Herr Lachappelle, worüber reden wir?

Guy Lachappelle: Über Schönheit.

Wir sitzen in der Filiale an der Spiegelgasse mit dem neuen Designkonzept. Sehr schön geworden.

Vielen Dank! Wir haben lange daran gearbeitet. Die Ausgangslage war ein einheitliches Konzept für alle Filialen. Da ging es aber nicht nur um Äusseres: Wir wollen eine Gastgeberrolle einnehmen.

Die Halle hier hat tatsächlich die Ausstrahlung einer Hotellobby. Passt das überhaupt zu einer Bank?

Dieses Design passt zur heutigen Zeit, die Rolle der physischen Bank ist im Begriff, sich stark zu wandeln. Wie beim Einkaufen ist beim Besuch einer Bankfiliale das Erlebnis entscheidend. Der Kunde soll sich wohlfühlen. Das legt die Basis, dass der Kunde gern zu uns zurückkommt.

Ich sehe hier immer noch einzelne Schalter. Die Valiant Bank verzichtet derweil gänzlich darauf. Wann schafft die BKB die Schalter ab?

Ich sage immer: Wir schaffen als letzte Bank den Schalter ab. Es gibt genug Menschen, die den digitalen Kanal nicht nutzen. Dennoch kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob in zehn Jahren noch Schalter nötig sein werden bei uns.

Es lässt sich aber nicht leugnen, dass die Erledigung vieler Bankgeschäfte zunehmend digital stattfindet. Lohnt sich da die Investition in ein solches
Filialkonzept überhaupt?

Ja. Früher kamen alle unsere 18 Filialen anders daher, es fehlte die Wiedererkennbarkeit. In einer schnelllebigen digitalen Welt des kommunikativen Überflusses ist Einheit enorm wichtig.

Zum einheitlichen BKB-Auftritt gehört seit vergangenem Sommer ein Dresscode für Angestellte mit Kundenkontakt. Das kam nicht bei allen gut an.

Man kann darüber streiten, ob das nötig ist. Aber es gibt dem Kunden Orientierung, gerade bei einem derart offenen Filialkonzept, wie wir es haben. Die Bankangestellten sollen schnell erkennbar sein. Es hat auch mit Respekt gegenüber dem Kunden zu tun, dass man anständig gekleidet ist.

Und darum braucht’s einen Dresscode? Da trauen Sie Ihren Angestellten aber nicht viel zu.

Sicher tue ich das. Unser Kunde, so haben Befragungen gezeigt, begrüsst dieses einheitliche Auftreten. Trotz der voranschreitenden Digitalisierung – da bin ich überzeugt – kommt jeder hin und wieder in die Bank. Dann ist ein überzeugender Auftritt der Mitarbeiter enorm wichtig.

Nur mit Äusserlichkeiten ist die Sache nicht geritzt.

Natürlich nicht. Aber es ist ein guter Start.

Wie stark lassen Sie sich bei Bewerbungsgesprächen vom äusseren Erscheinungsbild beeinflussen?

Ich wäre ein Roboter, wenn das Äussere im ersten Moment keinen Einfluss auf mich hätte. Das ist menschlich! Aber ich konzentriere mich im Laufe des Gesprächs bewusst auf den Inhalt der Aussagen, stelle jedem Bewerber dieselben Fragen. So hat jeder eine gerechte Chance.

Wie hat die Digitalisierung das Anforderungsprofil potenzieller Mitarbeiter der BKB verändert

Zum Beispiel verlangen wir neu, dass die englische Sprache in den Grundzügen beherrscht wird. Die Sprache der Digitalisierung ist nun mal Englisch. Es gibt einige Mitarbeiter, die hier Aufholbedarf haben.

In zwei Wochen lanciert die Tochterbank Cler die Handy-App ZAK. Damit können neu alle Bankgeschäfte auf dem Handy erledigt werden. Sie wirkt sehr spielerisch. Aber das ist doch alles andere als ein Spiel. Es geht um Geld.

Es ist auch kein Spiel. Aber: «Gamification» ist ein wichtiges Stichwort. Damit holen Sie heute die Jungen ab, es muss Freude machen und einfach sein.

Später will auch die BKB die App anbieten und so offensichtlich Zugang zur potenziellen jüngeren Kundschaft finden. Ist Ihr Kundenstamm veraltet?

Die BKB ist daran interessiert, die Kundschaft zu verjüngen. Beim Segment der 20-Jährigen besteht derzeit eine Lücke. Im Schnitt sind unsere Kunden zwischen 40 und 50 Jahre alt.

Das neue Filialdesign wird junge Menschen sicher ansprechen. Haben Sie persönlich am Konzept mitgewirkt?

Ich war bei jeder Evaluation, bei jeder Planung dabei, ja. Sei es bei der Auswahl des Holzes, der Teppiche, der Möbelstücke.

Welches ist Ihr liebstes Möbelstück zu Hause?

Ein Sofa aus den 1920er-Jahren, das meinen Eltern gehört hat. Ich habe es aufwändig renovieren lassen; unser Prunkstück! Fast zu schön, um sich drauzusetzen.

Sie wohnen in Oberwil. Sollte der Chef der BKB nicht in der Stadt wohnen?

Interessant ist ja, dass BLKB-Direktor John Häfelfinger in der Stadt wohnt. Damit ist es ausgeglichen (lacht). Meine Frau und ich überlegen allerdings, ob wir wieder in die Stadt ziehen, weil ich Bürger von Basel werden möchte. Ich bin ja im Kleinbasel aufgewachsen.

Wo?

Direkt bei der Messe. Meine Eltern waren die Wirte des Alten Warteck.

Wollten Sie nie in ihre Fussstapfen treten?

Doch! Ich hätte gerne die Ausbildung an der Hotelfachschule in Lausanne absolviert. Mein Vater riet mir indes, Jurist zu werden. Rückblickend war das der richtige Entscheid.

Und wenn Sie doch den anderen Weg eingeschlagen hätten? Welches Restaurant würden Sie heute führen?

Mir gefallen die Restaurants von Simon Lutz, das «Acqua» wäre mein Stil. Aber ich könnte mir auch vorstellen, eine Beiz wie das Alte Warteck zu führen! So ein Restaurant lebt von den Gästen und ihren Geschichten. Es war eine schöne Zeit da.

Und privat? Kochen Sie gerne, sind Sie ein guter Gastgeber?

Kochen kann ich leider überhaupt nicht. Wir gehen sehr gerne auswärts essen. In solchen Momenten, an einem schönen Ort mit meiner Frau, kann ich mich am besten erholen.

Haben Sie gerade Erholung nötig?

Ja! Der Dezember und Januar sind jeweils sehr intensiv, ein Event jagt den nächsten. Die Woche vor der Fasnacht verbringen wir deshalb in Zermatt. Wie jedes Jahr.

Warum Zermatt?

Meine Frau und ich verbinden viele schöne Momente mit dem Ort; vor fünf Jahren haben wir auf der Riffelalp geheiratet. Das war zauberhaft, so mit dem Matterhorn im Blick. Eine wahre Schönheit.