Verdächtigen getreten
Brutalo-Polizist bleibt im Dienst des Basler Korps

Obwohl das Strafgericht es als erwiesen ansah, dass ein Basler Zivilpolizist einem wehrlosen Opfer am Boden ins Gesicht getreten hat, bleibt er weiterhin im Korps. Nun muss sich das Appellationsgericht dem Fall annehmen.

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Während zwei Kollegen mit ihm rangen, hat ein Polizist mit seinem rechten Fuss auf das Gesicht des am Boden Liegenden eingetreten.

Während zwei Kollegen mit ihm rangen, hat ein Polizist mit seinem rechten Fuss auf das Gesicht des am Boden Liegenden eingetreten.

Keystone/GEORGIOS KEFALAS

Für das Basler Strafgericht war die Sache klar: Polizist A.* hat einen Verdächtigen bei einer Kontrolle getreten, während dieser wehrlos am Boden von zwei weiteren Ordnungshütern festgehalten wurde. Verraten hat den heute 44-Jährigen das Profil seiner Schuhe, das haargenau zu den Verletzungen im Gesicht des Opfers passte. Dennoch gilt die Unschuldsvermutung. Denn A. zog den Fall weiter ans Appellationsgericht. Das Urteil – eine bedingte Geldstrafe in der Höhe von rund 18'000 Franken – ist damit nicht rechtskräftig.

Nach Bekanntwerden des Urteils hat die Polizeileitung gehandelt. Freigestellt oder gar entlassen hat sie den Polizisten allerdings nicht. Der Mitarbeiter sei «bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils für Bewachungsaufgaben von der Front abgezogen», teilte Sprecher Martin Schütz auf Anfrage der bz mit. «Als Anstellungsbehörde, die sowohl der Öffentlichkeit als auch ihren von Anzeigen, Strafverfahren oder Anklagen betroffenen Mitarbeitenden verpflichtet ist, muss die Polizeileitung immer sorgfältig abwägen, ob und wann aufgrund der ihr bekannten Sachverhalte personalrechtliche Schritte notwendig sind», führt er weiter aus.

In bisherigen Fällen kam die Basler Polizeileitung schon zu anderen Schlussfolgerungen. So wurde beispielsweise einem Korporal gekündigt, dem rassistische Äusserungen vorgeworfen wurden, bevor das Bundesgericht den Fall abgeschlossen hatte. Auch der als «Blaulicht von Basel» bekannte Fall verlief anders. Jenen Polizisten, der nach einem Abend in der Bar Rouge ausfällig wurde, versetzten seine Chefs in den rückwärtigen Dienst. Allerdings erst, nachdem die Angelegenheit medial Beachtung fand. Nach einem zweiten Vorfall wurde er schliesslich freigestellt. In einem dritten Fall handelte die Leitung besonders schnell: Ein der Schändung bezichtigter Polizist wurde freigestellt, bevor das Verfahren eröffnet wurde. (bro)

*Name der Redaktion bekannt