Drei Guggenmusiker mit Trompete, Pauke und Tuba marschieren auf der silbernen Fasnachtsplakette. Drei Harlekine mit Zeedel, Trommel oder Piccolo stolzieren über die Kupferne. Ein Fasnächtler zieht zwei Binggis im Wagen über die Goldplakette. Und auf dem Bijou zieht ein dreiköpfiger Schnitzelbangg vorbei. «Mer spränge dr Raame», so das Motto. Um allen Fasnachtsfiguren einen Platz geben zu können, kreierte der Künstler Guido Happle vier verschiedene Motive.

Guggenmusik schreckt ab

Beim Verkauf der Plaketten erleben die Cliquen viele Diskussionen über die unterschiedlichen Sujets: «Die Cliquen-Fasnächtler wollen die silbrige Plakette nicht tragen, weil darauf eine Guggenmusik zu sehen ist», sagt Silvia Steffan von der Fasnachtsclique «Naarebaschi». Die Verkaufszahlen der Clique zeigten eine leichte Tendenz: «Momentan hinkt die silberne der kupfernen Plakette leicht hinterher.»

Dem stimmt Max Häni zu. Seit 25 Jahren verkauft er Plaketten, seit sieben Jahren steht er regelmässig bei Wind und Wetter vor dem Basler Bahnhof und bietet die Schmuckstücke an. «Viele kommen ins Grübeln, wenn sie sehen, dass auf der silbernen Plakette eine Guggenmusik drauf ist», erzählt Häni. Sie fragen sich dann: «Soll ich, soll ich nicht?» Und würden sich dann oftmals für die günstigere Kupferplakette entscheiden. Die Guggenmusik schrecke die Käufer ab — und die goldene Plakette ist den meisten zu teuer.

Kupfer statt Silber

Diese Vermutung hegt auch Sezer von den «Naarebaschi»: «Wer bisher eine Silberplakette trug, weicht in diesem Jahr vielleicht eher auf die aus Kupfer aus. Und wenn die Guggenmusikanten, die bisher Gold trugen, alle auf Silber umschwenken, könnte dies am Schluss schon einen Einfluss auf die Einnahmen haben.» Es werde in der Clique viel diskutiert, was strategisch besser gewesen wäre.

Alex Erasmo, Obmann der Basler Guggenmusik «Merlinschränzer», winkt ab: «Bei uns ist es jedem Mitglied frei gestellt, welche Plakette er tragen möchte. Die meisten tragen die gleiche, wie in vergangenen Jahren.» Ungeachtet des Motivs. Ausserdem könnten sie über den diesjährigen Plakettenverkauf nicht klagen. Der Obmann selbst hat sich noch nicht entschieden: «Vielleicht trage ich alle vier», sagt Erasmo.

Der Plakettenverantwortliche des Fasnachts-Comités kennt die aktuellen Verkaufszahlen. Nennen will Adrian Kunz jedoch keine: «Nach den ersten beiden Verkaufswochen sehen wir keinen Unterschied zu vergangenen Jahren.» Es seien weder mehr noch weniger Plaketten verkauft worden. Und die vier unterschiedlichen Motive könnten sowohl Vor- als auch Nachteil sein für den Plakettenverkauf. Ihm ist bewusst: «Es gibt natürlich persönliche Präferenzen», sagt Kunz. Aber die Unbeliebtheit der Silberplakette sei ihm bis jetzt nicht zu Ohren gekommen.

Der Produzent der Plakette hat da schon deutlich mehr mitbekommen vom Unmut der Traditionalisten über die Guggen-Plakette: «In meiner eigenen Clique musste ich mir auch einiges zu diesem Thema anhören», sagt Graveur Mike Müller. Die Cliquen-Fasnächtler werden aber nicht drum rum kommen, die Guggenmusik-Plakette zu tragen: Üblicherweise ist die silberne Version nämlich Vorlage für die grosse Zugsplakette, die alle Tambourmajoren am Revers tragen — so auch in diesem Jahr. Diesem Zwang können sich auch die strengsten Verfechter der traditionellen Fasnachtsmusik nicht entziehen.