Trambetriebe

BLT und BVB: Fusionsplan stösst bei Politikern in beiden Basel auf Goodwill

Sie kommen einander nah und halten doch immer Abstand: Ein gelbes BLT-Tram und ein grünes BVB-Tram kreuzen sich am Aeschenplatz.

Sie kommen einander nah und halten doch immer Abstand: Ein gelbes BLT-Tram und ein grünes BVB-Tram kreuzen sich am Aeschenplatz.

Grossräte und Landräte begrüssen, dass die Basler Regierung die Fusion von BVB und BLT prüfen will. Die Frage dreht sich bereits darum, wie das fusionierte Unternehmen geführt werden soll: als AG oder als öffentlich-rechtliche Anstalt?

Als hätten Lausbuben den Liebesbrief aus der Schublade geklaut: Am Sonntag wurde bekannt, dass die Basler Regierung eine Fusion der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) mit der Baselland Transport AG (BLT) prüfen will. Diese Fusionsprüfung hält der Regierungsrat in einem geheimen Strategiepapier fest – der sogenannten Eignerstrategie. Die «Schweiz am Sonntag» hat einen Auszug aus dem zehnseitigen Dokument veröffentlicht. Darin heisst es: «Der Regierungsrat erwartet, dass die BVB die Prüfung der Vor- und Nachteile einer möglichen Fusion, Teilfusion oder anderer Kooperationsformen aktiv unterstützen.»

Trambeschaffung würde einfacher

Über die Veröffentlichung der Fusionspläne freut sich Heiner Vischer. Der Liberaldemokrat ist Mitglied der grossrätlichen Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek). Obwohl die Uvek mehrmals danach fragte, hat ihr der Regierungsrat sein geheimes Papier noch nicht gezeigt. «Die Eignerstrategie war quasi eine heilige Kuh», sagt Vischer. Er findet es vernünftig, dass der Regierungsrat über eine Fusion nachdenken will. «Mit einem statt zweier Trambetriebe wäre die Beschaffung von neuen Trams sicher einfacher.» Vischer sieht noch einen weiteren Vorteil: Die «wahnsinnig komplizierte» Abgeltungsvereinbarung zwischen Basel-Stadt und Baselland wäre hinfällig. Noch regelt ein 31 Jahre alter Staatsvertrag die Abrechnung der überkantonalen Tramlinien. Wenn zum Beispiel die Tramlinie 11 der BLT zwischen Münchenstein Ruchfeld und Basel Dreispitz in städtisches Territorium einfährt, halst das den Buchhaltern ziemlich viel Arbeit auf.

Christine Koch benutzt das 11er-Tram häufig. Die Sozialdemokratin ist Vizepräsidentin der landrätlichen Bau- und Planungskommission, des Baselbieter Pendants zur städtischen Uvek. «Wenn ein gelbes Tram in die Stadt oder ein grünes aufs Land fährt, verpufft viel Energie mit all den Abrechnungen», sagt Koch. Im Landrat hat sie vor einem Jahr ein Postulat eingereicht, das die Prüfung einer Fusion von BVB und BLT verlangt. Die Antwort des Baselbieter Regierungsrats steht noch aus. Koch begrüsst es, dass der städtische Regierungsrat der Fusionsprüfung nun hohe Priorität beimisst.

Doch welches Unternehmen sollte einem öffentlichen Verkehr beider Basel als Vorbild dienen? Schliesslich ist die BLT eine private Aktiengesellschaft, wogegen die BVB als öffentlich-rechtliche Anstalt funktionieren. «Eine Fusion macht sicher Sinn, wenn dabei die Strategie der Baselland Transport AG übernommen wird», sagt CVP-Landrat Franz Meyer, Präsident der Baselbieter Bau- und Planungskommission. Allerdings sei es sicher schwierig, die beiden Betriebskulturen zusammenzuführen. Und die Zusammenarbeit von BVB und BLT funktioniere schon jetzt sehr gut.

Meyer sagt auch, dass man im Kanton Baselland prüfen müsse, ob nicht die Waldenburgerbahn und die BLT fusionieren sollen. Er sieht es zudem als Vorteil, wenn die Politik keinen direkten Einfluss mehr auf das operative Geschäft der Verkehrsbetriebe hat – so wie es jetzt bei der BLT der Fall ist. Heiner Vischer und Christine Koch wollten sich nicht dazu äussern, welche Organisationsform ein fusionierter Betrieb wählen solle. Auch in der Stadt gibt es einen Vorstoss, der die Fusion von BVB und BLT fordert. SP-Fraktionspräsident Stephan Luethi hat ihn im Oktober 2013 eingereicht. Er war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das Hochzeitskleid fehlt noch

Wie der neue Betrieb heissen würde, weiss noch niemand. Würden die vereinigten Trams beider Basel im grünen oder im gelben Kleid durch die Region fahren? Oder fahren sie künftig gar alle im Kleid des Erlkönigs auf? Die Hochzeitsplanung hat noch nicht angefangen. Aber der Liebesbrief kam zum Vorschein. Darin heisst es: «Der Regierungsrat sieht die vermehrte Zusammenarbeit bis hin zur Fusion als wünschenswerten Weg.»

Was sagen jene dazu, die verkuppelt werden sollen? «Wir begrüssen, dass die Frage einer Fusion umfassend betrachtet und alle Vor- und Nachteile seriös aufgearbeitet werden, bevor die Kantone einen Entscheid zur Fusion fällen», sagt BVB-Mediensprecherin Dagmar Jenny. Unabhängig davon würden die beiden Unternehmen laufend neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit prüfen. Die BLT verzichtete am Montag auf eine Stellungnahme.

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