Im Herzen Basels, gleich um die Ecke beim Barfüsserplatz am Kohlenberg in den alten Mauern des Lohnhofs, lädt das stilvolle Lokal des Bird’s Eye Jazzclubs an fünf Abenden die Woche zum Konzert, dies seit bereits über fünfzehn Jahren.

Am kommenden Montag ist es 20 Jahre her, seit der Club dank der Initiative des Jazzbassisten Stephan Kurmann zum ersten Mal seine Pforten öffnete. Das war noch im Bell-Areal an der Elsässerstrasse, wo am 21. Juli 1994 neben Kurmann Andy Scherrer am Tenorsax, Isla Eckinger an der Posaune, Joel Vandroogenbroeck am Piano und Makaya Ntshoko an den Drums die Konzerttaufe im improvisierten Lokal vornahmen. Von Donnerstag bis Samstag fanden fortan Konzerte statt und am Sonntag Jamsessions sowie Workshop-Konzerte.

Kurmanns Idee, Jazz zu erschwinglichen Eintrittspreisen – zunächst mit fünf symbolischen Franken pro Abend – zu präsentieren, zeigte Wirkung. Ab Frühjahr 1995 konnten sogar marktübliche, minimale Gagen an die Musiker bezahlt werden, die anfangs nur für die Spesen vergütet wurden. Bald schon setzte sich das noch heute übliche Konzept durch, dass man (zumindest noch Freitag/Samstag) die beiden Sets einzeln bezahlen kann; wer nur für kurze Zeit kommt, bezahlt weniger.

Improvisation auf der Bühne

In dieser ersten Phase, die knapp fünf Jahre dauerte, wurde die für den Jazz so zentrale Improvisation nicht nur auf der Bühne praktiziert, sondern gehörte zum generellen Prinzip, angefangen beim vorgekühlten Bier aus Tiefkühltruhen, weil die Kühlschränke hoffnungslos überfordert waren.

Als der Vertrag im Bell-Areal auslief, hatte das Bird’s Eye zwar den Beweis erbracht, dass es in Basel durchaus genügend Nachfrage für einen Jazzclub gibt. Aber wohin umziehen?

Durch eine glückliche Fügung ergab sich die Perspektive einer möglichen Räumlichkeit in der ehemaligen Gefängnisturnhalle im Lohnhof. Anfänglich sah es nicht rosig aus, aufgrund der Erschütterungen durch das Tram, das sich nur ein paar Meter von der Bühne entfernt bemerkbar machte. Doch die Architekten Buol und Zünd lösten das Problem, und dank einem zufällig entdeckten, verborgenen Raum konnte sogar ein Tonstudio eingerichtet werden. Heute können alle Konzerte durch Live-Streaming mitverfolgt werden, und dank zahlreichen CD-Einspielungen ist das Bird’s Eye auch bei Leuten weit über Basel hinaus ein Begriff, die noch nie dort Live-Musik hören konnten.

Ohne Unterstützung durch Sponsoren ging es natürlich nicht. In einer kleinen Stadt wie Basel kann man ein so hochstehendes und abwechslungsreiches Programm und die laufenden Unkosten nicht durch direkte Einnahmen allein finanzieren. Bald schon wurde Beatrice Oeri, die schon früh zu den Stammgästen zählte, Präsidentin des Trägervereins und unterstützte den Club nicht nur auf diskrete Art finanziell, sondern auch deutlich sichtbar durch ihren allabendlichen, ebenso persönlichen wie herzlichen Einsatz an der Club-Bar.

Die Freunde des Clubs

Es gab und gibt noch zahlreiche weitere Sponsoren, die den Club unterstützen. Im für den Jazz typischen Farbe blau gehaltenen Lokal nimmt der Jazzliebhaber heute in den von Vitra Design gesponserten Kunststoffstühlen Platz. Schlichtheit und Eleganz laden im Zentrum der Stadt zum Genuss von Jazz mit Qualität, in einem Mix von lokalen Talenten und internationalen Grössen, die Stephan Kurmann als künstlerischer Leiter seit zwanzig Jahren aufspielen lässt.

In diesem Sinne ist der Bird’s Eye Jazz Club vielleicht auch ein Ort der Ruhepause, um sich für den Genuss von guter Musik im bunten Treiben der Innerstadt zurückzuziehen.

Unter der langen Liste von sehr bekannten Namen pflücken wir jene von Franco Ambrosetti, Billy Heart, Daniel Humair, Philipp Catherine, Kirk Lightsey, Mal Waldron, Enrico Rava oder Steve Swallow heraus. Zu nennen sind aber auch mehr oder weniger Unbekannte, die im Bird’s Eye gespielt und später Weltruhm erlangten, wie etwa Lynne Arriale, Antonio Faraò, Mark Turner oder Vincent Peirani, der kürzlich wieder einen Auftritt hatte.

Das Bird’s Eye bildet heute mit dem Offbeat Jazzfestival und dem demnächst die Tore öffnenden Campus der Jazzschule Basel, das Dreigestirn des Basler Jazzhimmels. Wer hätte gedacht, dass das Bird’s Eye nach dem Untergang des legendären Atlantis eine wesentliche Rolle als permanent offene Bühne für international beachtete Konzerte in Basel übernehmen würde?