Nähkästchen

Blackstars-Chef Peter Faé: «Und dann heisst es, ich sei ein Gränni»

Peter Faé auf «seinem» Buschweilerhof. Er zieht aus dem Nähkästchen den Begriff «Drama».

Peter Faé (62), Sportchef des FC Black Stars, plaudert aus dem Nähkästchen. Über Cup-Spiele, Behördenauflagen und andere Dramen.

Peter Faé, welchen Begriff haben Sie gezogen?

Peter Faé: «Drama»!

Sie gelten als jemand, der rasch auf Panik macht. Es fiel hinter vorgehaltener Hand der Begriff Gränni, der sich auf Vorrat beschwert. Das war im Vorfeld des Cup-Spiels Mitte August, als die Black Stars den FC Zürich empfingen.

Ich kann mir vorstellen, von wem das kommt. Wir waren unzufrieden, weil wir nicht hier bei uns auf dem Buschweilerhof spielen durften. Ich bleibe dabei: Wenn wir gezwungen werden, in ein Leichtathletik-Stadion auszuweichen und es noch fussballtauglich machen müssen, dann läuft etwas falsch – beim Cup, aber auch bei den Behörden. Und dann heisst es, ich sei ein Gränni. Das kann der Schweizerische Fussballverband lange sagen.

Sie haben gewarnt, dass für «Black» ein grosses Defizit abfallen wird. Wie sieht die Schlussrechnung aus?

Das können wir noch nicht genau beziffern. Es gibt eine laufende juristische Auseinandersetzung mit einem Caterer. Es geht um einen fünfstelligen Betrag. Was aber klar ist: Alleine die fixen Zusatzaufwände übersteigen 40 000 Franken. Wir zählten 1800 Zuschauer. Selbst dann, wenn jeder zwanzig Würste gegessen hätte, wäre ein Defizit übrig geblieben. Wir legen sicher fünfstellig drauf – eine fette rote Zahl.

Basel-Stadt hat die Sicherheitskosten erlassen.

Nur die. Unsere Anfrage an den Sporttoto-Fonds für eine Defizitgarantie wurde abgelehnt. Wir sind nicht die Einzigen. Das gleiche Problem hat aktuell der FC Wohlen. Er spielt am Sonntag im Cup gegen den FC Luzern. Die Sicherheitskosten dort: 45 000 Franken. Der Cup ist für mich ein einziges grosses Drama.

Die anderen regionalen Vereine mit grossen Gegnern freuten sich: Der FC Allschwil empfing Sion, der FC Concordia Lugano.

Allschwil durfte zu Hause spielen und erhielt Unterstützung von der Gemeinde. Hätten sie den FCZ zugelost erhalten, hätten sie auch ausweichen müssen. «Congeli» spielte letztes Jahr im Joggeli gegen den FCZ. Das Defizit war immens. Du kannst auch kaum Einnahmen generieren. Inserate, Bandenwerbung – das war einmal.

Was wäre Ihre Lösung?

Man sollte die Super-League-Vereine gegen Unterklassige aus der gleichen Region spielen lassen, zumindest in den ersten Runden. Dann gibt es Volksfeste, wie sie dem Verband vorschweben. Jeder Unterklassige in der Region Basel würde sich auf den FCB freuen.
Ihr Verein ist in der Region die Nummer zwei. Im Ligabetrieb gibts kein Drama.
Mit unserer 1. Mannschaft können wir zufrieden sein. Die schlägt sich gut in der 1. Liga Promotion. Schaut man sich das Gesamtpaket an, wirds schwieriger. Unsere Rahmenbedingungen sind nicht ideal.

Es gibt Berichte über Lärmbeschwerden von Anwohnern. Der Buschweilerhof liegt mitten in einem Wohnquartier.

Nicht nur das. Wir bezahlen einen hohen Mietbetrag an die Stadt als Eigentümerin der Anlage. Sie ist nicht gerade luxuriös: ein einziges Spielfeld für 21 Mannschaften. Wir sind der einzige Club in der dritthöchsten Schweizer Spielklasse ohne Tribüne. Wir liessen zwei Container aufstellen, für den Speaker und für dringend benötigte Büroräume. Prompt kam die Stadt: Wir bräuchten einen Energienachweis. Die Denkmalpflege sagte, Container würden nicht ins Quartier passen. Oder die Cars: Die Gästeteams müssen die Spieler in einer Seitenstrasse aussteigen lassen, parkieren ist nur bei der Schützenmatte erlaubt. Wir richten den Fahrern aus, sie sollten ein Velo mitnehmen, wenn sie das Spiel sehen wollen. Ich könnte stundenlang erzählen. Uns werden viele Steine in den Weg gelegt.

Dabei ist «Black», wie so viele Fussballvereine, ein grosser Integrationshelfer.

Wir haben 140 Aktive, die Mitglieder stammen aus 71 Nationen. Was auffällt: Früher spielten in jedem Team Italiener, Spanier und Portugiesen. Heute: Nada. Wir haben Norweger, Holländer, Tschechen, ein paar Schweizer, aber kaum noch Italiener oder Spanier. Wer heute Fussball spielt: Leute aus afrikanischen und südamerikanischen Ländern, ebenso Tamilen, vor allem aber Türken und Kosovaren. Unser Problem ist, dass alles extrem teuer geworden ist. Wir müssen von den Mitgliedern mehrere hundert Franken Beitrag verlangen. Unser Sekretariat schreibt ständig Pro Juventute, die Winterhilfe und andere Einrichtungen an, ob sie bereit wären, Spieler aus sozial schwachen Familien zu unterstützen.

Sie sind Inhaber einer Immobilienfirma. Droht der Branche auch ein Drama – sprich: Eine Immobilienblase, die bald platzt?

Die Zinsen sinken immer weiter. Die Pensionskassen bauen und bauen, aber sie bauen am Markt vorbei. Im Mittelland stehen halbe Siedlungen leer. Auch in Basel gibt es grossen Leerstand, was aber fast nicht bekannt ist.

Trotzdem steigen die Bodenpreise weiter!

Fast nicht mehr. Der Plafond ist überall erreicht. Was aber fehlt, ist bezahlbarer Wohnraum für Familien. Viele unserer Mitglieder haben Mühe, etwas Bezahlbares mit drei oder vier Zimmern zu finden. Klar, sie könnten in den Jura ziehen. Aber das ist auch keine Lösung. Am Abend zu uns ins Training? Das ginge dann nicht mehr.

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