Im Klybeck liegt Basels Zukunft. 10'000 Menschen sollen dereinst hier wohnen, 5000 Arbeitsplätze entstehen. Bis dahin ist aber ein langer Weg – womöglich ein weit längerer, als bisher angenommen. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz um den Basler Altlastenexperten Martin Forter publizierten am Donnerstag den 92-seitigen Bericht zu den Schadstoffen, die unter dem Boden des 300'000 Quadratmeter grossen Areals liegen.

Wer eine abschliessende Liste aller Giftstoffe erwartete, der wurde indes enttäuscht. Forter wartete vor allem mit Fragen auf und dem Vorwurf, der Kanton habe die Altlastenverordnung auf dem Areal nur in Ansätzen umgesetzt. Er selber meinte: «Unter diesen Umständen würde ich selber nicht hierher ziehen wollen.»

Das Areal als Black Box

Tatsächlich geschah hier in den vergangenen 150 Jahren vieles, was mit dem heutigen Umweltschutzgedanken nicht kompatibel wäre. Novartis und ihre Vorgängerfirmen stellten Medikamente her, die BASF Farbstoffe, und die Abfälle wurden einfach in den Rhein geworfen. Überdies diente das Klybeck als Areal für privaten Hauskehricht. Dass es hier beim Aushub zu Überraschungen kommen wird, kann niemand ausschliessen – auch die Kantonsverantwortlichen nicht.

Doch von einem Versäumnis bei der Umsetzung der Altlastenverordnung könne keine Rede sein, sagt Matthias Nabholz, Leiter des Amts für Umwelt und Energie. «Das Klybeckareal ist seit dem Inkrafttreten der Altlastenverordnung 1998 das am besten untersuchte Areal der Stadt», sagt er. Das bedeute nicht, dass man «jeden Quadratmeter» kenne. In einigen von Forter aufgeworfenen Verdachtsfällen könne er aber beschwichtigen.

Der Geograf spricht unter anderem den «Trick mit den Arealgrenzen» an, den sich die Ciba und die BASF zu Nutze gemacht hätten, um Sanierungen zu umgehen. So würden die Firmen ihre Messungen nicht im Innern der Areale durchführen, wo die Verschmutzung am grössten ist, sondern an der Grenze. «Das AUE hat bis heute die Arealgrenze als Massstab über Sanierung oder Nichtsanierung toleriert», schreiben die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz in der Medienmitteilung.

Das stimme so nicht, erwidert Nabholz. Der Kanton nehme regelmässig an den Arealgrenzen Proben vom Grundwasser, doch würden zusätzlich firmeneigene Grundwasserproben von den Verschmutzungsherden analysiert – bisher seien diese Werte im grünen Bereich gewesen. Ebenfalls prangert Forter an, dass von den 2000 Risikosubstanzen viele nicht gesucht worden seien, obwohl diese im «historischen Bericht» von Ciba/BASF und Novartis vermutet worden sind.

Unter anderem habe es Hinweise auf die krebserregende Substanz Benzidin gegeben – doch trotz dieser Hinweise sei diese nie gesucht worden. Nicht untersucht worden sei vor allem der Kinderspielplatz Ackermätteli. Dies, obwohl bekannt sei, dass hier Sondermüll abgelagert worden sei. Auch diese Sorge teilt Nabholz nicht. Der Kinderspielplatz sei bis in drei Meter Tiefe abgetragen, aber nichts gefunden worden.

Kanton wird nicht zahlen müssen

Wenig überraschend war, dass der Verdacht auf kontaminierte Spielplätze am meisten zu diskutieren gab nach der gestrigen Pressekonferenz. Basels Links-Partei Basta nahm unter anderem die angeblichen Falschaussagen des AUE zur Situation beim Spielplatz zum Anlass, Transparenz zu fordern. «Nach Meinung von BastA! soll sich das AUE im Sinne der Bevölkerung kritisch zu den Belastungen durch Chemieabfälle verhalten, die belasteten Gebiete gründlich und regelmässig überprüfen und die Ängste der BewohnerInnen ernst nehmen, anstatt reflexartig zu beschwichtigen», schrieben sie in einer Mitteilung.

Die von der Links-Partei geforderte Schliessung der Wissenslücken über die wahren Zustände auf dem Klybeckareal wird ohnehin erfolgen – wohl aber erst im Verlauf der Bauarbeiten des neuen Entwicklungsgebiets, wenn bis in die Tiefen Erde ausgehoben wird. Unabhängig von den Sanierungskosten, die je nach Quelle bis zu einer Milliarde Franken betragen könnten, wird der Steuerzahler nicht zur Kasse geben.

Die Übernahme der zukünftigen Kosten für die altlastenrechtliche Überwachung wurde im Kaufvertrag geregelt, sagt Nabholz. Ebenso habe das AUE sichergestellt, dass die Käufer, Central Real Estate, sämtliche Informationen zum Thema Altlasten erhalten hätten. Die Kosten für die Entsorgung des belasteten Bodenmaterials gehen zu Lasten der künftigen Bauherrschaft. Zu den Vertragsinhalten wollte Central Real Estate keine Angaben machen. Unter diesen Umständen ist aber anzunehmen, dass der Wissensstand über den Sanierungsbedarf schon in den Kaufpreis mit einbezogen worden ist.