Wenige Tage, nachdem die Basler Innenstadt durch einen Bombenalarm lahmgelegt worden ist, ist klar: Es bestand keine reale Gefahr. Bei den Drähten und anderen Gegenständen, die in einem schwarzen Koffer am Tinguely-Brunnen deponiert worden waren, handelte es sich um eine Attrappe, nicht um einen echten Sprengsatz.

René Gsell, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, hatte dazu noch gestern Morgen jede Auskunft verweigert mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen. Am Nachmittag dann die Meldung, es seien zwei Personen festgenommen worden: ein 16-jähriger Schweizer und seine 18-jährige deutsche Freundin.

Gegen den Jungen habe die Jugendanwaltschaft Haftbefehl erlassen, die Frau wurde dem Massnahmengericht zugeführt, das eine Untersuchungshaft anordnen soll, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht. Diese hat die am Freitag eingesetzte Sonderkommission aufgelöst, obwohl das Motiv der beiden noch völlig unklar sei. Ebenso wenig geklärt ist die Frage, ob weitere Personen beteiligt gewesen waren.

Verwirrung um Inhalt und Motiv

Der ausgelöste Bombenalarm hatte zu einer weiträumigen Sperrung der Basler Innenstadt geführt. Restaurants wurden geschlossen, der Verkehr umgeleitet, und zwei Premieren in Theater und Stadtcasino mussten verspätet beginnen. Bei den Ermittlungen dürfte nun der Straftatbestand der «Schreckung der Bevölkerung» im Vordergrund stehen. Darauf stehen gemäss Strafgesetzbuch bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.

Die Online-Ausgabe der «Basler Zeitung» behauptete gestern zeitweilig, im Koffer habe sich ein Koran befunden. Dies dementiert die Staatsanwaltschaft ausdrücklich.

Es habe sich lediglich um eine Seite einer deutschen Übersetzung des Korans gehandelt. Der Koran werde von Gläubigen nur in der arabischen Originalfassung akzeptiert, weshalb es sich möglicherweise um ein Ablenkungsmanöver gehandelt habe. Über den weiteren Inhalt des Koffers schweigt sich die Staatsanwaltschaft aus.

Diskussion um Bombenroboter

Im Nachgang zum Vorfall vom vergangenen Freitag sorgt in Basel vor allem der Einsatz von Zürcher Bombenentschärfungsspezialisten für Diskussionen. Verschiedene Politiker fragen, weshalb die Basler Polizei keinen Bombenroboter habe und diese Kompetenz aus Zürich habe anfordern müssen.

Andreas Knuchel, Mediensprecher der Basler Polizei, erklärt dazu, dass die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten entschieden habe, «dass die Bombenentschärfer auf zwei Standorte – Zürich und Bern – konzentriert werden». Es mache wenig Sinn, dass jeder Kanton alle Spezialgeräte und -formationen habe.

Die Basler Polizei stelle Kompetenzen in den Bereichen Community Policing und Verhandlungsführung zur Verfügung. Auch die Sondereinheit «Basilisk« werde immer wieder von anderen Kantonen angefordert. Dabei handelt es sich um das Sondereinsatz- und Zugriffsteam der Kapo.

Der Basler Bombenroboter sei 2011 verkauft worden, da er nur selten zum Einsatz gekommen war. Die Polizei habe aber nach wie vor sogenannte «Erstabklärer», also Spezialisten, die eine Lagebeurteilung vornehmen könnten und dann entscheiden, ob es weitere Spezialisten braucht. So wie das am Freitag der Fall war.

Der wissenschaftliche Dienst der Stadtpolizei Zürich ist schweizweit für solche Entschärfungen und die Untersuchungen danach zuständig. Er hat diesen Auftrag von der Bundesanwaltschaft übertragen bekommen, die in Sprengstoffdelikten zwar ermittelt, aber über keine eigenen forensischen Kapazitäten verfügt.