Region Basel
Bombendrohungen: Wer sind diese Leute, die andere verängstigen?

Mit der Bombendrohung in Pratteln kam es 2015 in der Region Basel zu rund acht Drohungen mit Sprengsätzen. Die Aufklärungsrate bei solchen Taten ist hoch – die Strafe ebenso.

Sebastian Schanzer
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Bombendrohung in Pratteln
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Die Polizei durchsuchte sowohl das Parkhaus als auch das Einkaufszentrum.
Bis zum frühen Abend wurde nichts gefunden.
Aus Gründen der Verkehrssicherheit musste die Autobahn-Ausfahrt in beiden Richtungen gesperrt werden. Es kam zu massiven Verkehrbehinderungen und langen Wartezeiten auf der A2.

Bombendrohung in Pratteln

bz

«Schon wieder eine Bombendrohung», mag sich der Eine oder Andere gedacht haben, als am Dienstagnachmittag ein Gebäude im Prattler Grüssen-Areal evakuiert werden musste. In der Region Basel kam es dieses Jahr immer wieder zu ähnlichen Vorfällen. Anfang Monat etwa, als ein Mann drohte, einen in einem Koffer am Bahnhof deponierten Sprengsatz mittels Fernsteuerung zur Explosion zu bringen. Der Mann konnte festgenommen werden, im Koffer befand sich kein Sprengsatz. Auch am Dienstag stellte es sich erneut als Fehlalarm heraus.

Finanzielle Schäden

Obwohl in Pratteln kein Sprengstoff gefunden wurde, geschweige denn explodierte, richtete der anonyme Anrufer erheblichen finanziellen Schaden an. Neben dem Aufgebot von rund 60 Einsatzkräften sind es vor allem Umsatzeinbussen der Unternehmen, die die Kosten für den Täter in die Höhe treiben, wenn er denn gefasst wird.

Katharina Schenker, Einrichtungshauschefin der Ikea Pratteln, rechnet beispielsweise mit einem Verlust im sechsstelligen Bereich. Zwar musste im Gebäude der Ikea niemand evakuiert werden. Da die Zufahrten aber während vier Stunden gesperrt waren, entstand ein Schaden durch fehlende Kundschaft. Wie hoch dieser Schaden bei den direkt betroffenen Unternehmen Möbel Pfister und Media Markt ist, konnte gestern nicht in Erfahrung gebracht werden.

Darüber, welche Strafe einem Bombendroher blüht, gibt Thomas Lyssy, Mediensprecher der Baselbieter Staatsanwaltschaft, Auskunft: «Beim Tatbestand der Drohung und Schreckung der Bevölkerung reicht das Strafmass von einer Geldstrafe bis hin zu drei Jahren Gefängnis.» Wie hoch eine solche Geldstrafe ausfällt, sei von Fall zu Fall unterschiedlich, darüber könne man keine Angaben machen. Für den Täter dürften aber auch die zivilrechtlichen Folgen ins Gewicht fallen. Dazu zählen die erwähnten Umsatzeinbussen der Geschäfte, die vorgestern während vier Stunden schliessen mussten. «Die Firmen werden das einklagen», sagt Lyssy.

Trittbrettfahrer verhindern

Erst muss der Täter aber gefasst werden. Wie die Kriminalpolizei bei den laufenden Ermittlungen vorgeht, gibt sie aus taktischen Gründen nicht bekannt. Man werde alle möglichen technischen Mittel anwenden, sagte der Baselbieter Polizeisprecher Meinrad Stöcklin am Dienstag.

Zumindest bei den Kollegen in Basel-Stadt ist die Aufklärungsrate bei solchen Delikten aber hoch, wie der Kriminalkommissär René Gsell sagt. Dennoch dürften solche Vorfälle verunsichern – nicht zuletzt, wenn man an die zahlreichen Terroranschläge in jüngster Zeit denkt. Es kommt der Verdacht auf, dass Trittbrettfahrer diese Situation ausnutzten, um die Bevölkerung allein durch Drohungen zu verängstigen. Dieser These widerspricht allerdings die Tatsache, dass weder in der Stadt noch im Baselbiet in letzter Zeit eine Häufung solcher Taten festgestellt werden kann.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt teilt auf Anfrage mit, dass es im vergangenen Jahr in Basel zu rund einem halben Dutzend Drohungen kam, bei dem von einem Sprengsatz gesprochen wurde. Dies sei keine Häufung im Vergleich zu vergangenen Jahren. Man sei aber in der Berichterstattung von Bombendrohungen zurückhaltend, um Nachahmungsdelikte zu verhindern. Im Baselbiet war der Vorfall am Dienstag in Pratteln erst die zweite Bombendrohung im Jahr 2015.

Die jüngsten Fälle

24. April Ein verkabelter Koffer beim Tinguely-Brunnen bringt den Tramverkehr in der Innenstadt zum Erliegen. Verantwortlich ist ein Jugendlicher.

20. Juni Ein Deutscher parkiert sein Auto bei der Tramhaltestelle der Mustermesse und läuft davon. Auf dem Fahrzeug gibt es Hinweise, dass sich ein Sprengsatz darin befindet.

13. Juli Bei der Firma Cashcloud am Steinenberg geht am Montagmorgen eine telefonische Bombendrohung ein. Die Innenstadt zwischen Bankverein und Barfüsserplatz wird für den Verkehr gesperrt. Nach drei Stunden kommt die Entwarnung.

5. Dezember Ein Mann droht, einen im Koffer deponierten Sprengsatz im Bahnhof Basel zu zünden. Der Mann kann gefasst werden.