Analog ist tot – lang lebe das digitale Fernsehen. Am 28. April schaltete die UPC Cablecom in Basel alle analogen Fernsehsender ab, in Riehen und Bettingen sind nur noch sieben Sender empfangbar. Was tun, wenn noch ein «Dinosaurier» im Wohnzimmer steht, auf dessen treue Dienste man noch nicht verzichten möchte? Laut der Website von UPC Cablecom kein Problem: «Wir bieten einen gratis Umwandler pro Haushalt an.» Für Basler toll, doch in Riehen und Bettingen schaut man in die Röhre. Hier gilt das Angebot nicht. Trotz Cablecom als Dienstleister.

Die Begründung des Unternehmens: «Partnernetze von UPC Cablecom, wie dasjenige in Riehen, erhalten den Umwandler von uns nicht kostenlos, da sie nicht in unserem Besitz sind und unsere digitalen Produkte weiterverkaufen.» Ob ein Umwandler gratis abgegeben werde, liege in der Verantwortung der Partnernetze, so Cablecom weiter. In diesem Fall die Gemeinden Riehen und Bettingen. Kostenlose Umwandler gibts auch in Bettingen keine.

«Da in Riehen die Gebühren wesentlich billiger sind als in den Netzen, welche UPC Cablecom selber gehören, können die Umwandler nicht gratis abgegeben werden», begründet Riehen in einem Schreiben an ihre Kunden. Das Schreiben verweist auf brack.ch. Hier gibt es den Einstieg ins digitale Zeitalter für 99 Franken – ein Umwandler von Cablecom. In Riehen kostet die Grundgebühr 17 Franken. Im benachbarten Basel zahlt man für dieselbe Leistung 31.75 Franken. Im Jahr sparen die Riehener somit 177 Franken. Auch bei einem Kauf eines Umwandlers gilt: Riehener machen im Vergleich zu den Baslern den besseren. «Seit der Netzmodernisierung 2001 gab es keine Erhöhung der Grundgebühr», sagt Urs Schöni von der Gemeindeverwaltung Riehen. «Auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer wurde nicht an die Kunden weitergegeben.»

Kostenlos trotz tiefer Grundgebühr

Doch ein Blick in den Kanton Bern zeigt: Auch bei tiefen Grundgebühren wäre eine kostenlose Abgabe des Umwandlers machbar. In Erlach ist die Situation vergleichbar mit jener in Riehen und Bettingen. Das Kommunikationsnetz gehört der Gemeinde und wird von Cablecom als Dienstleister betreut, die Grundgebühren sind mit 18.88 Franken ähnlich tief und auch hier verzichtet Cablecom auf die kostenlose Abgabe des Umwandlers. Der Unterschied: Die Gemeinde springt ein. Kunden mit einem alten Fernseher können auf der Gemeindeverwaltung kostenlos einen Umwandler abholen. «Unsere Kunden sollen keinen Unterschied merken zwischen dem Gemeindenetz und jenem von Cablecom», sagt Christof Berner, Gemeindeschreiber von Erlach. Es sei nicht eine Frage des Könnens, sondern ein politischer Entscheid, begründet Urs Schöni das fehlende Angebot in Riehen. Es sei auch eine Frage der Gleichbehandlung. «Die kostenlose Abgabe ist unfair gegenüber jenen Kunden, die technisch aufgerüstet haben.»

Erlach hat jedoch gegenüber Riehen einen Vorteil. Sie können die Geräte bei der Cablecom vergünstigt beziehen. Statt 99 Franken, zahlt die Gemeinde 68.75 Franken (exklusive MwSt) an Cablecom. Riehen kann von diesem Angebot nicht profitieren. Eine entsprechende Anfrage habe Cablecom abgelehnt, so die Gemeinde. Dazu Cablecom: «Zu den einzelnen Vertragsdetails geben wir keine Auskunft.»

Nicht gewinnorientiert

Sowohl Riehen wie auch Erlach betonen, dass das Kommunikationsnetz nicht gewinnorientiert bewirtschaftet wird. In Erlach ist der Gewinn zweckgebunden und kann nur für Investitionen eingesetzt werden. In Riehen fliesst der Gewinn in die allgemeine Gemeinderechnung und ist nicht zweckgebunden. «Dies ist aufgrund unserer Rechnungslegung nicht anders möglich», sagt Guido Vogel, Gemeinderat Riehen. Im Jahr macht Riehen mit dem k-Netz rund 500 000 Franken Gewinn.

Weder Cablecom noch Riehen wollen für die Umwandler aufkommen, die Kunden müssen die 99 Franken selber berappen. Doch nützt ihnen der Umwandler nur für kurze Zeit? Denn: Morgen stimmen die Stimmbürger von Riehen und Bettingen über den Verkauf des K-Netzes an Improware ab. Wäre bei einem «Ja» der Cablecom Umwandler ab Januar 2015 unnütz? Improware beruhigt. «Die Umwandler von Cablecom könnten auch bei uns verwendet werden.»