Am Freitagabend um 19 Uhr ist der Platz vor der Bühne auf dem Kasernenareal halb leer, doch das scheint kaum jemanden zu stören. Die meisten laufen barfuss rum, viele haben ein Bier in der Hand und hören gemütlich den Klängen der Basler Band Serafyn zu. In der ersten Reihe ist nicht etwa eine tanzende Meute, sondern da sitzen alle gemütlich und bewegen die Schultern zum Takt. Einige Kleinkinder rennen zwischen den Zuhörern.

Darunter befinden sich viele Freunde und Kollegen der Bandmitglieder von Serafyn. «Sogar meine Grosseltern sind hier», sagt Schlagzeuger J.J. Man sei immer etwas nervöser, wenn die Familie dabei sei, sagt er. Der Auftritt am diesjährigen Open Air Basel sei der grösste ihrer bisherigen Karriere gewesen. Er war bisher jedes Jahr am Open Air Basel und hatte immer gehofft, einmal hier auftreten zu können. Gleich am nächsten Tag spielt die Band auf einem Festival in Ungarn.

Der Kasernenhof füllt sich langsam – passend zum Folk-Pop von Serafyn, wie sie ihre Musik selber nennen. Starkes Saxofon und Operngesang dominieren die Musik von The Cinematic Orchestra aus Grossbritannien. Die Fans sitzen zwar nicht mehr, aber immer noch ist die Stimmung gemütlich.

Mit Battles aus den Vereinigten Staaten wird es schneller, die Leute tanzen, aber gelassen. Ein Besucher kann sich besonders gut entspannen. «Mir gefällt es hier auf dem Kasernenhof», sagt er. Mit dem Wetter habe das Festival dieses Jahr Glück gehabt. «Nach der Arbeit tut dieser chillige Sound richtig gut.» Er ist alleine auf dem Festivalgelände, seine Freunde sitzen ausserhalb auf dem Rasen. «Ihnen war das Ticket zu teuer», sagt er. Der Eintritt am Freitag kostete 40, am Samstag 50 Franken. Auf dem Rasen vor dem Festivalgelände haben viele Tücher und Familie mitgebracht, das Bild passt genau zu diesem Open Air. Die Bässe rollen hier aber leichter als anderswo. Das liegt vermutlich an der Basswalze von Christian Frick. Ein neues System, das am Open Air Basel Weltpremiere hatte, dämpft die Bässe (bz berichtete).

90er-Hip-Hop im Mondschein

Die Bässe rollen aber erst am Samstag mit der Band Beginner wieder. Der Hauptact vom Samstag haut fette Bässe raus. Der Kasernenhof ist um 22.45 Uhr proppenvoll. Jan Delay, Denyo und DJ Mad machen ordentlich Stimmung, Gummiboote surfen über die Zuschauermasse bis vor die Bühne.

Das für August geplante Album «Advanced Chemistry» und vor allem der neue Track «Ahnma» haben die in den 90er-Jahren gegründete Band wieder bekannt gemacht. Vor dreizehn Jahren hat sie zuletzt ein Album veröffentlicht.

Das Trio kann es noch, auch mitten in der Nacht. Der Mond scheint, der Hip-Hop klingt und die erste Reihe sitzt nicht mehr.