Herr Brutschin, die Umsetzung Ihrer Mobilfunkpolitik verzögert sich. Weshalb?

Christoph Brutschin: Es verzögert sich ein Punkt: Die Gespräche mit den Mobilfunkanbietern gestalten sich schwieriger als erwartet. Ein halbes Jahr haben wir verloren, weil es zwischenzeitlich danach aussah, dass zwei Mobilfunkanbieter (Sunrise und Orange, Anm. der Red.) fusionieren. Zudem waren drei Departemente involviert. Die Regierung wird aber sicher vor den Sommerferien einen Entscheid fällen. Unsere Mobilfunkpolicy ist nicht gescheitert. Sie besteht aus vielen Punkten. Dazu gehört etwa der Immissionskataster des Lufthygieneamts, der online geschaltet wurde. Dort sieht man, wo man der Strahlung wie stark exponiert ist.

Es war aber absehbar, dass die Verhandlungen schwierig werden.

Wir halten an unserem Standpunkt fest, dass wir den Anbietern nur zusätzliche Standorte für Antennen freigeben, wenn sie weniger strahlende Antennen einsetzen. Das ist unser grosses Pfand. Wir geben es nur heraus, wenn wir auch etwas einlösen können. Das wird wohl aber eher einzelfallweise möglich sein. Wir hätten uns eine Gruppenvereinbarung mit den drei Anbietern gewünscht. Ich bin weniger optimistisch als am Anfang, dass diese zustande kommt. Das Problem: Der Datenverkehr hat in den letzten Jahren enorm zugenommen.

Hat Sie die technische Entwicklung überrumpelt?

Dass der Datenverkehr zunimmt, war uns klar. Wir haben den Trend aber unterschätzt. Das Wachstum ist rasant.

Sie wollten auch über bestehende Antennen verhandeln. Das ist offenbar nicht möglich.

In Einzelfällen ist das weiterhin denkbar: Entfernt ein Mobilfunkanbieter zum Beispiel eine stark strahlende Antenne von einer Liegenschaft, darf er möglicherweise auf einer des Kantons im Gegenzug zwei schwach strahlende Antennen installieren. Das werden wir aber nicht mehr in einer Globallösung realisieren können. Wir werden sehen, ob die Regierung das Moratorium lockern will. Denkt man unsere Politik zu Ende, müsste man einer gewissen Lockerung zustimmen. Sonst schliessen wir viele gute Standorte aus. An einzelnen Hotspots erhöht sich dadurch die Gesamtstrahlung.

Die Strahlung wird in ganz Basel aber sowieso Jahr für Jahr steigen.

Klar. Es ist aber falsch, hier mit dem Kanton zu reden. Solange die Bundesgrenzwerte eingehalten werden, können Antennen gebaut werden.

Im Abstimmungskampf haben Sie gesagt, dass Sie die Gesamtstrahlenbelastung reduzieren wollen.

Das Wachstum des Datenverkehrs muss man dabei aber ausklammern, weil es nicht beeinflussbar ist.

Das heisst, Sie können nur den Anstieg bremsen.

Ja, genau.

So deutlich haben Sie das damals aber nicht gesagt.

Ich meine schon. Ich habe schon damals erkannt, dass ich die Nachfrage dieser Dinger (deutet auf ein Smartphone, Anm. der Red.) nicht steuern kann. Vielleicht habe ich das nicht deutlich oder präzis genug gesagt.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Beanspruchen auch Sie mehr Datenverkehr als früher?

Ja, ich bin ein Mitverursacher des Wachstums. Wahrscheinlich zähle ich aber nicht zu den grössten. Die Jungen gehen spielerischer mit der neuen Technik um als ich.