Mitten im Sommer 2018 sah sich der Euro-Airport (EAP) heftiger Kritik ausgesetzt: Politiker jeglicher Couleur beschwerten sich über lange Wartenzeiten vor der Passkontrolle, über schmuddeliges Interieur und kaputte Koffer am Flughafen. Die Verantwortlichen versprachen damals Besserung. Unter anderem mit der Erneuerung der Ankunftsebene bis Frühling 2020. Die Grenzkontrollen sollten gar ab sofort speditiver werden, erklärte Sprecherin Vivienne Gaskell; zu den vier bestehenden Schaltern komme ein weiterer hinzu.

Von den Verbesserungen ist heute noch nichts zu spüren. So beschwerte sich etwa ein Leser bei der bz, er habe am 6. September von Frankfurt nach Basel kommend eine Stunde warten müssen, bis er die Kontrolle passieren konnte: «Zwei Grenzbeamte mühten sich ab, der Situation Herr zu werden.» Das Bild rechts stammt von ihm, und er betont: «Es zeigt nicht die maximale Ausprägung der Schlange.»

Chaos ist programmiert

Stellt sich die Frage, ob Alvaro Oliveira in den vergangenen Monaten via den EAP in die Schweiz eingereist ist. Vermutlich nicht. Dann hätte er vielleicht realisiert, dass seine Pläne zu tollkühn sind. Der Pilot und ehemalige Angestellte einer brasilianischen Billigairline will zusammen mit drei weiteren Aviatikmanagern aus dem Umfeld von Air Berlin, der Swiss und Etihad im 2019 eine Low-Cost-Gesellschaft mit Projektnamen Swiss Skies gründen, die ab Basel auf der Langstrecke operiert. Finanzierungsbedarf: 100 Millionen Dollar. Startflotte: 16 Maschinen vom Typ A321 neo. Heute findet in Basel hinter verschlossenen Türen ein entspechender Investorenevent statt.

Eine Person aus dem nächsten Umfeld des EAP mit direktem Draht zu Direktor Matthias Suhr hat angesichts der infrastrukturellen Probleme des EAP «die grössten Zweifel», dass sich die Pläne von Oliveira und Konsorten verwirklichen lassen: «Die Platzbedingungen gerade bei der Einreise, aber auch beim Check-In sind heute sehr knapp. Wenn ein Langstreckenflieger mit 190 Passagieren aus den USA hier landet, herrscht Chaos pur.» Der Insider sagt deshalb, mehr als einen ankommenden Langstreckenflug pro Tag würde der EAP nicht verkraften. «Schaut man sich die Pläne der Promotoren an, scheinen aber deutlich mehr Flüge angedacht zu sein. Dafür ist der Euro-Airport nicht bereit» Sollte Swiss Skies tatsächlich in dieser Grössenordnung starten, bräuchte es «definitiv» ein neues Terminal. «Und dieses könnte allerfrühestens in fünf Jahren fertiggestellt sein.»

Ein Terminal in so kurzer Zeit aus dem Boden zu stampfen, ordnet EAP-Sprecherin Gaskell derweil als «nicht realistisch» ein. Auf die Probleme des Flughafens angesprochen, konstatierte sie am Mittwoch: «Infrastrukturmässig haben wir heute schon Herausforderungen.» Langfristig habe der EAP Studien lanciert, um die Kapazität bis 2025 zu erhöhen. «Wenn ein neuer Player kommt, müssen wir diese Pläne überprüfen», so Gaskell weiter.

Warum aber hat «Swiss Skies» gerade den EAP als ersten Hub gewählt? In der am Mittwoch publizierten Medienmitteilung wird unter anderem angegeben, dass die Region 24 der Top-100-Unternehmen der Schweiz beheimate, insbesondere im Bereich Life Sciences, Chemie und Medtech. Die Rechnung mit Novartis dürfen die Aviatik-Manager allerdings nicht machen, sagt der Insider: «Es ist bekannt, dass die Pharmafirma ihre Mitarbeiter in der Businessclass fliegen lässt, damit diese am nächsten Morgen ausgeruht die ersten Sitzungen antreten können. Meines Wissens bieten Low-Cost-Airlines aber keine Business Class an.»

In dieser Sache optimistischer zeigt sich Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel: «Wie Umfragen zeigen, besteht in der Region durchaus ein Bedürfnis an Interkontinental-Flügen, insbesondere in Richtung USA und Asien. Wir unterstützen deshalb solche Anstrengungen.»

Mitarbeit: Benjamin Weinmann