Umzug

Bläsi-Schulhaus: Bündelitag zwischen Zügelkisten und Abfallmulden

Die Schülerinnen und Schüler des Bläsi-Schulhauses ziehen im Sommer aufgrund eines Umbaus ins Provisorium auf der Erlenmatt um. Im Bläsi-Schulhaus herrscht Ausnahmezustand. Die Sommerferien beginnen wegen des Umzugs einen Tag früher.

Zügelkistenberge versperren die Gänge des Bläsi-Schulhauses. Einige Primarschülerinnen und Primarschüler durchwühlen Kisten mit Büchern. Nehmen sie die nicht mit, landen diese zusammen mit Karton, Holz, Schränken und undefinierbaren Objekten in der Abfallmulde auf dem Pausenplatz.

Löcher im Verputz der Schulhauswände offenbaren Holz, Stein und anderes Innenleben. «Das ist wie ein Emmentaler», kommentiert Schulleiterin Magdalena Mathys. Sie hat sich an den Ausnahmezustand in ihrer Schule gewöhnt. Seit Monaten bereitet sie den Umzug des Schulhauses ins Provisorium auf der Erlenmatt vor.

Zügelmänner kommen bald

Heute, ein Tag vor dem offiziellen Sommerferienbeginn, ist für 350 Schülerinnen und Schüler und für über 50 Lehrerinnen und Lehrer der letzte Schultag im Bläsi. Bis Freitagabend haben die Lehrer Zeit, ihre Schulzimmer fertig zu verpacken. Am Samstag fahren die Zügellastwagen vor.

Ist die letzte Kiste aus dem Haus, beginnen die Sanierung und die Erweiterung der 130 Jahre alten Liegenschaft. Dann wird das Parkett unter den Linoleumböden hervorgeholt, die Fenster doppelverglast, das Gebäude isoliert und der Estrich ausgebaut.

Mathys ist erleichtert, dass es endlich so weit ist: «So ein Umzug gibt wahnsinnig viel Arbeit.» Sie hat ihr Pensum um 10 Prozent aufgestockt, damit genügend Zeit für die Organisation bleibt. Auch die Lehrerinnen und Lehrer werden für zusätzliche Arbeitsstunden entlastet.

Statt einer Weiterbildung gabs im Frühling eine grosse Räumaktion. Dabei kamen Erinnerungen an vergangene Schulzeiten zum Vorschein. Der Estrich gab neben Spinnweben und Staub historisches Karten- und Bildmaterial frei. Dieses wird nun in einem Depot eingelagert, weil im Provisorium weniger Platz zur Verfügung steht.

Damit dort der Schulbetrieb nach den Sommerferien funktionieren kann, muss alles mit: Neben Stühlen, Tischen und Schulmaterial sind das Garderobenhaken, Telefonanschlüsse und vieles mehr.

Der heikle neue Schulweg

«Wir leisten da schon eine Art Pionierarbeit», sagt Mathys. Im Rahmen der Basler Schulraumoffensive werden bis ins Jahr 2020 beinahe sämtliche Schulen um-, an- oder neu gebaut.

Als erstes Schulhaus zog das Hirzbrunnen in ein Provisorium. Von deren Erfahrungen könne das Bläsi nur wenig profitieren: «Dort stand das Provisorium auf dem Schulhausareal», sagt Mathys. Dadurch entfiel eine emotional sehr geladene Diskussion: Die Sicherheit des neuen Schulweges. «Wir wurden davon überrascht, wie viel Bürokratie nötig ist, um den Schulweg sicherer zu gestalten.»

Auf dem Weg zur Erlenmatt müssen die Kinder den Riehenring überqueren. Weil sich die Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder sorgten, lancierten sie eine Petition. Mehr als 1400 gaben ihre Unterschrift und im Grossen Rat ging ein Anzug wegen der Schulwegsicherheit ein. «Wir haben gute Lösungen gefunden», ist Mathys überzeugt.

Ein Sicherheitsdienst hilft den Kindern, die Strasse zu überqueren. Zusätzlich wird ein Pedibus, eine Art Schulwegbegleitung organisiert. Etwa 20 Kinder werden mit einem Fahrdienst zur Schule kommen. Einige nehmen das Tram und werden mit einem Beitrag ans U-Abo oder einem Streckenabonnement unterstützt.

«Kinder ab der fünften Klasse dürfen mit dem Velo kommen», sagt Mathys. Denn zum Umzug hinzu kommt eine pädagogische Veränderung. Erstmals gehen in Basel Primarschülerinnen und Primarschüler nach der vierten Klasse nicht in die OS, sondern weitere zwei Jahre in die Primarschule.

Zweimal Kisten packen

«Die Lehrpersonen haben mit den Kindern den neuen Schulweg mehrmals geübt», sagt Mathys. «Zusätzlich organisieren wir am ersten Schultag eine Kinderkarawane.» Dann werden alle Schulkinder, inklusive der neuen Erstklässler, ausgerüstet mit grünen Sicherheitswesten vom Bläsi zum Provisorium ziehen.

Im Gepäck haben sie kleine Tiere auf Papier, die entlang des neuen Schulwegs aufgeklebt werden: «Die Kinder können sich an den Bildern orientieren.»

Und wenn denn der Umbau im Sommer 2014 fertig ist, dann folgt die ganze Übung in die umgekehrte Richtung: Kisten einpacken, umziehen, auspacken.

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