Saint-Louis
Bombenalarm kurz hinter der Grenze und die Franzosen schweigen

Der Bombenalarm am Grenzübergang von Saint-Louis Lysbüchel hat verdeutlicht, dass es bei Zwischenfällen auf französischem Gebiet, selbst nahe der Schweizer Grenze, ein Informationsproblem gibt.

Peter Schenk
Merken
Drucken
Teilen
Bombenalarm an der Grenze zu Saint-Louis
5 Bilder
Das verdächtige Auto
Bei der Durchsuchung wurde kein Sprengstoff gefunden.

Bombenalarm an der Grenze zu Saint-Louis

Roland Schmid

Der Grenzübergang von Saint-Louis Lysbüchel war am Donnerstag aufgrund eines verdächtigen Autos von 9.30 Uhr bis 13 Uhr gesperrt. Die Basler Staatsanwaltschaft und die Grenzwache verwiesen gegenüber der bz darauf, dass Frankreich zuständig sei, Auskunft zu erteilen. «Die Primärkommunikation obliegt den Behörden, welche territorial zuständig sind und die Ermittlungen durchführen», teilte Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Grenzwache, mit. Ähnlich sieht das Martin Schütz, Sprecher der Basler Kantonspolizei.

Da sich das verdächtige Fahrzeug auf französischem Boden befand, habe die weitere Zuständigkeit bei der Police Nationale von Saint-Louis gelegen, so Gantenbein. Die französische Polizei verweigerte gegenüber dem bz-Journalisten vor Ort allerdings die Auskunft.

Für Information durch Basel

Heinrich Ueberwasser (SVP), Vizepräsident des Districtsrats, des konsultativen Parlaments des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB), merkt an: «Der Bombenalarm hat zu Behördenentscheiden auf französischer und schweizerischer Seite geführt, zur Sperrung des Grenzübergangs und zur Einkürzung der Tramlinie 11, Umleitungen, Durchsagen im Tram sowie Gerüchten in den Social Medias. Soweit fahndungstaktische Überlegungen dies zulassen, muss sofort, in jedem Fall nachträglich vollständig durch das Basler Sicherheitsdepartement und die Schweizer Grenzwache informiert werden.» Ueberwasser plant, die Stärkung der gemeinsamen Sicherheits- und Informationspolitik im Districtsrat zu thematisieren. Der Trinationale Eurodistrict Basel ist für Ueberwasser auch in Sicherheitsfragen funktionell ein gemeinsamer Raum.

Martin Schütz äussert sich so: «Diese Polizeiaktion hatte Auswirkungen auf die Verkehrssituation auf Schweizer Boden, weshalb die Kantonspolizei Basel-Stadt über Viasuisse eine entsprechende Verkehrsmeldung abgesetzt hat. Hätte es weitere Auswirkungen auf der Schweizer Seite – beispielsweise eine Gefährdung, bei der wir eingreifen müssten – gegeben, dann hätten die zuständigen Behörden in Absprache mit ihren französischen Partnern selbstverständlich darüber informiert. Dies entspricht den üblichen und definierten Vorgehensweisen in solchen Fällen.»

Die Franzosen ticken anders

Im Unterschied zum Raum Basel und zu Südbaden hat die französische Polizei keinen Mediensprecher und verschickt keine Medienmitteilungen. «Die Journalisten müssen sich an uns wenden und hätten dann die gleichen Informationen wie ihre französischen Kollegen erhalten», betont Anne Chevrier, Mediensprecherin der oberelsässischen Präfektur in Colmar. Trotz der mehrstündigen Sperrung der Grenze habe man keine Medienmitteilung verschickt. «Es gab dafür keine Notwendigkeit.»

Bei dem Autoinhaber, das es Basler Kennzeichen hatte, soll es sich um einen Imam der Arrahma-Moschee an der Elsässerstrasse gehandelt haben. Laut der elsässischen Tageszeitung «Dernières Nouvelles d'Alsace» wurde er bis 18 Uhr auf der Polizeiwache von Saint-Louis festgehalten und dann frei gelassen.