Lockdown
Bonjour tristesse: Über Basel hat sich ein grauer Schleier gelegt

Im Lockdown und im Januar gibt die Stadt Basel ein trostloses Bild ab. Doch diese Trostlosigkeit hat weder mit der Pandemie noch der Jahreszeit zu tun.

Patrick Marcolli
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Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.
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Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.
Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.
Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.
Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.
Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.
Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.

Verschmiert: Die Bäckerei Epting an der Elsässerstrasse. Längst erkaltet: Auslage bei Pizza Picasso an der Klybeckstrasse. Gewimmel: Der Station Circus auf dem Wolf. Nostalgisch: Vogel-Gryff-Figuren in einem Kleinbasler Fenster. Mobil: Ansicht von Fortbewegungsmitteln und Häuserfassaden in der Mattenstrasse. Galgenhumor: Bei den aufgehobenen Schrebergärten auf dem Wolf. Monumentalbratwurst: Bei Bell an der Elsässerstrasse.

CH Media

In diesen trüben Januartagen glänzt und funkelt nichts. Über Basel hat sich ein grauer Schleier gelegt, dessen Wirkung durch die Pandemiemassnahmen noch verstärkt wird. Das pralle Leben findet grad nicht mehr statt. Für uns Grund genug, unseren Fotografen Roland Schmid damit zu beauftragen, sich ein entsprechendes Bild und entsprechende Bilder aus der Stadt zu machen.

Das Ergebnis sind Momentaufnahmen, welche die oben beschriebene allgemeine Stimmungslage präzise und vor allem nüchtern erfassen. Nostalgie oder Wehmut kommt höchstens beim Anblick der Vogel-Gryff-Figuren aus Keramik auf, die irgendein begeisterter Kleinbasler in seinem Fenster aufgestellt hat. Oder beim Anblick des einsamen und wohl längst erkalteten Tellers mit Pasta in einem Restaurant, das längst zwangsgeschlossen wurde und dessen Zimmerpflanzen unrettbar trocken aussehen.

Die anderen Fotografien zeigen Orte, die Unorte sind. Oder sogar so genannte «Non-Lieux», also Nicht-Orte. Sie zeigen unspezifische Merkmale, könnten überall an der Peripherie der Stadt liegen und nirgendwo, könnten in einer nordenglischen Provinzstadt aufgekommen worden sein oder irgendwo in Kanada. Aber sie sind in Basel entstanden. In dieser Stadt, die sehr viel Wert auf ihre äussere Erscheinung legt. Wo Nutzungs- und Bau- und Gestaltungsvorschriften die Handlungsspielräume ihrer Bewohner zielgerichtet verkleinern, Spielereien verunmöglichen und Ordnung herstellen.

Kein Raum für Chaos und Unordnung

Diese Maxime mag im alten Stadtkern und in den Quartieren darum herum durchaus ihre Berechtigung haben – schliesslich ist uns das, was von der alten Stadt noch übrig ist, fast heilig. Es zählt die historisch korrekte und propere Erscheinung. Überschreitet man jedoch eine Grenze und betritt eine Art Rand oder Peripherie (wobei Basel zu klein ist, um eine Peripherie zu haben), so ändert sich das Bild. Wir finden Mauern, Zäune, Abschrankungen und Mobiliar, das keiner Ordnung oder Planung zu unterliegen scheint. Auch die Nutzungszwecke können wir nicht immer auf Anhieb erkennen. Wir sehen schlecht erhaltene Bausubstanz aus dem vorletzten Jahrhundert und verschmierte Wände. Ist das die Stadt, die das Jahrhundert so glänzend begonnen hat, die besonders im Städtebau vor Umbrüchen und Erneuerungen steht?

Ja, diese Seite gehört auch zu Basel. Auch ohne Pandemie und auch im Frühling oder im Sommer, wenn der Himmel blau ist und alles etwas freundlicher erscheint. Diese Seite kontrastiert nicht nur sehr stark zum Erscheinungsbild des Stadtzentrums, sie kontrastiert auch mit den Plänen, welche die Stadt für ihre grossen Entwicklungsareale hat, aktuell also für das Klybeckplus oder das Wolf-Areal. Denn mit diesen Transformationen von ehemaligen Industriegebieten in Quartiere soll die gute Ordnung des Stadtgebildes weitergeschrieben und räumlich ausgeweitet werden. Selbstverständlich mit innovativen städtebaulichen, technischen oder soziologischen Ansätzen. Aber im Kern im selben Muster, durchdacht und proper. Raum für Chaos und Unordnung soll es keinen geben. Das ist natürlich nicht falsch. Anderseits ist die Aussicht darauf, dass die heutige unorganisierte Trostlosigkeit an gewissen Punkten der Basler Peripherie verschwindet, auch nicht nur positiv.