Eine Stadt ist eine Gemeinschaft. Das geht oft etwas vergessen, man ist genug mit seinem eigenen Gärtli beschäftigt, und immer mehr auch mit seinem eigenen Bildschirm. Da bleibt wenig Zeit zum Innehalten und Aufschauen: Wie sieht diese Stadt aus? Wie leben wir gemeinsam darin? Und wo gibt es Möglichkeiten, vielleicht doch wieder etwas mehr zur Gemeinschaft zu werden?

Fragen für Jan-Kristof Nemeth und Samuele Tirendi. Die beiden machen zurzeit ihren Masterabschluss an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst in «Integrativer Gestaltung». Laut Webseite des Instituts werden dort «innovative gestalterische Lösungen unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Konsequenzen erarbeitet.» In der Realität siehts zum Glück etwas weniger verkopft aus. Es geht darum, Gestaltung in den Alltag zu bringen, Möglichkeiten für Austausch zu schaffen und Leute zusammenzuführen.

Immer hereinspaziert

Genau das will Nemeths und Tirendis Projekt, das sie mit zwei Freundinnen ins Leben gerufen haben: Ein Raum am Voltaplatz, der für Jedermann mit Ideen offensteht, ein Raum für Neugier und Fragen und Gemeinschaft. «Bonjour Baby» steht freundlich auf der Glastür. «No fräch», sagt die vorbeigehende Rentnerin, aber das sei ein guter Ort, geführt von vier jungen Leuten, die sich interessante Gedanken machen. «Und me dörf immer iinespaziere!» So habe sie das selber erlebt, an der Eröffnung am 5. Januar. Ein Andrang sei das gewesen, Leute aus der Kunstszene, aber auch viele aus dem Quartier seien gekommen.

Das bestätigen auch Nemeth und Tirendi, die gerade die Tür aufgemacht haben und zum Kaffee hineinbitten. Um die 120 Besucher seien an der Eröffnung aufgetaucht, das hat selbst ihren Optimismus übertroffen. «Es zeigt, wie viel in diesem Quartier möglich ist», sagt Tirendi.

Simpel und nachhaltig

Und dass der Name, den sie sich nach langem Hin und Her überlegt haben, Programm sein kann: Bonjour Baby soll begrüssen und mit einem Augenzwinkern lokale Gestalter und das Quartier zu sich hinein holen.

Die Idee entstand während des Studiums, gemeinsam mit Tosca Waeber und Andrina Stauffer. Die beiden Frauen studieren am Hyperwerk und kannten Tirendi und Nemeth vom Campus. Dort war immer wieder dasselbe Problem zu hören: In Basel fehlen Räume, um Projekte durchzuführen, eigene Arbeiten zu zeigen, sich zu vernetzen. Die Vier beschlossen, selbst Hand anzulegen und ergatterten den Raum am Voltaplatz, der bis anhin als Depot Basel ähnliche Ziele verfolgt hatte: Design an Frau, Mann und Kind zu bringen. Das Depot gibts weiterhin online, Bonjour Baby aber will vor Ort agieren. Und beginnt ganz simpel, aber nachhaltig: Alle zwei Monate vergeben sie sechs Atelierplätze, für Künstler und junge Gestalter. Bonjour Baby stellt unter der Woche den Raum zur Verfügung und beteiligt sich an Material- und Druckkosten.

Hinzu kommen Workshops, Filmabende, Food-Performances, Lesungen, Konzerte und sogenannte «One-Day-Shows», an denen temporäre, spielerische Aktionen das Quartier beglücken sollen. Im Februar zum Beispiel soll sich das Bonjour Baby in einen Strandspielplatz verwandeln, «um dem Winter zu trotzen». Teil des Konzepts ist auch ein Langzeit-Projekt namens «Embassy of Emesa», eine Art künstlerisches Zentrum für arabische Kultur, das mit einer kleinen Bibliothek mit arabischer Literatur im Bonjour Baby steht.

Hier können sich Interessierte umsonst Bücher ausleihen, es gibt Lesungen und Konzerte. Die Veranstalter wollen Berührungsängste mit der arabischen Kultur mindern, ein Miteinander fördern. Passt gut ins Bonjour Baby-Konzept. So gut wie Bonjour Baby ins Quartier passt: Die Rentnerin von vorhin steht jedenfalls immer noch draussen vor dem Schaufenster und blinzelt neugierig hinein.

Bonjour Baby, Voltastrasse 43. www.bonjourbabybonjour.tumblr.com