Kunst
Breites Kreuz, feiner Strich: Grafiker Hampé Wüthrich illustriert die Basler Fasnacht

Hampé Wüthrich ist vom Digitalen überzeugt – und illustriert die Fasnacht. Die Werke von Hampé Wüthrich zieren ab kommender Woche die Fasnachtsausgaben der bz.

Fabian Schwarzenbach
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Hampé Wüthrich vor einer seiner Lieblingskulissen: Dem Blick vom Kleinbasel Richtung Grossbasel.

Hampé Wüthrich vor einer seiner Lieblingskulissen: Dem Blick vom Kleinbasel Richtung Grossbasel.

Roland Schmid

Helgen entstehen bei Hampé Wüthrich immer spontan, flutschen aus der Hand und werden digital angefertigt. Der Kleinbasler Grafiker ist genauso von den neuen digitalen Techniken begeistert wie von der Fasnacht selber.

«Der erste Fasnachtstag ist vom Morgestraich geprägt», erklärt er «seine» Fasnacht. Der Dienstag zeige das «Chariavari», die Kinder, die Guggen und die Schnitzelbänke. Am Mittwoch folge die Krönung mit dem Ändstreich. «Das Schönste! Wenn man so müde ist, dass man im Stehen einschlafen könnte und beinahe in Trance den Wettstai-Marsch hört», beschreibt Hampé seinen Fasnachtsmoment und ergänzt: «Dann friert es mich und läuft mir kalt den Rücken runter.» In seiner Aufzählung fehlt der Cortège. Darauf angesprochen meint er: «Der Cortège ist nicht so wichtig, der ist für die Zuschauer und die Kinder wichtiger.»

Der Zeichner

Hampé Wüthrich in der bz

Die Werke von Hampé Wüthrich zieren ab kommender Woche die Fasnachtsausgaben der bz. Mit gekonntem Strich setzt er die drey scheenschte Dääg für den jeweiligen Bundauftakt der Dienstags-, Mittwochs- und Donnerstagsausgabe ganzseitig um. Bereits vergangenes Jahr war Wüthrich für die bz aktiv – und er hat auch ein Fasnachts-Memory entwickelt: Verkauft werden die Kartenspiele unter anderem in der Fasnachtsgalerie Paul Lüdin an der Riehenstrasse 6 und im Basler Fyynkoscht-Lädeli an der Gerbergasse. (bz)

Für ihn aber noch viel spannender ist die Laternenausstellung. «Eine Kunstausstellung!», schwärmt er. Die Basler Fasnacht sei Kunst und damit sehr wertvoll. Die Kunst wird durch das ganze Jahr hindurch zur Perfektion getrieben und explodiert für drei Tage. Wer hier aufwachse, der sei von Anfang an damit konfrontiert. «Es war schmerzvoll, als ich ein paar Jahre in Zürich arbeitete», räumt er ein. Dort war der Grafiker für eine grosse Agentur tätig.

Zurück im Kleinbasel

Vor einigen Jahren kam er wieder zurück in sein geliebtes Kleinbasel, wo er lebt und arbeitet. Er hat sich auch sofort wieder der Fasnacht, seiner Zunft und den drei Ehrenzeichen angeschlossen, da ihm das Basler Brauchtum generell am Herzen liegt. Der alten Garde der «Olympia» dient er als Vorträbler. Er ist ein Quereinsteiger, da er vorher nie einer Clique angehörte. «Ich habe Piccolo spielen gelernt – mit mässigem Erfolg», sagt Hampé lachend. Er sei aber von den Fasnachtsmärschen begeistert.

«Ich habe so auch die Leidenschaft, Helgen zu malen, wieder entdeckt», sagt er. Hampé ist eigentlich Grafiker, ein Urgestein der Werbung, wie er selber sagt, und ein grosser «Feacebook-Freak»: «Ich poste täglich einen Helgen.» Ihm macht das Spass, wie auch den vielen Betrachtern der Kunstwerke. So seien Leute auf ihn aufmerksam geworden. Früher hat er Kostüme entworfen, etwas, das er heute nicht mehr macht. Auch eine Laterne malte er. Natürlich auf seinem Tablet. «Das geht schneller, man kann mehr Effekte herausholen und muss die Laterne nicht hintermalen», erklärt er.

So sind weisse Stellen auf der Laterne transparent und nicht – wie beim herkömmlichen Malen – nur weiss. «Natürlich sieht das ein Fachmann», gesteht er und ergänzt: «Aber aus mehr als einem Meter Entfernung sieht auch er es nicht mehr.»

Von der Digitalisierung angetan

Hampé Wüthrich ist von den neuen Möglichkeiten, die sich Grafikern durch die Digitalisierung bieten, überzeugt. Er ist überrascht, dass das nicht mehr genutzt werde, auch von jüngeren Kollegen nicht. «Aber kreativ sein muss man schon noch selber», sagt er. Für ihn kein Problem: Seine Entwürfe sind immer sehr spontan. «Das sieht man einer Zeichnung an, so lebt sie.» Auch wenn mal ein kleiner Fehler drin sei, das würde nicht stören.

Wüthrich setzt sich die blaue, runde Brille auf, greift nach seinem Tablet und einem Stift mit Silikonspitze, tippt auf ein paar Ziffern, um das Gerät zu entsperren, und zeigt den leeren Bildschirm. Den Modus «Bleistift» im Programm eingestellt, schwingt er locker aus dem Handgelenk ein paar Striche auf den digitalen Zeichenblock. Mit ein paar weiteren Strichen ist eine Katze zu erkennen. Wieder einen Modus umgestellt auf «grau» und die Stiftdicke variiert, erhält die Katze eine schöne graue Fellfarbe. «Fertig», so der Kommentar des Zeichners.

Sein Tablet hat er immer dabei, wie andere ihren Notizblock. Und falls mal nicht, «dann kann ich auf einem Tischset in der Beiz meine Entwürfe malen», erklärt er lachend. Der Accent aigu auf dem Hampé ist ein Überbleibsel aus seiner Zürcher Zeit. Sein ehemaliger Chef kam mit der Baseldeutschen Abkürzung für Hanspeter nicht zurecht und schrieb daher immer Hampé auf die interne Post. «Da ich ein grosser Anhänger von Sempé bin, gefiel mir das», meint Wüthrich – und machte das flugs zu seinem Markenzeichen.