Der Quartierverein Gundeldingen beleuchtet seine Umgebung von allen Seiten: Geschichtliche Bauten, aktuelle Schicksale und historische Morde. Ein neues Buch soll das einstige Basler Problemviertel in ein neues Licht rücken.

«Das Gundeli ist ein Quartier, das sich rasch verändert und wächst, in dem sich Tradition und Moderne verbinden, in dem die alteingesessene Bevölkerung mit vielen Migrantinnen und Migranten zusammenlebt, in dem viele junge und urbane Menschen wohnen und arbeiten, in dem alte Baustruktur neben topmodernen Vorzeigebauten steht», schreibt Fausi Marti, Präsident des neutralen Quartiervereins Gundeldingen (NQVG), im Leitwort des Buches.

Grossräte werden zu Autoren

Als Autoren standen dem Buch mehrere bekannte Basler Persönlichkeiten Pate. Darunter Beatrice Isler, CVP-Grossrätin, die seit ihrer Geburt im Gundeli wohnt. «Das Gundeli hat sich verändert – was gut ist, denn Stillstand blockiert», sagt sie. Veränderung nimmt im 260-seitigen Buch viel Raum ein. Eine «Zeitreise» will es sein, einen Überblick verschaffen und erklären, «wie sich das ehemalige Landwirtschaftsgebiet des 19. Jahrhunderts zum heutigen Trendquartier des 21. Jahrhunderts entwickelt hat.»

Das Buch hat auch menschliche Seiten. So porträtiert Marti zwei Flüchtlingskinder, die im Gundeli ein neues Zuhause gefunden haben. Im Kapitel «Neue Heimat Gundeli» schreibt er über die Brüder Jivan und Jiwan aus Syrien, die mit ihrer Familie seit drei Jahren im Gundeli leben.

Kunschti und Casino

Doch das Buch beschreibt nicht nur die Bewohner des Quartiers. Auch die Institutionen, die deren Lebensraum ausmachen, sind umrissen – so etwa das Casino. Der Architekt und Maler Alfred Hoehn erzählt über die Entstehung und Geschichte der «kulturellen Mitte» des Quartiers, das im Süden Basels liegt. Dabei beschreibt er die Vorbereitungsphase des Wettbewerbs zum Neubau des Casinos im Sommer 1990: «Aus allen Richtungen hörte man Stimmen, Gesang, Klavier- und Flötentöne, und aus dem grossen Saal im ersten Stock schmetterte Blechblasmusik.»

Zu den Institutionen zählt auch die Kunschti. CVP Grossrat Oswald Inglin zeigt die Ursprünge der Kunsteisbahn auf, die zurück ins Jahr 1932 führen. Carl Frey, Advokat und Sohn des Baselbieter Bundesrates Emil Frey gründete 1932 ein Initiativkomitee für den Bau einer Solchen, welches erfolgreich war.

Kurz vor der Eröffnung kam es im Margarethenpark zum Finale einer der grössten Kriminalfälle der Schweizer Geschichte. Ein Umstand, der das Gundeli-Buch an einer Stelle zum Krimi macht. Im Januar 1934 flüchteten die zwei deutschen Verbrecher Kurt Sandweg und Waldemar Velte nach einem Banküberfall in den Margarethenpark. An diesem Tag brachten sie zwei Bankbeamte und zwei Polizisten um. Zudem wurde eine Zivilperson fälschlicherweise von der Polizei erschossen.

Als sie sich am Ende ihrer Flucht auf dem Spazierweg, oberhalb der Kunschti, von Polizisten umzingelt wiederfanden, erschossen sie sich selbst. Das Foto der beiden Leichen mit der Kunschti im Hintergrund ging um die Welt.

Auf der Leinwand

Die kulturelle Bandbreite, die das Gundeli zu bieten hat, zeigt ein Artikel über das Cinema Querfeld. Seit 2006 organisieren Migranten und Schweizer gemeinsam das jährliche Event, das in der Halle 8 auf dem Gundeldinger Feld stattfindet. Das Cinema Querfeld stehe für die besten Seiten des Gundeli und zeige exemplarisch auf, welch grosses Potenzial im Quartier für das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen vorhanden sei, steht im Gundeli-Buch.

Dieses gibt es für 38 Franken beim Neutralen Quartierverein Gundeldingen zu kaufen. Auch Geschichtsinteressierte kommen nicht zu kurz. So wird über die geschichtliche Entwicklung des Quartiers, die vier Gundeli-Schlösser, von denen zwei noch existieren und über die Geschichte der Heiliggeistkirche geschrieben. Die aktuellen Fotos zur Illustration hat František Matouš geschossen, im Vorwort als echter «Gundelianer» bezeichnet.