Die Palmen, das Meer und Woody Allen fehlen; dafür gibts Blumen, Ballone und Mani Haghighi. Dieser bekannte iranische Regisseur wird in Basel für alle Interessierten ansprechbar sein – was bei Woody Allen in Cannes nicht der Fall sein dürfte. Das Filmfestival Bildrausch, das am Mittwochabend auf dem Theaterplatz beginnt, zeichnet sich durch hochkarätige Filme, nahbare Filmschaffende und eine sympathische Atmosphäre aus.

13 Filme aus 12 Ländern stehen heuer im Wettbewerb «Cutting Edge». Filmrosinen, handverlesen von den Organisatoren Nicole Reinhard und Beat Schneider auf ihren Beutezügen durch Europas grosse Filmfestivals. Fast alle werden schweizweit zum ersten Mal gezeigt, fast alle werden von der Regisseurin, dem Regisseur repräsentiert; in manchen Fällen ist die Hauptdarstellerin oder der Hauptdarsteller in Basel zugegen.

Simon Stones Filmerstling

Die Wettbewerbsfilme bieten eine Reise um die Welt. Da müssen in einem bildgewaltigen Film vier tamilische Arbeiter als Bauernopfer für einen Polizeiskandal herhalten: «Interrogation» von Vetri Maaran aus Indien. Dort vermischt sich die reale Welt mit der Welt der Ahnen zu einem so poetischen wie politischen Werk: «Cemetery of Splendor» von Apichatpong Weerasethakul aus Thailand. Und hier schreiben sich zwei der grössten Dichter Europas, Ingeborg Bachmann und Paul Celan, Liebesbriefe, wortgewaltig und leidenschaftlich: «Die Geträumten» von Ruth Beckermann aus Österreich. Sie lässt die Briefe von einem jungen Künstlerpaar in einem Tonstudio vorlesen; Anja Plaschg ist Musikerin (Soap&Skin), Laurence Rupp Schauspieler.

Der Trailer zu Vetri Maarans «Interrogation»

Was bei dieser sechsten Festivalausgabe besonders auffällt: Das internationale Festival hat einen starken Basler Anker. Nicht nur, weil es hier stattfindet, sondern auch, weil gleich mehrere Basler Künstler darin stattfinden. Simon Stone – in Basel geboren, in Australien aufgewachsen, nun als Hausregisseur am Theater Basel – ist gerade international als Theaterregisseur gefragt. Seine Inszenierung und Neufassung von Ibsens «John Gabriel Borkman» hat bereis drei Nestroy-Preise und eine Einladung ans Berliner Theatertreffen erhalten. Nun zeigt er am Samstagabend bei Bildrausch seinen ersten Film: «The Daughter», eine moderne Interpretation von Ibsens «Die Wildente». Für die Hauptrolle konnte er Geoffrey Rush gewinnen.

Einblick in Geoffrey Rushs «The Daughter».

Auch eine der beiden Regisseurinen von «I Don’t Believe in Anarchy», Anna Tsyrlina, lebt seit 2002 in Basel. Der Film dreht sich um die sibirische Kult-Punkband «GrOb», die in den späten 80er-Jahren musikalisch die Umbruchphase bis zum Zerfall der Sowjetunion verkörperte. Tsyrlina hat den Film zusammen mit der Witwe des Bandleaders Jegor Letow gedreht. Im Gegensatz zu Simon Stones Debüt fungiert der Film der beiden Frauen aber nicht im Wettbewerb, sondern als Special.

Ebenfalls ein gewichtiges Basler Special sind die Liveperformances der in Basel lebenden Klangkünstlerin Abril Padilla zu Filmen des Schweizer Künstlers Klaus Lutz. Dessen Filme lagern in Basel in zwei Archiven; es sind zarte, rätselhafte, collageartige Tricktechnik-Filme. Dank Padilla werden sie nun hervorgenommen und neu erlebbar. Bildrausch projiziert zudem zwei von Lutz im runden Bildformat realisierte Filme auf einen weissen Wetterballon. «Auf der Piazza vor dem Stadtkino werden Lutz’ Bildwelten mit Padillas Klangkomposition verschmelzen», kündet das Festival an.

Trotz all dem und vielem mehr: Im Zentrum des Festivals dürfte der iranische Regisseur Mani Haghighi stehen. Nicht nur weil sein Film «A Dragon Arrives» im Wettbewerb kämpft, sondern vor allem, weil ihm zusätzlich eine Hommage gewidmet ist. Eine Retrospektive, die schnell klar machen dürfte, weshalb der iranische Film derzeit führend ist.

Festivalzentrum ist das Stadtkino Basel, weitere Filme laufen im Kultkino.
www.bildrausch-basel.ch

Weitere Highlights aus dem Programm des Festivals: