Um halb 11 Uhr ist gestern bei der Firma Cashcloud am Steinenberg in Basel ein anonymer Anruf eingegangen. Ein Mann kündigte darin auf Hochdeutsch an, dass im Hauptsitz des Start-up-Unternehmens in der folgenden halben Stunde ein Sprengsatz detoniere. Zudem wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Belegschaft «massiv» bedroht.

Die daraufhin verständigte Polizei riegelte sofort das Gebiet zwischen Barfüsserplatz und Bankverein grossräumig ab, der Tram- und Autoverkehr wurde umgeleitet. Von der Sperrzone betroffen war auch der Birsig-Parkplatz und Teile der Theaterstrasse. Insgesamt rund 70 Personen wurden in Sicherheit gebracht. Darunter befanden sich 30 Mitarbeiter von Cashcloud, aber auch Personen aus den umliegenden Geschäften und Liegenschaften wurden evakuiert. 

Entwarnung nach Bombendrohung in Basel

Entwarnung nach Bombendrohung in Basel

«Wir waren in Aufruhr, die Chancen sind ja immer fünfzig-fünfzig, ob eine solche Drohung wirklich ernst gemeint ist», sagt Cashcloud-Sprecher Erich Rava. Die Polizei habe aber gut reagiert. Die Drohung sei «aus heiterem Himmel» gekommen, es habe im Vorfeld keine entsprechenden Andeutungen gegeben und noch nie wurde dem jungen Unternehmen in irgendeiner Art gedroht.

Dennoch hat sich der Anrufer offenbar direkt auf das Unternehmen bezogen. Der Anruf wurde nach Aussagen Ravas von einer Assistentin entgegengenommen. Details wurden mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht bekannt gegeben. Schon mehrmals hat das Start-up aufgrund dubioser Geschäfte für Schlagzeilen gesorgt. Daraus einen Zusammenhang herzustellen mit der Bombendrohung sei jedoch reine Spekulation, sagten sowohl Peter Gill von der Staatsanwaltschaft als auch Erich Rava.

Kein Sprengsatz gefunden

Währenddessen wurde das Gebäude nach dem angedrohten Sprengkörper durchsucht. Dafür wurde ein Spürhund der Grenzwache eingesetzt, ein zusätzlicher wurde zudem aus dem Aargau nach Basel transportiert. Weder in den Liegenschaften des Finanztech-Unternehmens noch in den angrenzenden Räumlichkeiten des «Jack Wolfskin»-Ladens wurde Verdächtiges entdeckt, sodass die Polizei kurz nach 13 Uhr Entwarnung gab. Der Tramverkehr normalisierte sich schnell wieder. Nun wird nach dem Urheber ermittelt. Ihm droht ein Verfahren wegen Drohung und Schreckung der Bevölkerung.

Es ist schon die zweite Bombendrohung in Basel in diesem Jahr. Ende April hat ein Koffer beim Tinguely-Brunnen für Aufregung gesorgt. Damals waren Jugendliche Auslöser des Alarms. Auch wenn der aktuelle Fall anders gelagert ist und keine Verbindungen zwischen den beiden Vorfällen an fast gleicher Stelle besteht, bleibt am Ende ein ähnliches Resultat: immense Kosten für einen grossen Polizeieinsatz und ein vorübergehendes Verkehrschaos in der Basler Innenstadt. Mindestens mehrere tausend Franken koste ein solcher Polizeieinsatz, der diverse Spezialeinheiten umfasse, sagt Gill. Aufgeboten wurden neben Einsatzkräften der Kriminalpolizei auch die Sanität, die Berufsfeuerwehr und die Basler Verkehrsbetriebe.