Strassensperrung. Umfahrung. Blitzer. Wenn Eduard Rutschmann nur schon diese Stichworte hört, gerät sein Blut in Wallung. Dann redet sich der Riehener Einwohnerrat und SVP-Grossrat in Rage. Ein weiterer Höhepunkt in der Schikanierung der Riehener Bevölkerung sei das. Eine Katastrophe. Eine Anmassung.

Was ist passiert, dass so eine Aufregung entsteht? Im Prinzip nicht mehr, als dass die Basler Kantonspolizei in Riehen eine mobile Radarfalle aufgestellt hat. Allerdings an einem diskutablen Standort, im Grenzacherweg. Aufgrund der temporären Sperrung der Äusseren Baselstrasse werden derzeit alle Autofahrer, die von der Grenze nach Basel fahren, umgeleitet. Einige von ihnen wählen dann, um in die Stadt zu gelangen, die direkteste Route, jene durch den Grenzacherweg. Und gelangen so direkt zum vermaledeiten Blitzer. «Ich kann nicht verstehen, warum die Basler Behörden die Riehener derart plagen», enerviert sich Rutschmann.

Christoph Haller, Präsident der TCS-Sektion beider Basel und ebenfalls Grossratsmitglied (FDP), kann die Empörung seines Ratskollegen nachvollziehen. Der Zeitpunkt für eine mobile Tempokontrolle sei wahrlich ungünstig. «Wegen der längeren Fahrzeit durch die Umleitung und den zeitweise entstehenden Stau sind die Autofahrer sowieso schon genervt», sagt Haller. Da sei die zusätzliche Installierung eines Blitzers aus verkehrspsychologischer Sicht wohl nicht besonders geschickt.

In seinem eigenen Wohnquartier auf dem Bruderholz habe Haller selber schon beobachten können, was dieses mobile «Blitzer-Monstrum» für Aggressionen auslösen könne. «Ich habe Menschen gesehen, die dieses Ding wutentbrannt angeschrien haben.»

Während Rutschmann ein Verschwörung gegen die Riehener Bevölkerung wittert, glaubt Haller nicht an eine gezielte Provokation. Die Aktion sei einfach ungeschickt und unsensibel. «Eigentlich haben wir im Grossen Rat beschlossen, dass die Polizei mehr mit farbigen Smilies arbeiten soll», sagt Haller. Diese lachen einem Autofahrer zu, wenn er sich an die vorgegebene Tempolimite hält, oder schauen ihn bös an, wenn er sie überschreitet. Bussen werden keine fällig. «Auf diese Weise werden gestresste Autofahrer aufgemuntert, anstatt weiter verärgert.»

Polizeisprecher Martin Schütz gibt zu bedenken, dass die umstrittene Radarfalle nicht in der von der Polizei ausgewiesenen Umfahrungsroute steht. Diese führe nämlich weiter die Bettingerstrasse hinauf bis zur Rudolf Wackernagel-Strasse und dann wieder den Kohlistieg hinunter zum Hörnli. Wer vorher in den Grenzacherweg abbiegt, verlässt nicht nur die signalisierte Umleitung, sondern missachtet möglicherweise auch ein Fahrverbot. Denn momentan sind von der Bettingerstrasse nur noch Anwohner und Zubringer in den Grenzacherweg zugelassen. Zu Sinn und Zweck der dortigen Messanlage wird Schütz grundsätzlich: «Sie soll – wie andere Geschwindigkeitskontrollen auch – mithelfen, dass sich mit Blick auf die Verkehrssicherheit alle an die Höchstgeschwindigkeit halten.»

Die Gemeinde Riehen steht während fünf Jahren im Zentrum einer Grossbaustelle. Vom Badischen Bahnhof bis zur Deutschen Grenze wird auf einer Strecke von 4,5 Kilometern die komplette Tramlinie 6 saniert. Nebst den Geleisen werden auch die Strasse, die Wassertransportleitungen sowie die Kanalisation in der Kantonsstrasse erneuert. Als Folge dieser Arbeiten, welche Mitte 2020 abgeschlossen sein sollen, kommt es regelmässig zu Strassensperrungen.