Basel

Bischof-Abgang: Ackermann wurde auf dem falschen Fuss erwischt

Elisabeth Ackermann erfuhr erst am Montag von Bischofs Plänen.

Bis Montag wusste niemand von Philippe Bischofs Plänen. Nun wird er Chef von Pro Helvetia. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann erfuhr ebenfalls erst am Montag davon.

Es ist bereits der zweite gewichtige Abgang in der Entourage der neuen Regierungspräsidentin: Philippe Bischof kündigt seine Stelle als Leiter der Abteilung Kultur und wird Chef von Pro Helvetia. Nach dem unfreiwilligen Abschied von Stadtentwickler Thomas Kessler plagen Elisabeth Ackermann (Grüne) also zusätzliche Personalsorgen.

«Sein Abgang kommt überraschend», sagt sie denn auch gegenüber der bz. Erst am Montag hatte Bischof seine Chefin über seine neuen Karrierepläne in Kenntnis gesetzt. Sie habe Bischof sehr geschätzt, sagt Ackermann und unterstreicht seine Fähigkeiten als Netzwerker, der seinem Job stets mit grossem Engagement nachging. «Wir sind sehr gut gestartet, entsprechend ist dieser Wechsel sehr schade», sagt Ackermann. Sie hofft nun auf eine saubere Übergabe – Bischof verlässt das Präsidialdepartement erst im Herbst. Die Stelle wird ausgeschrieben, heisst es in einer Mitteilung. Jene von Kessler ist es bereits.

«Ich strebe keine weiteren Wechsel an», sagt Ackermann. Dennoch könne es in Zeiten von Führungswechseln immer zu einer gewissen Fluktuation kommen. Die Abteilung Kultur umkrempeln, das will Ackermann nicht. «Ackermann hat eigentlich schon genug zu tun», sagt denn auch der Basler Kulturpolitiker Heiner Vischer (LDP), «jetzt hat sie nochmals eine neue Baustelle. Sie wird total gefordert sein.»

Er hätte sich mehr Kontinuität gewünscht, insbesondere da mit der Museumsstrategie, dem neuen Förderkonzept des Bundes und der vakanten Stelle an der Spitze des Naturhistorischen Museums wichtige Entscheide anstünden. «Das kann auch immer eine Chance sein», sagt hingegen Joël Thüring (SVP, Mitglied der grossrätlichen Kulturkommission, mit Verweis auf die Geschichtsbücher. Ein kurzer Rückblick zeigt: Immer wieder, wenn der Vorsteher ausgetauscht wird, kommt es zu personellen Rochaden. Justizdirektor Baschi Dürr etwa stellte einen neuen Generalsekretär ein, Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger strich zwei Kaderstellen.

Leise Kritik

Eine Chance wittern indes auch manche Basler Kulturschaffende. Claudio Miozzari ist SP-Grossrat und Geschäftsleiter des Komitees «Kulturstadt jetzt». Er sagt: «Philippe Bischof hat sich immer sehr bemüht.» Nicht alles, was er versprochen habe, habe er auch einlösen können, so der Tenor von Miozzari: «Im Bereich der Jugendkultur hatten wir uns mehr erhofft.» Entsprechend wünscht er sich nun jemanden, der die Alternativkultur in Basel stärker fördert, obwohl auch Miozzari sagt: «Bischof hatte immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen.»

Für Regierungspräsidentin Ackermann ist hingegen eine andere Anforderung zentral: «Es ist in diesem Job sehr wichtig, dass man gut vernetzt ist und dennoch eine gewisse Distanz zur Kulturszene bewahrt. Philippe Bischof hat dies sehr gut verstanden.» Seite 40

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