Fasnacht
«Blaggedde»-Verkäufer am Bahnhof: Die Zeiten der Heiserkeit sind vorbei

Felix Beck hat diese Woche extra Ferien genommen, um am Bahnhof Blaggedde zu verkaufen. Dort darf er zwar nicht mehr lautstark «Blaggedde!» schreien – trotzdem ist er mit Leidenschaft bei der Sache.

Noemi Lea Landolt
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Es ist ein Kommen und Gehen am Basler Bahnhof SBB. Die Menschen eilen in Richtung Ausgang, wollen möglichst schnell weg und weiter in die Innenstadt. Alle ausser Felix Beck. Er steht gleich beim Ausgang. Die Ohren sind etwas gerötet vom kalten Wind, der um die Ecke pfeift. In der Hand hält er eine weisse Kartonschachtel mit blauen Sternen. «Blaggedde!», ruft er immer wieder.

Noch bis am Sonntag verkauft der 48-Jährige am Bahnhof Fasnachtsplaketten. Dieses Jahr zum 29. Mal. Früher kam er nur am Samstag und Sonntag vor der Fasnacht. Seit vier Jahren nimmt der Bäcker dafür extra Ferien. Eine Woche, um Plaketten zu verkaufen; eine zweite, um Fasnacht zu machen. Obwohl er unterdessen leider nicht mehr in der Stadt, sondern in Reinach wohne, schlage sein Herz für die Basler Fasnacht. Der goldene Ohrstecker mit dem Baslerstab verrät seine Liebe zur Stadt.

Die Reisenden fühlten sich gestört

«Blaggedde!», ruft Felix Beck den vorbei eilenden Fussgängern zu. «Ich schreie nicht mehr», fügt er an. Es klingt fast wie eine Entschuldigung. «Früher hat man die Plakettenverkäufer schon von Weitem und durch den ganzen Bahnhof schreien hören. Und spätestens am zweiten Tag waren wir heiser.»

Die SBB dulden das auf dem Bahnhofareal allerdings nicht mehr. «Reisende und Geschäfte im Bahnhof haben sich gestört gefühlt, wenn die Plaketten-Verkäufer über Wochen lang akustisch auf den Plakettenverkauf aufmerksam machten», sagt SBB-Mediensprecherin Michele Rothen. Deshalb habe man zugunsten der Kunden entschieden, dass die Plakettenverkäufer erst in den letzten 14 Tagen vor Beginn der Fasnacht, die Blaggedde auch akustisch anpreisen dürfen.

Ausserhalb des SBB-Areals wäre schreien erlaubt: «Aber ich will nicht provozieren», sagt Felix Beck. Also ruft er und versucht, die Leute mit einem netten Lächeln oder mit den Augen abzuholen. Trotzdem höre er immer wieder, dass es die Basler schade fänden, dass die Plakettenverkäufer nicht mehr schreien. Es gehöre einfach zur Fasnacht dazu.

Früher hat Felix Beck zusammen mit seinem Bruder Blaggedde verkauft. Seit dessen Tod unterstützen ihn seine drei Kinder abwechslungsweise. «Sie machen das seit sie rechnen können, also seit der zweiten oder dritten Klasse», sagt er. Sie hätten zuerst zu Hause geübt und als es mit dem Retourgeld klappte, durften sie ihren Vater begleiten. «Ich habe ihnen am Anfang einen Bauchladen gebastelt, damit sie beide Hände freihaben.» Unterdessen sind seine Kinder im Teenager-Alter und verkaufen die Blaggedde wie der Vater aus der Kartonschachtel.

Ein Drittel geht an die Clique

Trotz Pubertät war nie viel Überzeugungsarbeit nötig, damit ihm die Kinder beim Verkaufen helfen. «Ich kann sie ja nicht zwingen. Wenn sie nicht möchten, gehe ich alleine und kaufe beim Comité einfach weniger Blaggedde.» Der Deal sei, dass er ihnen helfe, für ihre Clique, die Glaine Opti-Mischte, Plaketten zu verkaufen und sie im Gegenzug auch für die Maischterlose Plaketten verkaufen. Bei den Maischterlose ist Felix Beck Vorträbler. Vom Verkauf geht ein Drittel des Preises in die Kasse der Cliquen.

Felix Becks Ziel ist es, dass alle Plaketten bis am Sonntag vor dem Morgestraich verkauft sind. Gelingt das nicht, bringt er die übrigen während der Fasnacht unter die Leute. «Wenn ich keine Larve trage, verkaufe ich den Rest am Cortège. Dort sind sie im Nu weg.»