Steuerstreit
BKB-Chef: «Wir haben die Mitarbeiternamen schon 2012 geliefert»

Die Basler Kantonalbank verhandelt seit längerem mit den USA, um eine Lösung im Steuerstreit. Die Bank rechnet nicht mit einer Anklage, aber mit einer Busse. «Wichtig war, das wir uns kooperativ zeigten», sagt CEO Guy Lachapelle.

Stefan Schuppli
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Guy Lachapelle, der neue Direktor der BKB.

Guy Lachapelle, der neue Direktor der BKB.

Zur Verfügung gestellt

Was bedeutet das Abkommen, das der Bund mit den USA ausgehandelt, für die Basler Kantonalbank (BKB)?

Guy Lachappelle: Wir begrüssen diesen Schritt. Alle Banken können ihre Angelegenheiten mit den USA und den US-Kunden selbst regeln. So hat auch die Basler Kantonalbank den rechtlichen Rahmen, dass wir unsere Verhandlungen mit den US-Behörden abschliessen können.

Was geschieht, wenn der Gesetzesvorschlag im Parlament nicht durchkommt?

Dann werden wir weiterhin versuchen, eine bilaterale Lösung zu bekommen.

Die BKB hat bereits mit den US-Behörden verhandelt. Branchenkenner sagen, dass Banken, die in Verhandlungen mit den USA stehen, eher nicht als Erste angeklagt werden. Teilen Sie diese Auffassung?

Wir haben bis zum heutigen Zeitpunkt nicht ein einziges Mal eine Situation gehabt, bei der wir den Eindruck gewannen, vor einer Anklage zu stehen. Wir haben uns kooperativ gezeigt, die Gespräche verliefen immer sehr konstruktiv.

Sie denken also nicht, dass es zu einer Anklage kommt?

Nein, wir haben derzeit keinerlei Veranlassung, das zu glauben.

Weil bei der BKB mit 500 bis 600 Millionen Franken vergleichsweise wenig US-Gelder waren?

Ob die Summe ein relevantes Kriterium ist, weiss ich nicht. Wichtig war, dass wir uns kooperativ zeigten. Zweitens muss ich betonen, dass wir nicht in den USA tätig waren und auch keine Kundengelder akquiriert hatten. Die US-Kunden kamen vorwiegend via externe Vermögensverwalter zur Bank.

Eine Busse wird die BKB zahlen müssen.

Dass man mit einer Busse rechnen muss, ist offensichtlich. Wie hoch diese ausfallen wird, können wir nicht sagen. Wir wissen es nicht. Wir kennen die Kriterien nicht, aufgrund derer eine Busse oder Einigungszahlung festgelegt wird.

Wie finanziert die BKB eine Busse?

Ich nehme an, dass wir eine Busse aus eigener Kraft finanzieren können.

Sinkt der Gewinn? Bekommt der Kanton eine weniger hohe Ausschüttung?

Nein, nicht zwingend. Man könnte den Betrag aus den Reserven für allgemeine Bankrisiken entnehmen. Das würde die Stammhausrechnung nicht belasten. Das Vorgehen ist aber noch offen.

Nahm die BKB nach 2009 noch US-Gelder an?

Im März 2009 hat die BKB entschieden, grundsätzlich keine neuen Kunden mit Domizil USA mehr anzunehmen.

Auch Mitarbeiternamen können an die USA geliefert werden. Wie stellt sich die Lage für die BKB-Mitarbeitenden dar?

Wir haben die Dokumente mit Mitarbeiternamen bereits im April 2012 geliefert, basierend auf einer Ermächtigung des Bundesrates. Es handelte sich aber nicht um eine Personenliste, sondern um Dokumente verschiedener Art, in welchen im Unterschied zu den Namen der Kunden diejenigen der Mitarbeitenden nicht anonymisiert wurden.

*Guy Lachappelle (51) ist seit Ende Februar CEO der Basler Kantonalbank.