Basler Kantonalbank

BKB-Spot: Guy Lachappelle lässt Augenbrauen wandern

Nicolas Drechsler
Guy Lachappelle im BKB-Spot

Guy Lachappelle zum Geschäftsjahr 2015

Der neue Spot der Basler Kantonalbank inszeniert den Chef nach allen Regeln der Kunst. Wenn Guy Lachappelle «Gesamtkapitalquote» sagt, schmelzen Herzen.

Die Zukunft ist die virtuelle Schalterhalle. Wie das in etwa aussehen könnte, ist im neuen Werbevideo der BKB zu sehen. Das ist ein Spot, der als Making-of des Spots daherkommt. Das ist Selbstreferenzialität und Intertext wie bei den ganz grossen Regisseuren. Der Plot: Der CEO der Bank, Guy Lachapelle, bereitet sich auf einen virtuellen Auftritt vor Kunden oder Partizipationsschein-Besitzern vor. Die genauen Umstände bleiben im Hitchcockschen Dunkel. Der Direktionspräsident schreitet durch die zum Glück leeren Hallen des BKB-Hauptsitzes; den Kopf gesenkt, ist er so in seine Ansprache vertieft, dass er wohl jeden über den Haufen rennen würde, der ihm entgegenkommt.

«D Berooterbangg isch uffbaut», murmelt er vielsagend vor sich hin, und die Worte hallen leicht von den edlen Granitwänden wider, als ob Marlon Brando noch einmal den Marcus Antonius in den Hallen des Senats geben würde. Schnitt, Lachappelle betritt die Maske. Dort erkennt ihn zwar die Maskenbildnerin nicht, doch nachdem geklärt ist, dass er der Chef ist, darf er Platz nehmen.

Was dann kommt, widerspricht klar der Strategie der schonungslosen Offenheit. Keine Rede von Transparenz und «Fairtrauen», sondern vielmehr eine künstliche Aufhübschung: Hier wird ganz offensichtlich ein strukturiertes Produkt namens Guy Lachappelle kosmetisch aufgewertet, ohne dass die Substanz sich ändert. Lachappelle soll nicht zu sehr nach Weissgeld aussehen, sondern vielmehr leicht sonnengebräunt daherkommen.

Wie einst Jack Nicholson

Doch zurück zum Monolog des Guy Lachappelle, der eines Jack Nicholson in «Eine Frage der Ehre» würdig wäre. Hier mutiert er alsbald zum Zwiegespräch mit der Maskenbildnerin. Sie hört aus Lachappelles Vortragsübungen, die im Hintergrund auch gleich noch eingeblendet werden, offenbar heraus, ihr Geld sei in Gefahr. Wohl wegen des schönen Worts «retrozessionsfrei», das sie mit einem eleganten Anheben der perfekten Augenbraue quittiert. Doch der Chef kann sie beruhigen, trotz «schwierigem Geschäftsumfeld» laufe alles erfreulich.

Die Augenbrauen wandern erneut nach oben und runzeln sich leicht: «schwierig?» Der Auftakt zu einem weiteren denkwürdigen Monolog des Chefs, der slapstick-artig durch einen nervigen Mitarbeiter unterbrochen wird. Doch Lachapelle stellt klar: «Augenblick, ich bin im Gespräch mit einer Kundin!» Den Satz hätte auch Humphrey Bogart nicht cooler rübergebracht. Die Maske ist beendet, Bankratspräsident Andreas Sturm – Guy nennt ihn natürlich «Andi» – hat einen Cameo-Auftritt mit einer halben Zeile Text und – Schnitt! Lachapelle hält nun in einem leeren Auditorium seine Rede in die Kamera.

Epochal! Dagegen war Peter Ustinov als Nero in «Quo Vadis» ein Dilettant! Warum der CEO aber den Text so intensiv geübt hat, wenn er nun von einem Teleprompter abliest, werden wir nie erfahren. Und nun ein Schluss, bei dem man den Pulverdampf riecht: Mit unbewegter Miene à la Clint Eastwood stellt Guy klar: «D BKB isch immer baraat.»

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Nicolas Drechsler

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