«Das ist ein hervorragendes Argument dafür, die BLT und die BVB endlich zusammenzulegen», meint der Grünliberale Basler Grossrat Aeneas Wanner zum Krach zwischen den beiden Verkehrsbetrieben. Denn seit einigen Wochen tobt der neueste Grabenkampf zwischen den beiden Basel am Margarethenstich: BVB und BLT streiten sich darum, welches der Unternehmen die Linie betreiben darf, die dort ab 2017 verkehren soll.

Fusions-Idee neu angerichtet

Wanner hat bereits 2010 einen entsprechenden Vorstoss im Grossen Rat eingereicht: «Es ist Schwachsinn, auf so kleinem Raum so viele Verkehrsbetriebe zu betreiben.» Ins gleiche Horn stösst auch die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter: «Wir haben vier Verkehrsbetriebe auf engstem Raum, die mit öffentlichen Geldern alimentiert werden. Das ist nicht effizient.» Und der Grüne Baselbieter Landrat Klaus Kirchmayr meint zum Streit: «Was hier läuft, ist ein Stück weit lächerlich. Diese Art Hahnenkämpfe strapazieren die Nerven derjenigen, die letztendlich die Aufsicht haben über das Ganze.» Den dreien entgegen tritt der Präsident der Baselbieter SVP, Oskar Kämpfer: «Am Margarethenstich muss man nun einfach eine vernünftige Lösung ausdiskutieren. Das ist sicherlich kein Grund, über eine Fusion nachzudenken.» Und BVB-Präsident Martin Gudenrath meint: «Mit einer gemeinsamen Linienführung wäre die Einhaltung des Staatsvertrages wieder gewährleistet.»

Kompliziertes Zahlungs-Modell

Der Staatsvertrag, den Gudenrath anspricht, sieht vor, dass die beiden Kantone über Ausgleichszahlungen ein Gleichgewicht zwischen Fahraufwand und Ertrag herstellen. Die BVB fahren mit ihren längeren Linien im Baselbiet ein deutlich höheres Defizit ein, als die BLT mit ihren kürzeren in der Stadt. So zahlte Baselland im Jahr 2010 3,8 Millionen Franken an den Stadtkanton, um diese Leistungen auszugleichen. «Diese Abrechnerei ist ein Witz», sagt Schneider, «30-seitige Ratschläge mit endlosen Tabellen sind ein Riesenaufwand.» Und Klaus Kirchmayr bemerkt: «Beide Kantone beschäftigen mehr oder weniger zwei Leute, die nichts anderes machen, als die Geldflüsse und Ausgleichszahlungen zu berechnen. Da gäbe es sicher einiges an Synergiepotential.» Gudenrath sieht auch hier die Lösung in einer gemeinsamen Führung von Linien, denn: «Dieses Prinzip verhindert, dass Leistungsüberhänge einer Transportunternehmung überhaupt erst entstehen.» So steht es in seinem schriftlich abgegebenen Statement zum Thema. Die Frage nach einer möglichen Fusion beantwortet der BVB-Chef mit dem Satz: «Die Debatte über eine allfälligen Fusion von BLT und BVB hat die Politik zu führen.»

Wer übernimmt wen?

Das tun sie, und diese Debatte dreht sich vor allem um die Finanzen. Kirchmayr meint: «Ökonomisch gesehen ist die Frage nach einer Fusion sicherlich mit ja zu beantworten. Ein Politiker stellt sich hier natürlich auch noch andere Fragen.» In welche Richtung diese gehen könnten, erklärt Kämpfer: Es komme nicht in Frage die «hochprofitable und hervorragend geführte BLT» und die «sehr staatlich strukturierten» BVB zusammenzuführen: «Das gäbe sicher keinen schlagkräftigen Betrieb.» Schneider gibt ihm teilweise recht: «Wir sollten die BVB in die BLT integrieren. Die BLT haben schlankere Strukturen und die flexiblere Personalpolitik. Aeneas Wanner diagnostiziert das gleiche Problem und will, dass Basel-Stadt bei einer Fusion hier von «Maximalforderungen beim Personal» abrücken müsse. Am Ende wird wohl die emotionale Komponente die Hauptrolle spielen. Kämpfer macht klar, dass er keine Fusion will. Nicht bei den Kantonen und nicht beim Tram. Kirchmayr, der für die Kantonsfusion einsteht, meint im speziellen Fall des Streits um den Margarethenstich: «Wegen dieser Angelegenheit muss man nicht die beiden Betriebe fusionieren. Aber es zeigt, wie viel Energie entlang dieser mühsamen Kantonsgrenze verbraten wird.»