Steuerstreit

BKB-Chef: «Wir hatten 600 Millionen Franken von US-Kunden»

«Jeder fünfte Kunde der Basler Kantonalbank hat Domizil Ausland»: BKB-CEO Guy Lachappelle.

«Jeder fünfte Kunde der Basler Kantonalbank hat Domizil Ausland»: BKB-CEO Guy Lachappelle.

Die Basler Kantonalbank (BKB) hatte 600 Millionen Franken Vermögen von US-Kunden auf Konti liegen. Das sagt CEO Guy Lachappelle. Für den schlimmsten Fall die Bank Notfallszenarien durchgespielt, darunter auch jenes mit der Bank Coop als Rettungsboot.

Herr Lachappelle, wie viele UBS-Kunden hatte die BKB 2009 von der UBS übernommen, nachdem die UBS Ende Februar 2009 aus dem US-Geschäft ausgestiegen ist?
Guy Lachappelle:
Wir haben entschieden, ab 31. März 2009 keine US-Kunden mehr anzunehmen. In der fraglichen Zeit hatten wir einen Zufluss von über 20 000 Kunden. Darunter waren auch Kunden der UBS und es waren auch amerikanische Kunden darunter. Ich kann nicht sagen, wie viele es sind. Insgesamt hatten wir maximal 600 Millionen Franken Kundenvermögen von amerikanischen Kunden. Das sind Kundenvermögen sowohl von domizilierten wie von nicht domizilierten US-Kunden. Spekulationen darüber, dass da noch mehr sei, sind verfehlt.

Es gibt domizilierte US-Kunden, also Amerikaner, die in den USA leben, es gibt nicht domizilierte US-Kunden, also Amerikaner, die in der Schweiz leben und zum Beispiel hier in Basel bei einer Pharmafirma arbeiten, es gibt US-Schweizerische Doppelbürger – haben Sie den Überblick?
Wenn ein Kunde zwei Pässe hat, uns aber nur den Schweizer Pass zeigt und uns den US-Pass verschweigt, dann ist das natürlich schwierig. Das können wir nicht wissen. In der Berichterstattung wird jetzt plötzlich dieser Unterschied gemacht zwischen Domizilierten und Nichtdomizilierten. Im Fokus der Amerikaner stehen unserer Einschätzung nach primär die domizilierten US-Bürger. Die Nichtdomizilierten zahlen in ihren Ländern Steuern und können diese mit den US-Steuern verrechnen. Insofern relativiert sich hier das Problem.

Warum haben Sie überhaupt ausländische Kunden als Basler Kantonalbank?
Wir haben hier in Basel eine Industrie, in der viele Amerikaner arbeiten. Wir haben Hunderte von amerikanischen Staatsbürgern in der Region, denen müssen wir ein Konto anbieten. Wir sind aber die Basler Kantonalbank und haben den grössten Teil der Kunden hier vor Ort. Trotzdem sind aufgrund des Grenzgebiets von unseren rund 200 000 Kundenbeziehungen rund 20% Kunden mit Domizil Ausland.

Welche Rolle spielt die Staatsgarantie bei den Verhandlungen mit den Amerikanern?
Unser Status als Kantonalbank war nie ein Thema. Die Staatsgarantie spielt bei den Verhandlungen keine Rolle. Wir gehen auch davon aus, dass wir eine Busse aus eigener Kraft zahlen können.

Koordiniert die BKB das Vorgehen in Bezug auf die USA mit anderen betroffenen Kantonalbanken wie der ZKB?
Nein, das läuft auf Institutsebene, jeder verhandelt für sich alleine. Das ist wahrscheinlich auch deshalb so, weil die Fälle sehr unterschiedlich sind. Wir können uns weder mit einer Bank Wegelin noch mit einer ZKB vergleichen.

Gib es einen Forderungskatalog?
Nicht im eigentlichen Sinn. Was die USA vor allem wollen, sind Informationen. Zum einen zum Geschäftsmodell: Was haben wir genau gemacht? Wie war das Geschäft mit Amerikanern aufgesetzt? Und sie wollen Zahlen dazu. Ein weiterer Bestandteil war, dass wir die Dokumente liefern, die im Zusammenhang mit dem US-Geschäft stehen. Diese Dokumente haben wir letztes Jahr im Rahmen der Ermächtigung durch den Bundesrat geliefert. Wir haben die entsprechenden Auskünfte den Amerikanern also bereits gegeben. Wir haben dabei klargemacht, dass wir nie Marketing betrieben haben in Amerika, wir waren nie in den USA selbst aktiv, wir haben die US-Kunden nie aktiv angeworben, wir haben keine Strukturen gebaut. Im «weichen» Bereich merkt man, dass die amerikanischen Verhandlungspartner Einsicht haben wollen, sie wollen ein Verständnis entwickeln. Diesbezüglich sind wir schon weit gekommen. Wir zeigen Einsicht und wollen kooperieren.

Wer trägt bei der BKB die Verantwortung für die Verhandlungen mit den USA?
Die Verantwortung bei Entscheiden liegt bei der Geschäftsleitung und beim Bankrat. Wir haben die Anwaltskanzlei Homburger sowie eine US-Anwaltskanzlei, die uns einerseits als Rechtsbeistand unterstützen und andererseits die Verhandlungen vor Ort führen. Konkret finden die Verhandlungen in den USA und im Rahmen von Konferenztelefongesprächen statt.

Was wäre Ihr Worst Case und das Szenario dazu?
Wir haben natürlich ein Worst-Case-Szenario. Ich bitte Sie um Verständnis dafür, dass wir diese Notfallplanung nicht offenlegen können.

Wäre es eine Möglichkeit, die Dollar-Geschäfte über eine Offshore-Bank in London oder Singapur abzuwickeln?
Wir haben jetzt einen Korrespondenten für die Dollargeschäfte. Wenn der dazu angehalten wird, das Dollar-Clearing für uns nicht mehr zu machen, dann haben wir ein Problem. Jedes Clearing geht über Amerika, alles andere funktioniert nicht. Auch in London oder Singapur wird ihnen niemand helfen. Ich möchte noch einmal festhalten, dass wir keinerlei Anzeichen dafür haben, dass wir stärker als andere bereits mit den Behörden verhandelnde Banken im Fokus der Amerikaner stehen. Die Verhandlungen, die wir mit den Amerikanern haben, sind geprägt von Fragen, die beantworten wir alle bis auf die Frage nach der Leaverliste. Diese «Abschleicherliste» ist auch Gegenstand des Gesetzes, über das das Parlament berät.

Ist die Aufspaltung der BKB in eine «Bad Bank» und eine «Good Bank» denkbar? Könnte zum Beispiel die Basellandschaftliche Kantonalbank oder Ihre Tochtergesellschaft, die Bank Coop, einspringen?
In einer seriösen Notfallplanung haben wir natürlich alle Szenarien durchgedacht. Das mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank war kein Szenario.

Und die Bank Coop als Rettungsboot?
Dazu kann ich nur sagen: Wir haben alle Optionen geprüft.

Wie sorgt die BKB dafür, dass sich ein ähnliches Problem nicht wiederholt?
Wir arbeiten an drei Themenfeldern. Zuerst müssen wir die Altlasten aufräumen. Das betrifft die Geschäfte in den USA und den Betrugsfall des unabhängigen Vermögensverwalters ASE Investment AG. Im Fall ASE sind wir schon sehr weit, mit den USA kommen wir, je nach Resultat aus Bern, rasch zu einem Abschluss. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Risiko-Vorsorge. Wir haben die Geschäftsfelder untersucht und sorgen in der Risikovorsorge dafür, dass so etwas nicht mehr passieren kann. Wir verfolgen eine klare Weissgeldstrategie, darüber hinaus werden die Anreizsysteme in der Bank neu ausgerichtet. Der dritte Teil ist die Ausrichtung der Bank auf die Zukunft.

Die US-Affäre hat das Image der BKB stark beschädigt. Wie wollen Sie den Image-Schaden reparieren?
Wir hatten bisher keine grösseren Geldabflüsse. Ich bin überzeugt, dass sich das Bild aufhellt mit den Massnahmen, die wir aufgelegt haben. Wir haben viel angekündigt, jetzt müssen wir es umsetzen.

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