Das Areal liegt zentral am südlichen Einfallstor in die Stadt und ist doch isoliert, für viele Baslerinnen und Basler ist es gar Terra incognita. Wer nicht selber auf dem Areal tätig ist, wird sich kaum auf einem Spaziergang hierher verirren. Die Rede ist vom Güterbahnhof Wolf.

Doch das soll sich nun ändern. Auf 10 des insgesamt rund 16 Hektaren grossen Areals zwischen Schienenfeld und St. Jakobsstrasse planen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) als Grundeigentümerin ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Dienstleistungen und Kleingewerbe.

Bis zu 2000 Arbeitsplätze

Vorgesehen sind 550 Wohnungen und 1500 bis 2000 Arbeitsplätze; heute sind auf dem Areal, vor allem in Logistikfirmen, rund 500 Menschen tätig. Die Transformation des Güterbahnhofs mit seinen riesigen Stellflächen in ein lebendiges Stadtquartier wird Investitionen im «dreistelligen Millionenbereich» nach sich ziehen, wie Andreas Steiger, Leiter Anlageobjekte bei SBB Immobilien, am Mittwoch an einer Medienkonferenz ausführte. Die SBB werden auf dem Areal als Investorin auftreten.

Im Gegensatz zu anderen Entwicklungsarealen in der Stadt wird auf dem Wolf nicht «Tabula rasa» gemacht, wie Kantonsbaumeister Beat Aeberhard betonte. «Gewerbe und Logistik werden hier nicht verdrängt.» Der bisherige Güterumschlag soll beibehalten, die dafür zur Verfügung gestellte Fläche allerdings stark verkleinert werden.

Ebenfalls stehen gelassen und ins Projekt integriert wird der markante, riegelartige Bau der Umschlags AG (UAG) an der St. Jakobsstrasse. Dasselbe gilt für das denkmalgeschützte Dienstgebäude und die historischen Lagerhallen. Diese werden in die 800 Meter lange hofartige Überbauung mit Wohnen im Westen (Richtung Grosspeter) sowie Gewerbe- und Büronutzungen im Osten (Richtung St. Jakob) eingebettet.

Dieses Gebiet wird umgenutzt (Blick vom UAG-Gebäude über das langgezogene Areal Richtung Gundeli/Grosspeter). Kenneth Nars

Dieses Gebiet wird umgenutzt (Blick vom UAG-Gebäude über das langgezogene Areal Richtung Gundeli/Grosspeter). Kenneth Nars

S-Bahnstation hat keine Priorität

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Areals spielt der Verkehr. Dazu sind viele Ideen vorhanden, allerdings ebenso viele Fragen offen. Als wichtigstes Element der Erschliessung ist eine S-Bahnhaltestelle angedacht; im Angebotskonzept 2030 der Regio-S-Bahn ist diese auf der Strecke Basel-Muttenz-Liestal bereits enthalten. Eine eigene Bahnhaltestelle, die über eine Passerelle sowohl Wolf als auch vom Dreispitz her erreichbar wäre, würde das heute im Niemandsland zwischen Gellert und Gundeli gelegene Areal auf einen Schlag ins Herz der Region katapultieren.

Nur: Ein Ausführungsprojekt besteht nicht. Zudem geniesst die auf 16 Millionen Franken veranschlagte Haltestelle beim Bundesrat keine Priorität: Er hat die Aufnahme in den Bahnausbauschritt Step 2035 verweigert; im Gegensatz etwa zur neuen SBB-Haltestelle in Dornach-Apfelsee. Eine verspätete Realisierung der S-Bahnhaltestelle könnte die Entwicklung des Areals hemmen.

Neuer Terminal für Fernbusse

Kommt hinzu, dass im öffentlichen Nahverkehr keine weitere Erschliessung angedacht ist. Das Areal wird von der BVB-Tramlinie 14 (Haltestelle Zeughaus) bedient. «Die Tramnetzentwicklung, die aktuell einen Horizont bis 2040 hat, sieht im Raum Wolf keine neue Tramstrecke vor», betont Nicole Ryf, Sprecherin des Basler Bau- und Verkehrsdepartements auf Anfrage.

Allerdings ist – und das war an der Medienkonferenz die grosse Überraschung – ein Busbahnhof vorgesehen, der als neue Basler Drehscheibe für den boomenden Fernbus-Verkehr dienen könnte. Offen ist laut BVD, ob es künftig nebst einem zentralen Fernbus-Terminal noch weitere, kleinere Halteplätze in der Stadt geben wird.

Nicht optimal ist heute zudem die Anbindung des Langsamverkehrs Richtung Bahnhof SBB und Stadtzentrum. Laut BVD sind zusätzliche Routen und Wege für Fussgänger und Velofahrer vorgesehen. Umgekehrt soll die St. Jakobsstrasse, die heute im Gebiet Wolf fast den Charakter einer Hochleistungsstrasse hat, «urbanisiert» werden, wie es Kantonsbaumeister Aeberhard ausdrückte. Die Zufahrt zu den Logistikfirmen auf dem Areal von und Richtung Autobahn wird dazu neu organisiert.

In einem nächsten Schritt erarbeiten der Kanton und die SBB einen Bebauungsplan. Dieser soll 2020 dem Grossen Rat vorgelegt werden. Die ersten Neubauetappen sind ab 2024 vorgesehen.