Die abgesprochene Keilerei dauerte kaum zwei Minuten: Im September 2016 stoppte in Muttenz auf der Höhe des Güterbahnhofplatzes kurz vor 18 Uhr ein Fan-Extrazug aus Zürich auf dem Weg zum St. Jakob, weil jemand die Notbremse zog. Das Timing war abgesprochen: Filmaufnahmen zeigen, wie mehrere Dutzend Personen aus dem Zug über ein Gleis latschen und dann auf bereits wartende «Gegner» aus dem FCB-Umfeld treffen. Zumindest ein GC-Fan erlitt bei der Blitzprügelei eine offene Unterkieferfraktur und eine Hirnerschütterung. Kurz bevor die Polizei beim Güterbahnhofplatz auftauchte, zogen sich die GC-Fans blitzartig wieder in den Zug zurück, und auch die lokalen Gegner suchten das Weite. Am Freitag musste sich nun ein 21-jähriger Mann aus dem Aargau vor dem Baselbieter Strafgericht wegen des Vorfalls verantworten. Eine konkrete Gewalttat konnte man ihm zwar aufgrund der Videoaufnahmen nicht anlasten, doch die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Landfriedensbruchs angeklagt: Für die Erfüllung dieses Tatbestandes genügt es, wenn man bei einem gewalttätigen Mob dabei ist.

Vor Gericht bestätigte er, dass er FCB-Fan sei. Ansonsten verweigerte er aber zu sämtlichen Vorwürfen die Aussage. Pech für den 21-Jährigen war, dass man einen Steinwurf weiter nördlich des Güterbahnhofplatzes später eine Sturmhaube mit seiner DNA fand. Im Oktober 2016 fiel er wenige Wochen später nach einem FCB-Spiel in Lugano auf, es ging dabei um eine Auseinandersetzung mit Sachbeschädigungen in einem McDonalds-Restaurant. In diesem Punkt kam das Gericht allerdings mangels Beweisen zu Freisprüchen. Drei Tage nach Lugano schickte ihm die Baselbieter Staatsanwaltschaft fünf Polizisten für eine Hausdurchsuchung vorbei. Morgens um sechs Uhr öffnete eine überraschte Mutter die Türe: Der Mann wohnt noch bei seinen Eltern.

Tirade auf Fäkalniveau

In seinem Zimmer mussten sich die Polizisten dann ein ziemliches Gemecker anhören. «Luusbuebe», «Schwächlinge» und «Du da mit dem Bierbauch» waren noch die harmlosesten Bezeichnungen, die meisten Beschimpfungen zielten unter die Gürtellinie und drehten sich eher um Geschlechtsorgane und Pilzinfektionen. Dazu kamen Stösse, eine Ohrfeige und ein Fluchtversuch. Gefunden haben die Polizisten allerdings einzig ein Eintrittsticket für den FCB-Match vom September: Für das Gericht immerhin ein zusätzliches Indiz, dass er bei der Keilerei in Muttenz dabei war.

«Er war von Anfang an durch den massiven Polizeieinsatz am frühen Morgen sehr erregt und fühlte sich provoziert. Über einen Monat nach dem Vorfall in Muttenz darf man schon fragen, ob diese Hausdurchsuchung verhältnismässig war», betonte der Verteidiger. Vergeblich betonte er, die Sturmhaube sei nicht direkt beim Muttenzer Güterbahnhof gefunden worden: Einzelrichter Aimo Zändler verurteilte den 21-Jährigen wegen Landfriedensbruchs. Dazu kamen wegen seines Verhaltens bei der Hausdurchsuchung auch Schuldsprüche wegen Gewalt gegen Beamte, mehrfacher Beschimpfung und Hinderung einer Amtshandlung. «Die Qualität Ihrer Beleidigungen war immer auf Fäkalniveau», sagte der Gerichtspräsident.

Weil der 21-jährige seit wenigen Wochen eine Festanstellung in einem Industriebetrieb hat, sprach Zähndler trotz einer Vorstrafe lediglich eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten aus. Dazu kam allerdings noch eine unbedingte Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu 100 Franken, nebst diesen 13 000 Franken sind auch noch mehrere Tausend Franken an Verfahrenskosten fällig. Auch muss der Mann ein bereits begonnenes Anti-Aggressionstraining weiterführen.