«Allahu akbar!», sagte der Mann am Telefon, dazu der Hinweis auf eine Bombe, danach hängte er auf: Vor genau einem Jahr ging der Drohanruf um elf Uhr morgens auf der Gemeindeverwaltung in Binningen ein, eine halbe Stunde später in Aesch und weitere zwei Stunden später auch noch auf der Verwaltung in Münchenstein.

Die Reaktionen waren unterschiedlich. Teilweise nahm man den Anrufer nicht ernst, teilweise wurde das gesamte Gebäude evakuiert und durchsucht. Eine Bombe gab es nie. Der 33-jährige Anrufer hatte bereits ein paar Monate vorher eine Mitarbeiterin der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Leimental telefonisch beschimpft und auch bedroht. Er war darüber frustriert, dass er seine damals einjährige Tochter mangels Besuchsrecht nicht sehen durfte. Einen muslimischen Hintergrund hat der Schweizer nicht.

Pro Drohung ein Tag U-Haft

Die Drohungen während des laufenden Strafverfahrens gegen ihn sorgten jeweils für einen Tag Untersuchungshaft. Im Januar 2015 setzte er noch einen drauf: Fünf Tage nach den Anschlägen auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» rief er bei der Kesb in Binningen an und sagte, man habe sein Leben zerstört, er führe jetzt eine persönliche Vendetta und man wisse ja, was in Paris geschehen sei. Auf diesen Zug aufzuspringen sei ziemlich übel, kommentierte Gerichtspräsident René Ernst am Dienstag den Fall. «Beschimpfungen, Drohungen und gar Bombendrohungen: Das liegt einfach nicht drin, auch wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen», sagte Ernst.

Der Mann ist bereits zweimal wegen Drohungen und Nötigung vorbestraft, die Psychiater gehen von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit wegen langjährigen Kokainkonsums und einer Persönlichkeitsstörung aus. Er hatte jeweils von seinem Mobiltelefon mit unterdrückter Nummer angerufen, seit der Drohung im Januar sitzt er wegen Rückfallgefahr im Waaghof.

Erst Therapie, dann Strafe

Die drei Richter verurteilten ihn zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten unbedingt wegen Drohung gegen Beamte und Schreckung der Bevölkerung, teilweise wegen Versuchs dazu. Diese wird allerdings aufgeschoben, der Mann erhält die Chance, eine ambulante Therapie zu machen. Wegen der Rückfallgefahr bleibt er noch in Haft, zumindest die nächsten zwei Wochen: Bis dahin müsse die Therapie aufgegleist sein, sagte der Richter. Tatsächlich hat der Mann fast zwei Drittel seiner Strafe bereits in Untersuchungshaft abgesessen und damit Anrecht auf eine vorzeitige Entlassung.

Der Verteidiger hatte moniert, sein Mandant brauche endlich eine richtige Therapie, im Gefängnis werde er derzeit bloss mit Valium vollgepumpt. Ein Strafmass von sieben Monaten sei angemessen.

Staatsanwältin Claudia Schneider hatte eine unbedingte Strafe von 14 Monaten gefordert, denn eine ambulante Therapie sei auch im Gefängnis möglich. Alle Seiten können das Urteil an die nächste Instanz weiterziehen.