Roche
Brutschin: «Stellenabbau ist nicht drastisch»

Die Gewerkschaften und der Angestelltenverband wettern gegen den Stellenabbau bei Roche. Doch Regierungsrat Christoph Bruthscin zeigt Verständnis für das Verhalten des Pharmakonzerns.

Michael Nittnaus
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«Die mutlose Stellungnahme der Basler Regierung kommt einem Kniefall vor der Pharmaindustrie gleich.» Basta-Grossrat Urs Müller ist enttäuscht, dass sich Regierungsrat Christoph Brutschin in seiner offiziellen Stellungnahme nicht stärker gegen die Entlassungen beim Basler Standort von Roche wehrt. Immerhin werden am Rheinknie 460 Vollzeitstellen abgebaut. Da 110 Stellen in anderen Bereichen aus den USA nach Basel verschoben werden, bleibt netto ein Abbau von 350 Stellen – trotz einem Konzerngewinn 2009 von 8,5 Milliarden Franken.

Auch gegenüber der Basellandschaftlichen Zeitung hält sich Brutschin mit Kritik an Roche zurück: «Einen Abbau von 350 Stellen finde ich angesichts von 8800 Angestellten in Basel nicht drastisch.» Selbstverständlich bedauere er die Streichung, doch aus wirtschaftlicher Sicht habe er Verständnis. «In meiner Brust schlagen zwei Herzen: das des Wirtschafts- und das des Sozialministers.»

Langfristiger Stellenzuwachs?

Brutschin schöpft auch aus vergangenen Abbau-Aktionen bei Roche Hoffnung, denn letztlich habe es langfristig sogar einen Stellenzuwachs für Basel gegeben. Roche-Pressesprecherin Silvia Dobry kann diesbezüglich allerdings keine Versprechungen machen. Unterstützung erhält Brutschin von Samuel Hess vom Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit: «Da der Abbau über die nächsten zwei Jahre läuft, dürften die 460 Stellen durchaus vom Arbeitsmarkt absorbierbar sein.» Ausserdem seien ja vor allem hoch qualifizierte Arbeitskräfte betroffen, die aktuell sehr begehrt seien.

Neben Grossrat Müller zeigt sich auch Harald Friedl von der Gewerkschaft Unia irritiert über die Haltung des Regierungsrates und betont: «Wir kämpfen um jede Stelle.» Natürlich wisse auch die Unia um die Bedeutung der Roche für Basel, doch Friedl glaubt nicht, dass der Standort durch die Proteste gefährdet werde. Man werde bei den anstehenden Verhandlungen darauf achten, dass Roche wie angekündigt für sozialverträgliche Lösungen sorgt und Entlassungen vermieden werden.

Roche-Angestelltenverbands-Präsident Roland Frank setzt seine Hoffnungen auf den Sozialplan, an dem bereits gearbeitet wird. Die Stimmung unter den Angestellten sei verständlicherweise schlecht: «Sie sind verunsichert und bedrückt. Viele verstehen nicht, weshalb Roche trotz Gewinnen so stark abbauen muss.»