Überragend. Anders kann man Bordeaux nicht bezeichnen. Die siebte Stadt auf unserer Tour mochte uns wahrlich zu überraschen. Nicht nur, weil die Stadt eine wahre Perle ist. Mit einer Altstadt, in der sich eindrückliche Prachtbauten und kleine, lauschige Gässchen abwechseln und mit einer wunderschönen Promenade der Garonne entlang, an der man sich fühlt wie im Basel Frankreichs.

Und das ist längst nicht alles. Denn Bordeaux kann, was der Rest Frankreichs bislang nicht geschafft hat: organisieren. Mitte Woche für das Spiel zwischen Spanien und Kroatien nach Bordeaux gereist, wurden wir sogleich am Bahnhof von Volunteers empfangen. Kompetenten Volunteers. Eine Premiere. Sie verteilten Stadtpläne, erklärten Tramnetze und verkauften die richtigen Fahrkarten. Doch damit nicht genug. Nach sehr schlechten und etwas besseren Erfahrungen, die wir beim Erreichen der Stadien in Lyon beziehungsweise Marseille gemacht hatten, wollten wir uns dieses Mal keine grossen Hoffnungen machen. Aber Bordeaux ist anders. Bereits an den Tramhaltestellen wird auf riesigen Plakaten erklärt, wie das Nouveau Stade de Bordeaux im Norden der Stadt zu erreichen ist. Mit dem direkten Tram oder jener Linie, an deren Endstation Shuttle-Busse bereitstehen. Wir entschieden uns für letztere Variante. Der Shuttle-Service funktionierte einwandfrei. Alle zwei Minuten fuhr ein Bus direkt vors Stadion. Und nach dem Spiel zeigte sich auf dem Rückweg genau dieselbe, perfekte Organisation.

Quelle surprise! Sie können’s also doch, die Franzosen. Und nicht nur die Transporte, sondern auch der Einlass ins Stadion war, wie wir es bis jetzt noch nicht erlebt hatten. Denn es gab tatsächlich Kontrollen. Zwar war von einem zweiten Sicherheitsring auch hier nichts zu sehen – aber den brauchte es auch nicht. Denn die Kontrollen waren genau. Verdammt genau. So musste ich beispielsweise meine Nagelfeile, von der nicht einmal mehr ich wusste, wo sie ist, abgeben. Und mein Bruder seine beiden Feuerzeuge. Was im ersten Moment nervt, verleiht einem dafür für die kommenden 90 Minuten eine Ruhe, die man in Marseille und Lyon nie hatte.

Wir sind nun in der Hälfte unseres Abenteuers angekommen. Aber es warten noch viele Highlights. Am Samstag sind wir in Saint Etienne, wo die Schweiz spielt – wenn auch leider nicht im Stadion. Und am Sonntag sehen wir live Gastgeber und Titelanwärter Frankreich gegen Irland. Jenes Team, dessen Fans so positiv aufgefallen sind, dass wir uns fast am meisten auf das Fest mit ihnen freuen. Wer weiss, vielleicht erleben wir ihre nächste, legendäre Aktion hautnah mit? Am Montag folgt dann Spanien gegen Italien. Fussballherz, was willst du mehr?