Bachletten

Bewohner beunruhigt wegen neuer Unterflurcontainer: Die Stadt Basel versucht zu beschwichtigen

Bei Sonnenschein und gemütlicher Kleinmarktstimmung beantwortete Dominik Egli Fragen zum anstehenden Pilotprojekt.

Bei Sonnenschein und gemütlicher Kleinmarktstimmung beantwortete Dominik Egli Fragen zum anstehenden Pilotprojekt.

Das Unterflurprojekt sorgt noch für Unruhe. Stadtreinigungsleiter Dominik Egli steht den Bachlettenbewohnern Red und Antwort.

An einem sonnigen Dienstagmorgen stellen die Gemüseverkäufer wie jede Woche ihre Stände auf dem Rütimeyerplatz auf. Das Kaffeemobil fährt vor, die Bauern legen ihre Eier aus – und Stadtreinigungsleiter Dominik Egli setzt sich an seinen Informationstisch. An zwei aufeinanderfolgenden Dienstagen steht er während zweier Stunden Anwohnern des Bachletten-Quartiers Red und Antwort. Thema ist das Pilotprojekt zum neuen Entsorgungskonzept.

Vor über vier Jahren scheiterten die Unterflurcontainer an einem Referendum der BDP. Überraschend kam das krasse Ergebnis von rund siebzig Prozent Ja-Stimmen nicht: Nach einem unglücklichen Kompromiss im Grossrat stand keine einzige Partei mehr hinter dem Müllvorstoss. Nun soll das Konzept als Pilotprojekt getestet werden. Bald werden im gesamten Quartier 29 Container installiert, in die rund um die Uhr Müllsäcke geworfen werden können. Wegen kontroverser Diskussionen räumt Egli mit Vorurteilen gegenüber den Containern auf.

Schon bald nachdem er sich am roten Tischchen eingerichtet hat, setzt sich die erste Frau zu ihm. Ihre grösste Sorge sei der Gang zu den unterirdischen Entsorgungsstellen: «Vor dem graut es mir jetzt schon.» Mit ihren über 70 Jahren sei sie nicht mehr allzu mobil. Sie wolle deshalb gerne wissen, wo die Container genau stehen würden. Laut Egli sind noch nicht sämtliche Standorte geklärt. Er könne aber versprechen, dass die maximale Distanz zur nächsten Entsorgungsstelle – wie in der Broschüre angekündigt – bei den meisten Liegenschaften hundert Meter betrage.

Hotline für schwer Gehbeeinträchtigte

Die nächste Frau, die sich zum Reinigungsleiter gesellt, kämpft mit denselben Bedenken. Es finde sich immer jemand, der einem kurz den Bebbi-Sack vor die Tür stelle. Ob diese Person aber einen hundertmeterlangen Weg auf sich nehme, sei nicht so sicher. Dominik Egli erwidert, dass es für schwerwiegende Fälle eine Telefon-Hotline geben werde. Er sei zuversichtlich, so jeweils eine Lösung mit Spitex-Betreuung oder Ähnlichem finden zu können. Ausserdem seien die Container wenn möglich so platziert, dass sie sich auf ohnehin vielbegangenen Wegen befänden. Um die Belastung zusätzlich zu vermindern, seien zudem kleinere Säcke mit einem Fassungsvermögen von rund zehn Litern geplant, falls das Projekt sich behaupten würde.

Ein ansehnlicher Katalog voller Anforderungen

Ein Mann spricht die Ästhetik an: «Es sieht einfach nicht toll aus, wenn in unserem schönen Quartier solche Container stehen.» Ob jedoch Abfallsackberge oder parkierte Autos vor den Häusern schöner aussähen – wie Egli zu bedenken gibt – ist fraglich. Der Mann bedankt sich am Schluss für das Gespräch. Generell verspürt man Wertschätzung für die volksnahe Aktion, die laut Angelina Koch vom Stadtteilsekretariat Basel-West auch ein Testlauf sein soll: «Wir suchen Formate, in deren Rahmen die Bevölkerung engeren Kontakt zu den Behörden hat und ihre Anliegen gehört werden.»

Obwohl Egli auf die Fragen eingeht, aufmerksam zuhört, sich Anliegen notiert, bleiben nicht alle Gesprächspartner freundlich. Einer empört sich darüber, dass statt der angekündigten 22 nun doch 25 bis 30 Parkplätze betroffen sein werden. Egli gibt zu bedenken, wie viele Anforderungen bei der Standortplanung zu beachten gewesen seien. Neben der niedrigen Distanz zu den Wohnhäusern und der Stationierung an vielbegangenen Routen soll auch die Verkehrsbehinderung möglichst klein sein.

Die Bauten sollen zudem weder Bäume noch Werkleitungen oder Strassenlaternen tangieren. Direktes Angrenzen an Wohnhäuser soll wegen der Lärmemissionen vermieden werden. Trotz einleuchtender Erläuterung gerät der Anwohner in Rage und bezeichnet Egli als Lügner. Dieser reagiert bestimmt, aber professionell. Er bittet ihn, persönliche Angriffe zu unterlassen oder sich andernfalls zu entfernen. Das Projekt bewegt die Anwohner – nicht nur die Container.

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