Der Rahmen für die PS-Versammlung der Basler Kantonalbank (BKB) vom nächsten Donnerstag ist besonders feierlich. Erstmals werden die über zweitausend Inhaber von Partizipationsscheinen (PS) in die neue Eventhalle der Messe Schweiz pilgern. Doch mehr als die Architektur interessiert sie, wie sich Bankratspräsident Andreas C. Albrecht erklären wird. Vor einem Jahr hatte er mit Verweis auf laufende Verfahren verweigert, über das unangenehme Thema der Geschäftsbeziehung der BKB mit der Anlageskandal-Firma ASE Investment AG zu sprechen. Es lief wie das Geschäft mit US-Kunden über die Zürcher BKB-Filiale.

Nun soll am Mittwoch im Bundesrat über ein Steuerabkommen mit den USA befunden werden, was unmittelbare Konsequenzen für den Rechtsstreit der BKB mit den US-Behörden hat. Zudem liegen im Fall ASE die Untersuchung der Anwaltskanzlei Bär & Karrer wie auch die Verfügung der Finanzmarktaufsicht (Finma) vor. Ein ASE-Geschädigter findet es darum «höchste Zeit», dass sich Albrecht äussert. Gerade die Finma-Verfügung, welche die «Schweiz am Sonntag» vergangene Woche teilweise öffentlich machte, zeige, dass die Bank über die «auffällige» ASE seit 2009 viel mehr wusste als die Anleger.

Im gleichen Jahr ist Albrecht BKB-Präsident geworden. Der Anwalt und Managing Director der Kanzlei Vischer ist sich aber keines Versäumnisses bewusst: Der Bericht von Bär & Karrer habe «relativ klar» gezeigt, dass «die Fehler nicht bei der Oberleitung der Bank passiert sind», sagte er diese Woche der «Tageswoche». Laut Finma-Verfügung dauerte es jedoch mehr als zwei Jahre nach den ersten Verdachtsmomenten, bis der Bankrat Ende 2011 «Mängel in der Geschäftstätigkeit» der Zürcher BKB-Filiale feststellte. Er bildete darauf einen Sonderausschuss, dem neben dem liberalen Albrecht die Bankräte Andreas Sturm (GLP) und Richard Widmer (EVP) angehörten. Die Gruppe habe dem Bankrat nach etlichen Sitzungen Anträge für Massnahmen gestellt, erklärt die BKB auf Anfrage.

Doch nicht der Bankrat, sondern die Reklamation eines Kunden löste aus, dass die Staatsbank Ende März 2012 eine Strafanzeige einreichte. Seither sitzt der ASE-Geschäftsführer wegen Verdachts auf Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung in Untersuchungshaft. Im Sinne eines «fair bankings» stellte die BKB fünfzig Millionen Franken für Kunden zurück, die durch die ASE mutmasslich betrogen wurden. Ihnen wird zwischen 45 und 70 Prozent des ursprünglich einbezahlten Kapitals zurückbezahlt. Aufgrund der Finma-Verfügung ist der Basler Anwalt Marco Chevalier jedoch der Ansicht, dass die BKB «eine volle Haftung» trifft und für die Verluste vollständig geradestehen müsse.

Dass Albrecht ausgerechnet Guy Lachappelle Ende Februar zum Nachfolger des untragbar gewordenen Hans-Rudolf Matter als BKB-Direktionspräsident erhob, macht die Sache nicht einfacher. Seit Oktober 2010 war Lachappelle Leiter des Bereichs Firmenkunden und Institutionelle und damit für die ASE zuständig. Auch wenn er bereits Anfang 2011 Matter wegen der ASE und dem damit verbundenen Verlust- und Reputations risiko bestürmte, Massnahmen zu ergreifen, gehörte er doch zum mitverantwortlichen Management. Für PS-Besitzer jedenfalls war der Fall mitbestimmend, dass der Wert ihrer Papiere 2012 um einen Viertel zurückging, obwohl die BKB den Kurs mit 83 Millionen stützte.

Das Duo Albrecht/Lachappelle will der BKB nun eine neue Strategie verpassen. Auch wenn das neue BKB-Gesetz den Einsitz von Politikern im Bankrat verbieten will, wird LDP-Grossrat Albrecht davon nicht betroffen sein: Im ersten Quartal 2014 will er als Grossrat zurücktreten und damit zwei Jahre vor dem verordneten Rückzug durch die gültige Amtszeitbeschränkung. Die überraschende Ankündigung platzierte Albrecht in der «Tageswoche». Vor einem Monat hatte er auf eine entsprechende Frage der «Schweiz am Sonntag» noch gesagt: «Für Überlegungen zu einem allfälligen Rücktritt als Grossrat oder Bankrat ist es jetzt zu früh.»

Nun hat er ein neues Argument: Er wolle sich um sein erstes Kind kümmern und sein Pensum auf achtzig Prozent beschränken. Um Erklärungen ist Albrecht nicht verlegen. Am kommenden Donnerstag wird er diese Gabe erneut unter Beweis stellen können.