Kältewelle

Brrr! – Eine Kaffeetasse ist Schuld an der Eiseskälte

Die Minustemperaturen belasten uns alle. Ein paar gute Effekte hat die Kälte aber doch: So dürfen wir uns zum Beispiel für die Obstbauern und die Kleinvögel freuen.

Seit 30 Jahren war es im Januar nicht mehr so kalt wie in diesem Jahr. Der Schuldige für die Kältewelle ist schnell gefunden: «Stellen Sie sich vor: Eine Kaffeetasse fällt um, der Kaffee läuft über den ganzen Tisch. Auf das Wetter bezogen, heisst das, es leerte sich eine riesige Tasse voller kalter Luft über Russland aus und die verteilte sich bis zu uns», erklärt Karl Gutbrod, Geschäftsführer des Basler Wetterbüros «Meteoblue». Die eisigen Temperaturen stünden im Gegensatz zu den vergangenen drei bis vier Jahren: «Bis vor Weihnachten gab es die letzten vier Jahre über keinen richtigen Frost in Basel.» Es gebe aber halt selten ein «Durchschnittswetter», sagt Gutbrod.

Wenn wir frierend an der Tramhaltestelle stehen, ist uns das herzlich egal: Wir haben genug von der Kälte. Wir wollen, dass sich unser Kaffee auf dem Weg ins Büro nicht mehr in Kaffee-Glace verwandelt. Wir wollen warme Füsse, ohne dass wir die rot-gelb gestreifen Wollsocken tragen müssen, die uns unsere Tante zu Weihnachten geschenkt hatte. Wir wollen kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn wir unseren Freund zehn Minuten in der Eiseskälte haben warten lassen. Und die Minustemperaturen haben noch ganz andere unerfreuliche Nebenwirkungen:

Die Bauern müssen stets aufpassen: «Gerade gestern habe ich gehört, dass einigen Bauern die Wasserleitungen über Nacht eingefroren sind», sagt Franziska Hochstrasser, Geschäftsführerin des Bauernverbands beider Basel. Täglich müssen Kontrollgänge gemacht werden.

Der Grenzwert der Feinstaub-Belastung wurde in den vergangenen Tagen an den Stationen der Region überschritten. Die Werte bewegen sich momentan im gelben Bereich, der eine deutliche Luftbelastung bedeutet. «Ein Anstieg der Feinstaubbelastung war erwartbar», sagt Markus Camenzind vom Lufthygieneamt beider Basel. Eine Überschreitung des Grenzwerts gebe es jeden Winter mal. Trotzdem könnten gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten, besonders bei älteren Leuten, Kindern und Personen mit Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen.

Im Basler Zolli musste ebenfalls auf die Kälte reagiert werden. Die Giraffen erhielten Hausarrest: «Da bei Glatteis die Sturzgefahr zu hoch ist, dürfen sie nur auf die überdachte Veranda», sagt Tanja Dietrich vom Basler Zolli. Weiter müssen die grossen Ohren der Elefanten geschützt werden, weshalb die grauen Riesen nur kurz raus dürfen. Unzufrieden sind auch die Brillenpinguine aus Afrika: Ihnen gefällt die Kälte gar nicht. Sie bleiben lieber drinnen.

Nicht alles an den eisigen Temperaturen ist jedoch schlecht. Ein paar positive Seiten hat die Kälte immerhin:

Endlich erfrieren die Schädlinge an den Obstbäumen. Und mit weniger Ungeziefer erzielen die Bauern bessere Obsternten.

«Im vergangenen Jahr haben die Buchen so viele Buchennüssli produziert, wie seit 30 Jahren nicht mehr», so Michael Schaad von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Die meisten Kleinvögel dürften sich deshalb momentan im Wald aufhalten. Und das Festmahl geniessen.

Und wir können uns trösten: Der Januar 2017 war kalt, aber nicht so kalt wie der Februar 2012: «Damals wurde die tiefste Temperatur seit 1985 gemessen», so Gutbrod.

Zu guter Letzt: «Der Hochnebel wird sich bis Samstag auflösen», sagt der Wetterexperte. Und bis zum Ende der kommenden Woche würden die Temperaturen wieder auf zehn bis zwölf Grad steigen.

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