Basler Studierende mussten sich in den vergangenen Wochen häufig vorwerfen lassen, sie würden sich nicht genügend gegen die aktuellen Sparmassnahmen wehren. Nun bot sich endlich eine Plattform: Am Mittwochmorgen lud die Gruppe der «Kritischen Studierenden» zum Aktionstag ins Kollegienhaus der Universität Basel.

Das Thema: «Die Prekarisierung in der Bildung.» Der Anlass fand nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der geplanten Sparmassnahmen an der Universität durch die beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland statt. Doch wer studentische Kritik an den Sparmassnahmen erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Die Gruppe setzt sich aus rund 20 Studentinnen und Studenten zusammen. Sie haben sich im Anschluss an die Diskussion um die Erhöhung der Studiengebühren gefunden. «Wir waren der Meinung, dass man langfristig kritisch mit den Entwicklungen und Tendenzen an der Universität umgehen sollte», sagt Roman, der Sprecher der Gruppe.

Veranstaltung als Teil eines schweizweiten Aktionstages

Seinen Nachnamen möchte er lieber nicht in der Zeitung lesen. Roman stehe zwar voll und ganz hinter dem Aktionstag, wolle aber die Gefahr vermeiden, eventuell mit späteren Aktionen der Gruppe in Verbindung gebracht zu werden die nicht seiner Haltung entsprechen.

Die Kritischen Studierenden bestehen zum grossen Teil aus Leuten, die ursprünglich nicht aus Basel kommen. Das liege aber nicht daran, dass hier eine Gruppe von Auswärtigen Basel umkrempeln wolle, sondern daran, dass viele engagierte Studierende aus Basel schon ausserhalb der Universität in Gruppen organisiert seien, die sich nicht mit einem kritischen Engagement an der Universität vereinbaren liessen, erklärt Roman.

«Unsere Veranstaltung ist Teil eines schweizweiten Aktionstages. Wir wollen auf die erschwerten Bedingungen aufmerksam machen, unter denen derzeit studiert wird, und die Politik dazu auffordern, ihre Verantwortung für notwendige Unterstützung wahrzunehmen», sagt er. Nicht also die aktuellen Sparmassnahmen in Bildung und Forschung, sondern die finanziellen Lebensbedingungen der Studierenden sind das Hauptthema des Aktionstages.

Die finanzielle Situation entspannt sich nach dem Studium nicht sofort

Auf Stellwänden sind Plakate angebracht: Sie informieren über die aktuelle Stipendienlage in der Schweiz und die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten von Studierenden. Mit Statistiken wird aufgezeigt, wie viele Studentinnen und Studenten neben dem Studium arbeiten. Es sind 75 Prozent.

«Da sind auf der einen Seite die steigenden Kosten wie Mietpreise und Krankenkassenprämien und auf der anderen Seite die unzureichenden Stipendien», stellt Roman fest. Er sieht Chancengleichheit in der Bildung durch den Sozialabbau und das mangelhafte Stipendienwesen in Gefahr: «Statistiken zeigen, dass ein Viertel der Studienabbrüche finanzielle Gründe hat.»

Auch mit dem Abschluss des Studiums sei die schwierige finanzielle Situation nicht beendet, kritisiert die Gruppierung. Denn dann würden viele Bildungsabgänger ihren Lebensunterhalt mit schlecht bezahlten Praktika bestreiten. «So werden die Studierenden nach dem Abschluss noch ein paar Jahre auf dem Arbeitsmarkt als billige Arbeitskraft ausgenutzt», kritisiert Roman.

Klare Kritik an der finanziellen Lage fehlt

Deshalb fordern die Kritischen Studierenden Regelungen für Praktikumsstellen, die festlegen, welche Bedingungen erlaubt sind und welche nicht.

Die Gruppierung formierte sich vor einem Jahr, als die Erhöhung der Studiengebühren aktuell war. Damals mobilisierten sie viele Studentinnen und Studenten und machten mit Demonstrationen und Veranstaltungen lautstark auf sich aufmerksam.

Dass die Skuba und der Studierendenrat damals nichts unternommen hätten, bemängelt Roman heute: «Die anderen Gremien waren in dieser Zeit sehr zurückhaltend. Sie sind eher darauf bedacht, Kompromisse mit der Unileitung zu finden, als klar zu kritisieren.»

Klare Kritik an der aktuellen finanziellen Lage wird aber auch am Aktionstag der Kritischen Studierenden nicht geäussert. «Die aktuellen Sparmassnahmen an der Universität Basel betrachten wir nicht separat, sondern beziehen sie in unsere Kritik am Sozialabbau ein», erwidert Roman.