Dominic Stämpfli, welche Bedeutung hat das Jugendkulturfestival (JKF) für die Basler Musikszene?

Dominic Stämpfli: Ich nehme das JKF als grosses Happening wahr. Trotz verschiedener Kritikpunkte von unterschiedlichen Seiten finden es Musiker wie Besucher alle zwei Jahre wieder toll und freuen sich darauf. Ich weiss, dass sich einige Bands darüber mokieren, dass sie keine Gage bekommen. Allerdings würden sie das Festival deswegen nie organisiert boykottieren. Grundsätzlich ist das JKF eine tolle Veranstaltung, die ich aber auch kritisch hinterfrage.

Eine gute Auftrittszeit auf der Bühne am Barfüsserplatz garantiert einen «Local Hero»-Status, doch darüber hinaus passiert selten etwas. Weshalb ist das so?

Für Booker ist es einerseits natürlich toll, verschiedene Bands am selben Abend zu sehen, aber am JKF sind es beinahe zu viel. Es würde Sinn machen, nur die Hälfte der Slots anzubieten und dafür mehr Zeit für den Umbau der Bühne zu haben. 20 Minuten sind zu knapp, wenn die Bands Bühnenshows haben und der Sound stimmen soll. Es stellt sich auch die Frage, ob man nicht in der ganzen Schweiz werben müsste. Zudem kommen Booker oft erst, wenn sie eingeladen werden, weil sie meist beschäftigt sind und internationalere Events vorziehen.

Wie viele Basler Bands sind bei Ihrem Label Radicalis unter Vertrag?

Es sind aktuell zehn Bands und Musiker, fünf spielen am JKF. Wir haben als lokale Agentur angefangen, weil ich viele Musiker persönlich kannte. Wir haben heute keine Vorgaben oder Regeln, wie viele lokale Bands wir betreuen. Aber natürlich ist der Zugang in anderen Städten einfacher, wenn man mit Bands aus der Region arbeitet. Das öffnet uns Türen bei den Lokalbetreibern, um auch Basler Bands in eine andere Stadt zu bringen.

Was unterscheidet Basler Musiker in der Mentalität von Musikern aus anderen Städten?

In Basel kann man ohne grösseren Aufwand rund zehn Konzerte pro Jahr spielen. Es gibt viele lokale Veranstaltungen wie die BScene, Open Airs oder Bandwettbewerbe. Wenn man nicht alles falsch macht, kann man als Basler Band durchaus nach zwei bis vier Jahren am JKF spielen. Deswegen wäre es vielleicht sinnvoll, auch internationalen Bands eine Plattform zu geben, anstatt jeder noch so jungen Basler Band eine Bühne zu bieten. Wenn man die Slots für lokale Musiker halbieren würde, käme eine grössere Konkurrenzsituation auf. Das würde die Musiker eventuell antreiben. Die internationalen Bands, die wir unter Vertrag haben, agieren anders, auch weil der Wettbewerb im Ausland härter ist und die Musiker einen anderen Arbeitsaufwand betreiben müssen, um Erfolg zu haben.

Woran liegt es, dass es in der Region Basel viele Bands gibt, die wenigsten allerdings nationale und internationale Erfolge feiern?

Schwer zu sagen. Vielleicht ist es ein typisch schweizerisches Phänomen. Um Erfolg zu haben, muss man kompromisslos sein. Viele Basler Musiker spielen in verschiedenen Bands und teilen damit auch ihre Energie auf. Natürlich ist die Betreuung durch Booker und Management wichtig, aber wenn bei den Musikern der entscheidende Funke fehlt, ist es schwierig, ihnen zu einem Durchbruch zu verhelfen.

Welche lokalen Musiker könnten Ihrer Ansicht nach national und international Erfolg haben?

Aktuell auf dem Weg sind für mich Bianca Story, Slag In Cullet hätte ich diesen Erfolg in ihrer Sparte durchaus auch zugetraut (siehe Text oben.). Ich verfolge den Werdegang von We Invented Paris. Flavian Graber, der Kopf des Kollektivs, hat in meinen Augen vieles richtig gemacht. Er hat als Singer und Songwriter angefangen, ist kostengünstig mit Couchsurfing durch Europa getourt und hat durch das Kollektiv auch im geschäftlichen Bereich viel Erfolg. Ich traue auch End und Kapoolas, die bei Radicalis unter Vertrag sind, zu, dass sie mit ihrem Stil und Konzept viel erreichen können.

Werden die Musiker in Basel vielleicht auch zu viel gefördert, um sich national beweisen zu wollen?

Die Förderung ist sehr wichtig, genauso wie die Arbeit des RFV. Vielleicht braucht es auch einfach etwas Zeit, bis es in Basel wieder eine Band vom Format der Lovebugs oder eine ähnlich erfolgreiche Sängerin wie Sophie Hunger gibt.

Wie schätzen sie die Basler Bandszene heute ein?

Ich kenne nicht jede Band in Basel, aber es gibt viel gitarrenlastigen Indie-Rock. Das hat in Basel schon länger eine grosse Tradition. Trotzdem wäre eine grössere Diversität der Musik und Genres durchaus wünschenswert. Vielleicht wird uns die Liebe zu den Gitarren hier auch in die Wiege gelegt.