Herr Bürgin, die erste Fasnacht als Weltkulturerbe. Hat der Jahrgang 2018 das Prädikat verdient?

Christoph Bürgin: Aber klar, wie immer. Sonst wäre die Fasnacht ja nicht entsprechend ausgezeichnet worden. Es war eine sehr hochstehende Fasnacht. Aber abgesehen davon, dass das Thema ab und zu als Sujet ausgespielt wurde, merkte man davon nichts.

Täuscht der Eindruck oder hatte es mehr Touristen, vor allem aus Fernost?

Es ist mir zumindest aufgefallen, dass es ganz allgemein viele Leute hatte, sowohl am Morgenstreich, wie auch an den Cortèges und am Abend.

Wie haben Ihnen die Sujets gefallen?

Was man schon im Vorfeld gemerkt hat: Es war eine sehr politische Fasnacht. Viele Stammvereine hatten sehr bissige Sujets. Was mir dieses Jahr besonders aufgefallen ist, waren die Wagen: Vieles war sehr detailreich ausgearbeitet, mit einem riesigen Aufwand. Es war daher auch eine sehr sorgfältige Fasnacht.

Zu reden gaben im Vorfeld auch die Chaisen. Tierschützer kritisieren, dass die Fasnacht für die Pferde ein Stress sei.

Ich habe den Umgang als sehr positiv erlebt. Alle Pferde wurden von einer unabhängigen Tierärztin untersucht, bevor sie losgefahren sind. Das ging reibungslos. Soweit ich informiert bin, war mit den Tieren alles tipptopp. Aber als Veranstalter der beiden Cortège haben wir unsere Verantwortung wahrgenommen. Wir wussten, was für Pferde kommen und welche Erfahrung diese haben.

Ebenfalls für Aufsehen sorgte im Vorfeld der Fasnacht die Anti-Comité-Aktion der Olymper, die sogar eine eigene Blaggedde herausgegeben haben.

An der Fasnacht selber habe ich von ihnen kaum etwas mitbekommen. Einmal ist ein Grüppchen von sechs Leuten mit einer Laterne durchgelaufen. Und einmal habe ich einen alleine mit einer Blockflöte gesehen. Der hat mir ehrlich gesagt ein bisschen leid getan. Ich weiss nicht, ob der das lustig gefunden hat.

Mit solchen Protestaktionen rechnen Sie wohl auch in Zukunft.

Das gehört dazu, spätestens seit der Aktion der Kuttlebutzer vor fast 50 Jahren. Das Comité ist immer ein dankbares Sujet. Ob das dann sehr originell und persiflierend ist, sollen andere beurteilen.

Für viel Aufsehen sorgte auch ein Artikel der bz, dass einige Waggis-Wagen abgelaufende Lebensmittel verteilen würden. Sind Sie da schon aktiv geworden?

Ich hoffe, das wissen die selber. Das steht ja sogar in der Polizeiverordnung. Es ist aber sicher eine Minderheit.

Mir ist weiter aufgefallen, dass viele Cliquen und Wagen Rauchmaschinen einsetzten. Eine Gugge hat am Dienstagabend bei ihrem Auftritt sogar Pyros gezündet.

Der Dienstagabend ist natürlich total freie Fasnacht. Da können wir nur an die Vernunft appellieren. Pyros sind verboten – auch während der Fasnacht. Beim Rauch schreiten wir ein, wenn es störend wird. Aber das versuchen wir allgemein so wenig wie möglich und hoffen immer auf die Vernunft der Fasnächtler. Und die ist ja eigentlich sehr gross, wenn man bedenkt, was alles abgeht.