Haus Thommy in Bottmingen: Gespür für Menschen

   

Gastfreundschaft steht beim Ehepaar Thommy an erster Stelle. Ihr Haus in Bottmingen bietet Raum für 500 Gäste im Jahr.

Milo streckt seinen Kopf über die Mauer und bellt vor Freude. Der Hund von Dominique und Monica Thommy-Kneschaurek ist sich Besuch gewohnt. Pro Jahr empfängt das Paar etwa 500 Gäste. Mit der grosszügigen Gestaltung des eingeschössigen Anwesens auf der Bottminger Höhe haben die Architekten Nissen & Wentzlaff die Voraussetzung dafür geschaffen.

Die Gastfreundschaft des Paares hat mit ihrer Vergangenheit zu tun. Monica und Dominique sind die Gründer des Teufelhofs Basel – einem Theaterbetrieb mit parallel laufendem Café und Restaurant. Das Paar wünschte sich ein Haus, in das sie Leute einladen und Hauskonzerte veranstalten können. «Wir wollten weiterhin Gastgeber bleiben, aber nur für Gäste, die wir wirklich gern haben», schmunzelt der 76-jährige Hausbesitzer. Der Raum im Zentrum des Gebäudes bietet Platz für 60 Besucher, in ihrem Garten hatten die Thommys vergangenes Jahr sogar die junge Oper des Theater Basels zu Gast.

Dominique und Monica Thommy schätzen aber auch Privatsphäre. «Wir haben beide eigene Lebensrhythmen. Deshalb gibt es für beide einen eigenen Bereich», erklärt der Hausherr. In der «Damenabteilung» befindet sich ein begehbarer Kleiderschrank und eine grosse, ovale Badewanne. «Meine Frau erstellte eine ganz klare Wunschliste.» Auch ein Grund, warum das Ehepaar Thommy ein eigenes Haus bauen liess, war, einmal im Leben ganz nach den eigenen Bedürfnissen einrichten zu können. Im Bereich von Dominique Thommy findet nebst dem Büro der Schlafplatz von Hund Milo und eine rollstuhlgängige Dusche Platz. «Ich habe alte Knochen. Man weiss ja nie.»

In Sachen architektonischer Hausgestaltung war sich das Paar einig: «Wichtig war uns, dass man die Menschen spürt, die dieses Haus gebaut haben.» Die Oberfläche des eingefärbten Betonbodens ist bewusst unregelmässig. Auch die Aussenfassade ist nicht verdichtet und hat die Struktur eine Baumrinde. Natürlich gestaltet ist auch der Pool im Garten. «Wir haben immer noch das gleiche Wasser wie bei unserem Einzug vor neun Jahren. Es überläuft, versickert, reinigt sich selbst und fliesst wieder zurück.»

Mit den Nachbarn pflegen die Thommys ein freundschaftliches Verhältnis. Fremde Blicke sind erlaubt. «Damit ich sagen kann: Kommt doch rein auf einen Kaffee.» Eine Grillparty ist aber ausgeschlossen. «Meine Frau hat die Feuerstelle verschenkt, weil ich sie nie nicht gebraucht habe.»

   

Mehrfamilienhause Kleiber: Liebe auf den ersten Blick

        

Mario Bernasconi ist ein Ästhet. Die Wohnung im Haus Kleiber passt perfekt zu ihm.

Eines war Mario Bernasconi immer schon klar: «Ich möchte nicht in einer 08/15-Wohnung leben.» Als der 44-Jährige das Haus Kleiber im Gundeli zum ersten Mal betrat, wusste er sofort: Hier will ich wohnen. «Von Anfang an gefielen mir der Sichtbeton und die Holzverkleidung. Und obwohl sich der Neubau zwischen zwei alten Gebäuden befindet, ist er kein Fremdkörper.» Das Haus der Oliver Brandenberger Architekten fügt sich geschickt in die Arlesheimerstrasse ein, die geprägt ist von Gebäuden aus vergangenen Zeiten.

Offene Architektur und viel Licht bestimmen die Wohnung des 44-Jährigen im 3. Stock. «Der Wohn-Ess-Bereich ist mein Lieblingsort. Hier koche ich für meine Freunde und führe interessante Gespräche mit ihnen.»

Ist der Versicherungsfachmann allein zu Hause, liest er am liebsten ein gutes Buch. Dafür sucht er sich meistens die Ecke am grosszügigen Fenster im hinteren Bereich der 3-Zimmer-Wohnung aus. Hier hat Mario Bernasconi freie Sicht auf die Strasse. Nicht nur wegen der Aussicht ist es ein besonderes Zimmer: Ist die Schiebetür zu, ist es ein geschlossener Raum. Ist sie geöffnet, erweitert sie den Ess- und Wohnbereich auf der Balkonseite.

Zurückhaltende Möbel

Im hinteren Bereich befindet sich auch das Schlafzimmer von Mario Bernasconi. Das Besondere hier: Wie in einem Hotel ist das Bad direkt vom Zimmer her zugänglich. An der Schlafzimmerwand steht statt einem Kleiderschrank eine halbhohe Kommode. «Einen grossen, fünfteiliger Schrank kann ich mir einfach nicht vorstellen. Das würde mich erdrücken. Für irgendetwas gibt es schliesslich Einbauschränke», ist er überzeugt. Schlicht statt massiv soll seine Einrichtung sein. «Die Möbel sind auch zurückhaltend in den Farben. Lieber bringe ich mit Kunst an den Wänden Farbtupfer in meine Wohnung.» Das farbigste Bild an den Wänden ist ein Erbstück der Familie. Am liebsten mag Mario Bernasconi Werke von Künstlern, zu denen er einen persönlichen Bezug hat.

Kleine Details wie schlichte Gläser oder speziell designte Salz- und Pfefferstreuer machen für Mario Bernasconi die Einrichtung perfekt. Allerdings gibt es bei der Ausstattung der Wohnung ein Detail, das den 44-Jährigen stört. «Den Dampfabzug hätte ich anders gestaltet. Er hängt etwas verloren da. Ich glaube, er ist eine Provokation des Architekten. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau», gibt er zu.

Auch ausserhalb seiner vier Wände fühlt sich der Versicherungsfachmann wohl. «Das Gundeli ist ein lebendiges Quartier. Ich liebe die Cafés und Restaurants rund um den Tellplatz. Man kennt sich und kann einen Espresso zusammen nehmen.» Und nach dem Trubel auf den Strassen des Quartierszieht sich Mario Bernasconi jeweils wieder in sein aufgeräumtes Zuhause zurück.

   

Erlenflex – Erlenmatt-Ost: Urbanes Wohnen mit Seele

   

Die Familie Kern verwirklicht ihren Wohntraum als Genossenschafterin im Erlenmattquartier.

Fast jede Woche stelle ich ein Foto von unserer Aussicht auf Instagram», verrät Agathe Kern. Vom 5. Stock blickt die Textildesignerin über ganz Basel – und geniesst Abend für Abend den Sonnenuntergang.

Hier im Erlenmattquartier ging für sie und ihre Familie ein Wohntraum in Erfüllung. Als die Dreizimmerwohnung im Matthäusquartier zu eng wurde, suchte Familie Kern eine neue Bleibe. 2012 hörte die zweifache Mutter vom Projekt der Stiftung Habitat «Wir haben sofort reagiert und uns mit zwei weiteren Familien zusammengetan.» Fünf Parteien bauten schliesslich als Genossenschafter das Haus Erlenflex. In Zusammenarbeit mit Bart & Buchhofer Architekten konnten sie die Vision vom nachhaltigen und stilvollen Wohnen verwirklichen.

Nichts im Haus ist dem Zufall überlassen – von den bewusst roh gehaltenen Betonwänden über die Photovoltaikanlage auf dem Dach bis hin zum automatischen Tor der Velogarage. Sogar den Grundriss durfte die Familie selbst gestalten. Um mehr Platz zu schaffen, sind gewisse Wände abgeschrägt. «Der Raumfluss funktioniert extrem gut.»

Auf dem lediglich mit Seife behandelten Eichenboden stehen sorgfältig ausgesuchte Möbel. Neben Designklassikern, wie Stühlen von Arne Jacobsen und der berühmten Garderobe von Ray Eames, finden in der Wohnung vereinzelt Antiquitäten wie ein alter Schrank Platz. Geschickt verbinden die 42-Jährige und ihr Mann Stil mit Funktionalität. Schliesslich wohnen im gleichen Haushalt auch die neunjährige Emma und der viereinhalbjährige Maurus. Ein Blick in die Kinderzimmer verrät: Auch diese sind durchdesignt. Stolz zeigt die Schülerin auf den aufgeklebten Baum an der Wand. «Den hab ich mit Mami gemacht», sagt sie – und fügt an: «Mein Zimmer ist übrigens grösser als das von Maurus.» Die Mutter lacht.

«Weil wir als Genossenschafter das Haus zusammen bauten, haben wir ein enges Verhältnis zu den Nachbarn.» Im Haus gibt es jede Art von Wohnung, von 1.5- bis 6.5-Zimmern. Der Mix aus Alleinstehenden, Paaren und Familien funktioniere perfekt. Die Kinder spielen im Treppenhaus oder gehen in den Wohnungen der anderen Bewohnerinnen und Bewohner ein und aus.

Im Gemeinschaftsraum im Parterre trifft sich Genossenschaftspräsidentin Agathe Kern mit ihren Mitgliedern zu den Sitzungen. Jeweils am Freitagmittag kochen die Hausbewohner, die Lust haben, dort zusammen Spaghetti. Auch das Konzept dieses Raums ist wohldurchdacht. «Wir wollten einen Beizencharakter schaffen», erklärt Kern. Mit der langen Küchenzeile in dunklem Holz, dem langen Esstisch und der gemütlichen Sitzecke im Vintage-Style gelingt die Umsetzung der Idee ziemlich gut.

Gleich neben dem Hauseingang befindet sich die Waschküche. Dieser kühl gehaltene Raum ist ebenfalls als Begegnungszone gedacht. Auf 18 Parteien kommen drei Waschmaschinen und ein Trockner. «Auch das gehört zum Nachhaltigkeitskonzept», betont die zweifache Mutter. Im Keller finden die unzähligen Velos der Hausbewohner Platz. Auch eine gemeinsame Werkstatt befindet sich hier unten.

Auf dem Erlenmattareal fühlt sich die Familie extrem wohl. Dass sich das Quartier mitten im Kleinbasel befindet, ist ein weiterer Pluspunkt. «Hier wollen wir bleiben, gäll Emma?» Die Schülerin nickt, springt davon und verschwindet in der Wohnung der Nachbarn.

   

Tubhusweg Muttenz: «Schischi mag ich nicht»

   

Der Informatiker Tom Koch holt sich mit dem Erweiterungsbau die Natur fast ins Haus.

Wer vor dem Haus am Tubhusweg 11 in Muttenz steht, dem fällt etwas sofort auf: die schwarze Glasscheibe. Sie gibt einen Hinweis darauf, dass das Haus aus den 1920er-Jahren umgestaltet wurde. Ansonsten würde man von aussen nicht vermuten, welche architektonischen Raffinessen sich hinter den alten Gemäuern verbergen.

Die Oliver Brandenberger Architekten erweiterten das Einfamilienhaus um einen Anbau, der eine Nähe zur Natur schafft. «Man kann am Fenster sitzen und bekommt hautnah mit, wie es blitzt und donnert. So, als wäre man draussen – mit dem Vorzug, dass man geschützt ist», schwärmt Besitzer Tom Koch. Der Berufschullehrer für Informatik erstand das Haus vor 13 Jahren. Der Grundriss gefiehl ihm, er wünschte sich aber mehr Platz. Der riesige Garten hinter dem Gebäude war wie geschaffen für einen Erweiterungsbau. Aber was hat es mit der schwarzen Glasscheibe an der Hausvorderseite auf sich? «Dort war früher der Eingang», verrät der 59-Jährige. Dieser befindet sich jetzt dort, wo früher die Küche war. «Die alte Eingangstüre einfach zuzumauern, kam für die Architekten nicht in Frage. Reflektierend behält diese auf die Strasse hin die Funktion eines spiegelnden Auges.»

Die Einrichtung hingegen widerspiegelt den Stil von Tom Koch: ein Mix zwischen Designermöbeln und Fundstücken. Sofort ins Auge sticht der ausgediehnte Trolley der Swissair. «Ein tolles Möbel. Allerdings löst sich langsam der Gummi an den Rädern auf.» Tom Koch hat es gerne schlicht. «Schischi mag ich nicht. Auch ein Biedermeierschrank wäre hier fehl am Platz.»

Puffzimmer unter Verschluss

Sein Haus macht der Informatiker am Openhouse Basel gerne öffentlich. «Aber das Puffzimmer schliesse ich ab», schmunzelt er und zeigt auf den Arbeitsraum, der sich hinter einer Tür im typischen Stil der 1920er-Jahre befindet. Auch die Böden des ursprünglichen Hauses sind original.

Im ersten Stock blieb bis auf das Bad alles beim Alten. Die beiden Zimmer vermietet er. Zur Zeit sucht der 59-Jährige nach einem neuen Mitbewohner. Das Dachgeschoss ist der Rückzugsort des Berufsschullehrers. Ein Teil war vor seinem Einzug bereits Wohnbereich, der andere Estrich. Nun ist der ganze Raum ein grosszügiges Schlafzimmer. «Fehlt noch die Badewanne. Aber diese ist in Planung.» Als Naturfreund verbringt der 59-Jährige auch viel Zeit im Garten. Trotz Erweiterungsbau ist er immer noch ziemlich gross. Und das bedeutet eine Menge Arbeit. Der Aussenbereich befindet sich in einem ständigen Veränderungsprozess. Aus dem Regenwasserauffangbecken gestaltete Tom Koch zum Beispiel einen Teich. «Aber es hat hier viele Fischreiher. Vielleicht muss ich mir etwas Neues einfallen lassen.»

   

www.openhouse-basel.org