Wechsel
Brigitte Hollinger: «Ich habe viel in den Zusammenhalt investiert»

Die Basler SP-Präsidentin Brigitte Hollinger ist überzeugt, zum richtigen Zeitpunkt zurückzutreten – auch wenn sich in der SP derzeit einige Gräben auftun.

Daniel Ballmer
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(Archiv)

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Nicole Nars-Zimmer

Man soll gehen, wenn’s am schönsten ist, heisst es im Volksmund. Halten Sie sich an dieses Credo?

Brigitte Hollinger: Es ist eine schöne Fügung des Schicksals, dass wir bei den letzten Wahlen Erfolge feiern durften. Ich habe mir aber schon vor meinem Antritt vorgenommen, nur eine Legislatur von vier Jahren als Präsidentin zu wirken. Zudem ist direkt nach den Wahlen der beste Zeitpunkt. Ein neues Präsidium hat jetzt genügend Zeit, sich zu installieren, bis dann wieder die nächsten Wahlen folgen. Ich habe es damals ebenfalls geschätzt, so starten und mich einarbeiten zu können.

Dennoch: Vier Jahre sind keine sonderlich lange Amtszeit.

Das Präsidium der SP Basel-Stadt tritt in globo zurück. Sowohl Präsidentin Brigitte Hollinger als auch die Vizepräsidenten Mustafa Atici und Michela Seggiani werden an der Jahresversammlung im April nicht mehr für ein weiteres Jahr im Präsidium zur Verfügung stehen.

Ich finde es richtig, wenn man irgendwann wieder abtritt und anderen die Möglichkeit gibt, eigene Akzente zu setzen. Zudem ist die SP in einer guten Lage: Sie hatte immer gutes Personal. Insofern ist es richtig, wenn man den Stab wieder weiterreicht. Gleichzeitig wäre Beruf, Parteipräsidium und neu das Grossratsmandat schlicht zu viel.

Dass gerade die gesamte SP-Spitze das Feld räumt, überrascht dennoch eher. Damit geht auf einen Schlag viel Know-how verloren. Ist das klug?

Wir haben uns auch überlegt, was besser für die Partei ist. Wir sind als Team gekommen, haben als Team gearbeitet und gehen wieder als Team. Mir persönlich gefällt das. Auch verschwinden wir ja nicht von der Bildfläche. Im Hintergrund werde ich als Ansprechpartnerin immer zur Verfügung stehen. Das gilt natürlich auch für die beiden Vize-Präsidenten Mustafa Atici und Michaela Seggiani.

Die beiden stehen demnach nicht für Ihre Nachfolge zur Verfügung?

Das haben sie mir so kommuniziert.

Auch bei der SP ist aber nicht alles rosig. Stichwort: Unternehmenssteuerreform III. Oder die Debatte um den Verbleib von Silvia Schenker im Nationalrat. In der SP tun sich mehrere Gräben auf. Ist es tatsächlich der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt?

Ich bin zwar schon verschiedentlich darauf angesprochen worden, sehe das aber anders. Bei wichtigen Sachfragen können immer wieder Emotionen mitschwingen. Ich erlebe unsere Partei in solchen Momenten aber als sehr erwachsen. Wir haben eine Streitkultur, die vieles erträgt. Man ringt um Positionen, legt seine Argumente dar, man ringt um Entscheide. Wenn dann aber die Parole gefasst ist, geht man zusammen ein Bier trinken. Das zeigte sich bei der USR III exemplarisch. Und das schätze ich sehr. Dieses gegenseitige Vertrauen musste aber auch wachsen.

Allerdings: Böse Zungen behaupten, Sie gehen, bevor es kompliziert wird. Denn der SP steht in den kommenden Jahren ein eigentlicher Generationenwechsel bevor: Ständeratssitz und allenfalls gleich mehrere Regierungsmandate gälte es zu verteidigen.

Personalpolitik diskutiere ich nicht in den Medien. Aber: Die SP kann stolz sein auf die Leute, die sie hat. Sie hat ganz viele, die Verantwortung übernehmen wollen. Und die auch dazu fähig sind. Das ist nicht unbedingt mein Verdienst. Das war schon immer so. Ich habe mir in den vier Jahren aber Mühe gegeben, Leute zu motivieren. Das war mir wichtig. Insofern ist für mich klar: Der Vorwurf, dass ich gehe, bevor es kompliziert wird, stimmt nicht. Aber man könnte das natürlich so sehen.

Was muss Ihr Nachfolger mitbringen?

Für das Präsidium braucht es einfach jemanden, der motiviert ist und der genügend Zeit hat. Das ist nicht bei allen gegeben. Der Job rückt an die zweite Stelle. Es braucht viel berufliche Flexibilität. Selbst habe ich mein Arbeitspensum um zehn Prozent reduziert. Das bedeutet auch eine finanzielle Einbusse. Hinzu kommen bei vielen familiäre Verpflichtungen. Da kann eine Partei dann oft nicht mehr gross aus zahlreichen Interessenten auswählen. Meistens gibt es dann aber doch vielleicht zwei, die sich für das Amt interessieren. Wichtig ist, dass die Delegierten hinter einem stehen. Ansonsten wird es schwierig.

Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Ich habe sehr viel Zeit investiert in den Zusammenhalt der Partei. Das ermöglicht dann auch diese gute Streitkultur. Die Zeit, die man hier investiert, lohnt sich. Es ist meines Erachtens eine der wichtigsten Aufgaben einer Parteipräsidentin. Auch wenn das gegen aussen hin kaum wahrgenommen wird.