Kunst aus Zufall und als Überraschung: In den nächsten zwölf Monaten werden die Gäste des Galeriehotels Teufelhof Werke des bekannten Konzeptkünstlers Dieter Meier zu sehen bekommen, viele wohl, ohne darauf vorbereitet zu sein.

In den 24 Zimmern und in den Gängen des Hauses sind Zeichnungen und Fotos von Skulpturen ausgestellt, die in den letzten Jahren meist nebenher entstanden sind – oft in Pausen, in Wartezeiten und «aus Langeweile», so etwa auch auf Notizblöcken von Hotels, wie der 71-jährige Künstler an der Vernissage gestern sagte. Es gefalle ihm, dass für einmal nicht ein Museum oder eine Galerie, sondern der «Nicht-Kunst-Ort» Hotel seine Werke zeigt – dort, wo man sie gar nicht erwarte.

Meier versteht sich nicht als einer jener Künstler, die mit einem festen Vorhaben und Plänen in ihr Atelier gehen und diese dann umsetzen wollen. Er praktiziere seine Kunst wie ein Zen-Meister. Seine Werke, absichtslos und «aus Dilettantismus geboren», entstehen in Sekunden, als Gekritzel auf Papier geworfen oder mit Knetmasse geformt; diese wird dann nach dem Fotografieren weiterbearbeitet. Es entstehen dabei zufällige Formen wie Gesichter von Menschen oder Tieren, die er mit einem Text versieht, der ihm spontan dazu einfällt. «Nicht alles wird aber umgesetzt, und das ist auch richtig so», sagt er. Trotzdem hebt er seine Kritzelzeichnungen für später auf. «Richtig zeichnen kann ich eigentlich nicht», sagt er.

Sinn erschliesst sich langsam

Die im Galeriehotel ausgestellten Zeichnungen besitzen oft einen hintergründigen Witz, während sich die Fotos der Knetfiguren und der Sinn der Texte teilweise erst nach längerem Raten erschliessen. Manchmal ziert ein kleines, farbiges Siegel mit einem geschwungenen M den Rand der Werke. Im daneben liegenden Kunsthotel «Teufelhof» hatte der Konzeptkünstler bereits eines der Kunstzimmer gestaltet und sich dabei als Präsident der «Association des maîtres de rien – Niederlassung Basel» bezeichnen lassen.

Gereicht wurde an der Vernissage ein Tropfen aus Meiers argentinischem Weingut Ojo de Agua, wo er in letzter Zeit oft lebt. Denn der Konzeptkünstler, als der er seine vielseitige Karriere Ende der 1960er-Jahre begann, lebt längst nicht mehr nur für die Kunst. Meier machte und macht auch als Pokerspieler, Musiker, Unternehmer, Filmemacher, Rinderzüchter, Financier und Restaurantbesitzer von sich reden – und von vielem anderem mehr.

«Yello» stirbt nicht so bald

Sich selber bezeichne er am liebsten als Produzenten, sagt er, der Millionär. Er ist seit 1974 verheiratet, hat vier Kinder und ist inzwischen auch Grossvater geworden. Als Wohnsitze gibt er neben Argentinien Zürich, Berlin, Los Angeles und Ibiza an. Da er stets mit längerem, streng nach hinten gekämmten Grauhaar, Schnurrbart und Halstuch (und manchmal zusätzlich auch mit Zigarre) auftritt, wird er oft als Dandy bezeichnet.

Einzuordnen ist er eigentlich nicht – er erfindet sich immer wieder neu. Ab Ende der 1970er-Jahre wurde Meier vor allem als Sänger und Texter des legendären Zürcher Avantgarde-Duos «Yello» mit Partner Boris Blank bekannt, das diesen Herbst wieder ein Album herausgeben und in Berlin erstmals öffentlich live auftreten wird.

«Yello wird es geben, solange es uns beide gibt», sagt Meier, ohne darauf angesprochen worden zu sein, jugendlich wirkend, redselig, offen. In der deutschen Hauptstadt wird auch seine nächste Ausstellung eröffnet, erzählt er und freut sich sichtlich darauf.

Kunstgalerie «Teufelhof», Leonhardsgraben 49, Basel