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Bis zu 200-mal stärkere Wirkung: Synthetisches Cannabis boomt, Basler Drug-Checking ist am Anschlag

Bislang war Ecstasy die mit am meisten untersuchte Droge im Drug Checking. Nun tauchen vermehrt Cannabinoide auf.

Bislang war Ecstasy die mit am meisten untersuchte Droge im Drug Checking. Nun tauchen vermehrt Cannabinoide auf.

Gefährliche synthetische Cannabinoide sind im Trend. Dabei handelt es sich um künstlich aufgepeppte Cannabisprodukte, die bis zu 200-mal stärkere Wirkung entfachen können. Die Behörden erwägen daher erstmals Cannabistests.

Normalerweise freut man sich ja, wenn ein neues Angebot gut läuft. Die Überlastung der Drug-Checking-Station bereitet den Verantwortlichen aber Bauchweh. Seit September mussten an der Basler Mülhauserstrasse 111 mehrere vornehmlich junge Leute abgewiesen werden, die ihre Drogen gerne anonym getestet hätten. Maximal zehn Besucher können hier ihre Substanzen abgeben. Einmal mussten sieben, einmal acht Konsumenten ihren Stoff ungeprüft wieder mitnehmen.

Seit eineinhalb Jahren können in Basel Drogen auf ihren Reinheitsgehalt geprüft werden. Wer aber dieser Tage mit seinem Kokain, Amphetamin, LSD oder seinen MDMA-Pillen vorbeischaut, muss möglicherweise wieder kehrtmachen, ohne viel schlauer zu sein. Dies geht aus der regierungsrätlichen Antwort auf einen Vorstoss des Grünen-Grossrats Oliver Bollinger hervor. Bollinger hat dabei ein mulmiges Gefühl. «Klar ist ja, dass die Leute die Drogen trotzdem nehmen. Halt einfach ohne zu wissen, was genau drin ist.»

Synthetisches Cannabinoid kann tödliche Folgen haben

Unbehagen löst vor allem aus, dass derzeit viele der sogenannten «synthetischen Cannabinoide» im Umlauf sind. Bei den synthetischen Cannabinoiden handelt es sich um künstlich aufgepeppte Cannabisprodukte, die bis zu 200-mal stärkere Wirkung entfachen können. Die Gefahr ist, dass sie nicht überall gleichmässig aufgetragen werden können, was sie sehr unberechenbar macht. Bereits im Frühling hatte die Abteilung Sucht ein Faktenblatt zu den synthetischen Cannabinoiden herausgegeben, in welchem auf die Risiken aufmerksam gemacht wurde. Selbst bei Gesunden könne der Konsum tödlich enden. In Europa seien bereits mehr als hundert Todesfälle registriert worden.

Falschdeklarationen mehrfach festgestellt

Das synthetische Cannabinoid stellt die Abteilung Sucht vor ein neues Problem. Bisher können beim Drug-Checking nur Cannabisprodukte abgegeben werden, wenn es einen Verdacht gibt, dass synthetische Cannabinoide beigemischt worden sind. Die Beobachtungen des Drug-Checkings stimmen nachdenklich. «Insgesamt wurden zwölf Falschdeklarationen dokumentiert, was bedeutet, dass die Deklaration der verkauften Substanz mit dem Analyseergebnis nicht übereinstimmt», heisst es in der Antwort auf den Bollinger-Vorstoss.

Am häufigsten erfolgten Abweichungen, weil rein pflanzlich verkaufte Cannabisproben hochpotente synthetische Cannabinoide enthielten. Es ist eine unbefriedigende Situation, wenn die derzeit gefährlichste Droge nur ungenügend getestet wird. Die Regierung spricht deshalb von «weiteren Massnahmen», welche erfolgen sollen.

Heutige Generation hat weniger Angst vor Drogen

Regine Steinauer, Leiterin der Abteilung Sucht im Kanton Basel-Stadt, schaut mit Interesse nach Zürich, wo am 1. Oktober ein Drug-Checking für synthetische Drogen errichtet wurde. «Sollten die Substanzwarnungen bezüglich synthetischer Cannabinoide zunehmen, wäre eine Ausweitung des Angebotes eine Überlegung wert», sagt Steinauer.

Grünen-Grossrat Bollinger würde es dabei nicht belassen. Obwohl es sich noch in der dreijährigen Pilotphase befindet, würde er das Angebot zeitlich erweitern und die Türen wöchentlich öffnen. «Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage weiter zunehmen wird.» Die heutige Generation habe zwar weniger Respekt vor Drogen und vor allem vor dem Mischkonsum als auch schon. Der ehemalige Leiter des Beratungszentrums sagt aber auch: «Sie wollen viel genauer wissen, um welchen Stoff es sich handelt.»

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