Basel

Bruderholz: Idyllische Ruhe, aber kaum Läden

Christophe Haller vor dem  Bruderholz-Wahrzeichen Wasserturm

Christophe Haller vor dem Bruderholz-Wahrzeichen Wasserturm

Villen, Ruhe, Idylle, aber dafür kaum Läden und Beizen: Der im Bruderholz-Quartier wohnhafte FDP-Grossrat Christophe Haller zeigt die positiven und negativen Seiten des Wohnviertels.

Das Bruderholz-Quartier ist gemeinhin als Wohnviertel der Reichen bekannt. Schöne Villen, englische Landhäuser, grüne Idylle, viel Ruhe. «Nein-nein», sagt der FDP-Grossrat Christophe Haller, den wir vor dem 36 Meter hohen Wasserturm zum Spaziergang treffen. «Es gibt auch zahlreiche negative Dinge.» Er zählt auf: Kaum Läden im Quartier und nur zwei Beizen, ein zu kleines Primarschulhaus, unverständliche Verbote für Solardächer und natürlich die neuen, versetzten Parkfelder.

Was in anderen Quartieren möglich sei, gehe auf dem Bruderholz nicht, sagt dazu Haller. «Sie können auf Strassen mit starkem Gefälle keine versetzten Parkfelder anbringen.» Das sei zu gefährlich für alle Verkehrsteilnehmer, ärgert sich der TCS-Präsident. Deshalb sei der Widerstand im Quartier riesig.

Haller ist sowohl im Gundeli wie auch auf dem Bruderholz aufgewachsen. Seine Eltern zogen 1964 – da war er zehn Jahre alt – von unten auf das Bruderholz. Er selber zügelte als junger Mann wieder zurück ins Gundeli und kam 1989 mit der eigenen Familie wieder auf den Hügel.

In seiner Jugendzeit habe es noch fünf Coop-Läden im Quartier gegeben, sagt der 54-Jährige. Der Bevölkerung standen damals Bäckereien, Metzgereien, Blumenläden und ein kleiner Detailhandelsladen zur Verfügung. Viele dieser Geschäfte seien verschwunden. An der Bruderholzallee stünden zwar einige wenige Läden, aber die Quartierbewohner machten die meisten Einkäufe in der Stadt oder in Binningen.

Viele junge Familien

Das Bruderholz wurde ab 1910 langsam überbaut. Im Jahre 1915 wurde die Tramlinie 15 eingeweiht. Laut Haller fand bereits eine «Ablöse» statt. Viele betagte Menschen, die hier vor 100 Jahren Häuser gebaut haben, seien inzwischen gestorben und hätten jungen Familien Platz gemacht. Es kämen aber nicht nur die Begüterten, sondern auch Normalverdiener. So lebten im Quartier immer noch sehr viele Lehrer. «Zudem, und das war früher undenkbar: Die SP ist hier mit fünf Grossratsmitgliedern am stärksten aller Parteien vertreten.» Die FDP kommt nur auf drei Grossräte, und von den Liberalen lebt nur ein Parlamentsmitglied auf dem Bruderholz.

«Wir sind nicht nur ein Bonzenquartier», sagt Haller und zeigt Mehrfamilienhäuser und Genossenschaftswohnungen. Wir spazieren vorbei an viel Wald, grünen Wiesen und Schrebergärten zum Bruderholz-Schulhaus an der Fritz-Hauser-Strasse. Die Primarschule wurde in den 30er-Jahren vom Architekten Herrmann Baur erstellt. Das Schulhaus besteht aus mehreren einstöckigen Gebäuden und einem neuen Erweiterungsbau. Die alten Gebäude dürfen nicht aufgestockt werden. Dieses Schulhaus wird mit der Schulreform – die Primarschule wird von vier auf sechs Jahre verlängert – viel zu klein. Deshalb müssen künftig viele Kinder im Gundeldinger Quartier eingeschult werden. Dagegen wehren sich laut Haller die Eltern.

Wir gehen weiter und sehen kleine Strässchen, das stillstehende Reservoir, das umgenutzt werden soll, und immer wieder Schrebergärten mit blühenden Sonnenblumen. Vor einer Reihenhaussiedlung bleibt Haller stehen und sagt, hier dürften keine Solardächer angebracht werden. Niemand wisse warum, weshalb Baudirektor Hans-Peter Wessels das schon lange ändern wollte. Nichts sei bisher passiert. Wir blicken in die Umgebung und entdecken Häuser mit Solarpanels und -ziegeln. «Dort gehts», sagt Haller kopfschüttelnd. Er erzählt vom Neutralen Quartierverein, der in politischen, sozialen und kulturellen Bereichen sehr aktiv sei und von den Kirchgemeinden, die ebenfalls Anlässe organisierten. Allerdings sei mit der Aufgabe des Restaurants «Bellevue» viel Quartierleben verloren gegangen, bedauert Haller.

Am Thiersteinerrain entdecken wir rechts und links der Strasse die genau gleichen Häusertypen. Zwar wechselt mal die Farbe der Fassade oder jene der Haustüre, aber sonst gleicht ein Haus dem anderen. Das ist aussergewöhnlich; normalerweise ist nur eine Strassenseite mit Häusern der gleichen Struktur bebaut.

Augustfeier und Zirkus

Wir kommen zum Bruderholzrain und haben eine fantastische Aussicht über die Stadt bis zu den Vogesen und zum Schwarzwald. «Das ist für mich einer der schönsten Orte im Quartier», sagt Haller. Unten, im Gundeldinger Quartier, stehen die Blockrandbebauungen mit grünen Innenhöfen. Weiter weg glänzen der Rhein und die Messeturm-Fassade.

An der Bruderholzallee angekommen, liegt entlang der Strasse ein lang gezogenes Gelände, das mit hohem Gras überwachsen ist. «Das Land liegt in der Bauzone und gehört dem Kanton, der könnte hier doch tolle Wohnungen bauen», meint Haller. Im Zeitalter des verdichteten Bauens ist es tatsächlich erstaunlich, dass ein derart ideal gelegenes Areal nicht überbaut wird. Schliesslich weist Haller noch auf den Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Bruderholz-Quartiers hin: Es ist die 1.-August-Feier am Fusse des Wasserturms. Hinzu kommen die Vorstellungen des bekannten Quartierzirkus, die ebenfalls Anfang August beginnen.

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