Im Frühling hat der weltweite Velomiet-Trend Basel erreicht. Mit Pick-E-Bike stehen in der Stadt und anliegenden Gemeinden 250 E-Bikes zur Verfügung. Doch das Angebot hat zwei Haken: Erstens kriegt man immer dasselbe Velomodell. Wer spezielle Wünsche hat, kommt zu kurz. Und zweitens wird pro Zeiteinheit abgerechnet. Wer einen ganzen Tag oder länger auf zwei Rädern mobil sein will, für den ist Pick-E-Bike schnell teuer.

In solchen Fällen gibt es eine Alternative: Borisbiker. Eine eigene Veloflotte hat die Online-Plattform nicht. Dafür kann dort jeder sein privates Velo zur Vermietung aufschalten, und jeder kann es mieten. Den Preis bestimmt der Anbieter, er bewegt sich zwischen zehn und 45 Franken pro Tag, je nach Velomodell. Derzeit im Angebot in Basel: Ein Cargo-Bike, ein Tandem, ein E-Mountainbike und ein historisches Velo. Wer über Stock und Stein brettern will, wird mit einem Fat-Bike glücklich. Und ja, man kriegt auf Borisbiker auch ganze gewöhnliche City-Bikes.

Diese Vielfalt ist gewollt. «Ich sehe mich nicht als Konkurrenz zu den Anbietern mit fester Flotte», sagt Johannes Imhof, der zusammen mit einem Kollegen Borisbiker betreibt. «Wir sind eher eine ergänzende Plattform.» Interessant sei sie zum Beispiel für Touristen oder Studenten. Als typischen Nutzer nennt er einen Münchner, der neulich in Basel einen Tag lang mehrere Wohnungen besichtigte. «Für ihn war Borisbiker ideal.» Gezielt ist Imhof zudem auf Anbieter zugegangen, die etwas Spezielles haben. So macht ein Hersteller von Bambus-Velos mit.

Persönliche Übergabe

Borisbiker ist deutlich umständlicher als herkömmliche Velo-Sharing-Modelle. Anbieter und Mieter müssen sich über Übergabeort und -zeitpunkt einigen. Der Besitzer muss zum Standort seines Velo gehen können – oder absagen. Der Zustand des Velos vor und nach der Miete ist eine Frage des gegenseitigen Vertrauens. «Das hat bisher eigentlich immer ganz gut geklappt», sagt Imhof. Er erklärt das damit, dass bei der Übergabe des Velos ein persönlicher Kontakt stattfindet.

Jetzt hofft er, dass die Dichte der zur Verfügung stehenden Velos in Basel zunimmt. Anbieter können nämlich ihr Velo auch im öffentlichen Raum abstellen und mit einem Kleber mit Strichcode darauf aufmerksam machen, dass man es bei Borisbiker mieten kann. Bei genügend Velos wären so Spontanmieten möglich. Das System würde deutlich flexibler. Doch davon ist Borisbiker weit entfernt. Derzeit sind auf der Webseite ein Dutzend Velos zu haben. Im gerade zu Ende gegangenen Sommer gab es insgesamt rund 50 Mieten.

Das Geschäftsmodell war ursprünglich, vom Vermieter zehn Prozent des Mietpreises abzuzwacken. Doch darauf verzichten die Betreiber jetzt. Derzeit arbeiten die beiden daran, Kurzzeitmieten zu vereinfachen. Denkbar ist, dass die Plattform eines Tages werbefinanziert ist. «Es ist immer noch ein Learning by doing», sagt er. «Wir schauen, wo das Potenzial ist.»

Nicht der Londoner Boris


Klar ist: Das Angebot bleibt eine Nische, Imhof und sein Kollege wissen: Mit Borisbiker werden sie nicht reich. «Es ist ein Hobby-Projekt», sagt Imhof, der als Kulturmanager arbeitet. Schon immer bastelte er gerne an Velos herum, «vor allem an speziellen», wie er betont. Nachdem er mehrmals gefragt worden war, ob er sie ausleihen würde, entstand die Idee für die Ausleihplattform. In grossen Städten wie Berlin oder Amsterdam gibt es bereits ähnliche Projekte, aber für die Schweiz ist es einzigartig.

Speziell ist auch der Name. «Das ist eine Spielerei», sagt Imhof. «Es sollte einfach nicht langweilig klingen.» Und er versichert: Nichts zu tun hat der Name mit einem radelnden Londoner Ex-Bürgermeister.