ein schlechtes Zeichen, denn diese Kluft war somit erforscht. Nur «sicherheitshalber» zwängte er sich noch hinein, um zu sehen, ob die Vorgänger ganze Arbeit geleistet hatten. Seine Hände gruben sich durch den Lehm, und er spürte, dass sich darunter etwas verbarg. Er buddelte das Ding frei und überreichte es seiner Frau, die ausserhalb der Kluft wartete.

«Als ich ein kurzes Jauchzen hörte, wusste ich, dass es ein dicker Fund ist.» Tatsächlich waren es 15 Zentimeter grosse, unbeschädigte Bergkristalle. Für Stauffer sind sie trotz hohem Warenwert beinahe «unverkäuflich». Zu viele schöne Erinnerungen hängen daran.

Neidlose Anerkennung

Geld, da ist man sich auch bei den Basler Mineralien- und Fossilienfreunden einig, hat in den vergangenen Jahren vieles kaputtgemacht. Schöne Bergkristalle können für viele Tausend Franken den Eigentümer wechseln. Getrieben von der Hoffnung auf den grossen Fund lassen die Sammler bisweilen Anstand vermissen. Etwa, wenn sie in bereits besetzte Kluften eindringen und Mineralien «mitlaufen» lassen.

Und so mussten die Mineralien- und Fossiliensammler einsehen, dass ihre heile, über Millionen Jahre gereifte Welt vor der menschlichen Gier nicht gefeit ist. Schön, gibt es da noch einen Verein wie die Mineralien- und Fossilienfreunde. «Neid gibt es bei uns nicht», sagt Stauffer. «Wenn einer im Vereinslokal seinen Fund präsentiert, dann freuen sich alle mit.»