Gap
Brückenangebote sind erfolgreich, aber noch nicht genug

Basel bewertet seine Brückenangebote für Jugendliche zwischen Schule und Lehre positiv. Für einen sicheren Befund ist es aber noch zu früh - erst in zwei bis drei Jahre können man verlässliche Aussagen gemacht werden.

Patrick Rudin
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Brückenangebot für Jugendliche (Archivbild)

Brückenangebot für Jugendliche (Archivbild)

Keystone

Das englische Wort «gap» meint eine Lücke, etwa die tiefe Lücke zwischen Zug und Perronkante. Inzwischen ist Gap auch ein Sinnbild für den Abgrund zwischen der obligatorischen Schulzeit und einer Lehrstelle geworden. Gap heisst seit 2008 daher auch das Programm für eben jene Jugendliche, die in diese Lücke zu fallen drohen und nach der Schule den Anschluss an die Lehre verpassen.

Eine Studie der Berner Fachhochschule hat über drei Jahre hinweg das Projekt Gap genau beobachtet, die Veränderungen bei der Berufsbildung wurden dokumentiert. Die Studie teilte die Jugendlichen in drei Gruppen ein: Die erste Gruppe ist arbeitslos und ohne Tagestruktur, die zweite Gruppe besucht vorübergehend eine Schule oder macht eine Anlehre, die dritte Gruppe besucht eine Fachschule mit Abschluss oder macht eine Berufslehre.

So sind nach einem Jahr 22 Prozent der Jugendlichen von der ersten in die zweite oder von der zweiten in die dritte Gruppe gerutscht, nach zwei Jahren gar knapp 36 Prozent. Bei knapp 19 Prozent der Jugendlichen hat sich dieser Status hingegen verschlechtert.

Besonders häufig kommt der Wechsel von der obligatorischen Schule ins zehnte Schuljahr oder in eine Vorlehre vor.

Früherfassung funktioniert

Das Fazit der Studie: Gap erreiche wie geplant die Jugendlichen der Sekundarstufe 1 und 2 sowie junge Erwachsene bis 25. Besonders die Früherfassung in den WBS-Klassen funktioniere gut.

Die Studie erwähnt aber auch, dass die Nachhaltigkeit von Gap noch unklar sei - erst in zwei bis drei Jahre könne man dazu verlässliche Aussagen machen. Verbesserungspotenzial ortet die Studie noch bei der Zusammenarbeit mit diversen Institutionen – vor allem bei Jugendlichen in der Lehre oder auf einer Fachmittelschule.

Ursula Renold vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie betonte gestern an der Medienkonferenz, ein frühes Erkennen der problematischen Jugendlichen sei für einen Erfolg absolut entscheidend. «Es ist viel schwieriger, einen 19-Jährigen mit bereits sehr vielen Misserfolgs-Erlebnissen erfolgreich zu integrieren», sagte Renold.

Nach anfänglichen Problemen habe sich inzwischen auch die Attestlehre durchgesetzt; Renold bezeichnete sie gar als «Erfolgsstory». Von dieser zweijährigen Lehre für Leute mit weniger gutem schulischen Leistungsausweis gibt es derzeit in Basel-Stadt 240 Stellenangebote, im Vergleich mit insgesamt rund 2000 Lehrstellen im Kanton sei dies ein sehr hoher Anteil. Hansjürg Dolder von der Strategiegruppe Jugendarbeitslosigkeit betonte, die Zahlen seien ermutigend: So ist die Sozialhilfequote bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 von 12,3 Prozent im Jahr 2005 auf 8 Prozent im Jahr 2009 gesunken, im Jahr 2010 stieg sie wieder leicht auf 8,3 Prozent an. «Wir haben noch nicht den Erfolg, den wir gerne möchten», resümierte gestern Regierungsrat Christoph Eymann.