Nicht immer dauert eine Begrüssung geschlagene 20 Minuten wie am Gryffemähli vom vergangenen Samstag. Am traditionellen Nachtessen der Fasnachtsclique «Schnooggekerzli» hat sie aber auch gedauert: Spasseshalber wurden in der Begrüssungsansprache alle Wohnorte der Anwesenden genannt - es folgte eine Liste mit 42 Gemeinde- oder Städtenamen, von Aesch bis Zürich. Nicht zu vergessen, dass jedes Jahr auch Aktive von Übersee einfliegen. Basel aber war auch dabei. Ein Schnitzelbangg widmete sich später diesem Thema - ein munterer Wettstreit aus «Z'Basel an mym Rhy» und dem Baselbieter Lied «Vo Schönebuech bis Ammel».

Die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Halbkantone und die Wohnortproblematik sind denn auch das Oberthema der diesjährigen Fasnacht. Die bz wollte es genauer wissen und machte eine Stichprobe bei acht grösseren Stammvereinen. Die Frage lautet: Wo wohnen die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler?

Eine knappe Sache

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern die Städter und Baselbieter in der «Breo». Insgesamt pfeifen und trommeln 96 Fasnächtler in der Clique: 43 Basler, 42 Baselbieter. Der Rest reise aus der ganzen Schweiz an, schreibt Annicken Gravino, Vorstandsmitglied des Stammvereins.

Bei den «Pfluderi» sieht es ähnlich aus: Von den 110 Aktiven sind 51 Basler und 49 Ländler. Zudem kommen je drei aus Bern, Solothurn, Zürich und eine Person aus dem Aargau. «Pfluderi»-Obmann Marco Monetti - er wohnt in Münchenstein - stört die hohe Anzahl «Rampasse» nicht. «Meist sind es Leute, die aus Basel weggezogen sind.» Beim Auszählen sei ihm aufgefallen, dass bei den Tambouren sieben mehr aus dem Baselbiet kommen als aus der Stadt.

Dass die Hälfte der Aktiven aus dem Baselbiet kommt, ist auch bei der Gugge «Negro-Rhygass» so. Von 70 Aktiven sind 35 Basler und 35 Baselbieter. «Die Baselbieter wohnen vor allem in der Agglo», relativiert Obmann Olivier Beranek. Man könne natürlich keine Vorschriften machen, wie viele Baselbieter der «Negro-Rhygass» beitreten können, schliesslich sei man froh um jedes Mitglied. Aber: «Ich würde mich natürlich freuen, wenn bei uns mehr Basler spielen würden.»

Nicht ganz so viele, aber doch eine beachtliche Anzahl Baselbieter findet man bei den Kleinbasler «Giftschnaigge». Mit rund 60 zu 30 Prozent überwiegen die Basler. Zudem stammen zwei aus Deutschland, einzelne reisen aus dem Aargau, Bern und Luzern an. Obmann Dominik Gysin hat selber in Basel gelebt, wohnt heute in Ormalingen. «Bei uns ist die Anzahl Baselbieter kein Thema. Viele von ihnen sind ja Basler und einfach aufs Land gezogen.» Er als Sissacher werde aufgrund seines Dialektes zwischendurch sicherlich aufgezogen, «aber liebevoll». Bei den «Schnooggekerzli» leben 50 Prozent in der Stadt, 36 Prozent im Baselbiet und 14 in anderen Kantonen oder im Ausland.

Comité untersucht die Obmänner

Doch nicht nur Pfeifer und Tambouren kommen an der Fasnacht aus dem Baselbiet in die Stadt. Das Fasnachtscomité untersuchte kürzlich, wo die Obmänner und -frauen der Cliquen, Guggen und Wagen wohnen. Von den 494 Personen sind 223 in Basel und Riehen zu Hause, 227 im Baselland, 42 in anderen Kantonen und zwei im Ausland.

«Es gibt keine Kantonsgrenzen für die Fasnacht», kommentiert Comité-Obmann Christoph Bürgin. Die in den umliegenden Kantonen wohnhaften Fasnächtler hätten einen «städtischen Migrationshintergrund», sagt er. Was die Fasnacht betrifft, sei die Zusammengehörigkeit der Kantone selbstverständlich und die Trennung kein Thema. Fasnächtler, die im Baselbiet wohnen, gehen nach Basel und in Basel wohnhafte Aktive gehen an die Bauernfasnacht.

Auch für die «Schnooggekerzli» ist die Kantonsgrenze kein Problem. Der eingangs erörterte Schnitzelbangg schliesst denn auch versöhnlich:

He jo, dasch kä Froog
Hauptsach e Schnoogg
Vo wo spilt kei Rolle
Hauptsach e Tolle!

Und der Landschäftler bei den Schnooge-Bänggler sagt:

Und duesch en öppe frooge,
wotsch Du mit öis ystoo
do heisst s, nid dass me luege well
do sägen alli joo!