Am 1. Februar 2015 können sich die Freiburger das fünfte Mal in der Geschichte der Stadt in der direkten Demokratie üben. Dann findet der Bürgerentscheid zum neuen Stadion für den Bundesligisten SC Freiburg statt. Es soll für 70 Millionen Euro am Wolfswinkel neben dem kleinen Flughafen entstehen und 35'000 Zuschauer fassen. Fertig soll es bis 2019 sein, so das Ziel.

Nötig wird der Neubau, weil das alte Schwarzwaldstadion mit seinen 24'500 Plätzen kaum mehr vergrössert werden kann, keine 40 Meter vom nächst gelegenen Wohnhaus liegt und der Fussballclub aufgrund der ungenügenden Platzverhältnisse und Bedingungen für Rettungskräfte, Behinderte und Medien nur mit Ausnahmegenehmigungen der Deutschen Fussball-Liga in der 1. Bundesliga spielen darf.

Die Befürworter des Projekts argumentieren zudem, dass Wirtschaftlichkeit nur in einem neuen Stadion ohne die strukturellen und technischen Mängel des alten Standorts zu erreichen sei. Der SC Freiburg spielt seit seinem ersten Aufstieg im Jahr 1993 im nunmehr 16. Jahr in der 1. Bundesliga und ist ein wichtiger Werbeträger der Breisgaustadt, mit dem sich viele Einwohner identifizieren. Sportlich stehen die Zeichen derzeit auf Abstieg – nach vielen Punktverlusten in den letzten Spielminuten ist der SC in der Winterpause Letzter.

Der Klub beteiligt sich an Kosten

Für den Stadionbau wird eine städtische Gesellschaft gegründet, die mit dem Verein einen Pachtvertrag abschliesst. Dieser beteiligt sich mit einer Kapitaleinlage von 15 bis 20 Millionen Euro an der Gesellschaft. Den Kredit für den Bau nimmt die Stadt auf. Zinsen und Tilgung sollen durch die jährliche Pacht gedeckt werden, die sich je nach Ligazugehörigkeit unterscheidet. Neben den Kosten für den eigentlichen Stadionbau fallen noch 47 Millionen Euro für die Infrastruktur an, die sich aufgrund diverser Zuschüsse auf 38 Millionen Euro reduzieren sollten.

Die Stadt hatte sich die Standortsuche nicht leicht gemacht. So wurden insgesamt 14 mögliche Orte analysiert. Der Gemeinderat, das Freiburger Stadtparlament, sprach sich mit deutlichen Mehrheiten für den Standort am Wolfswinkel (33 Ja, 10 Nein) und für das Finanzierungskonzept aus (31 Ja, 12 Nein). Dass es eine Abstimmung darüber geben sollte, hatte das Parlament grundsätzlich schon im Februar 2014 beschlossen.

Die Gegner des Projekts haben sich in der Bürgerinitiative «Pro Wolfswinkel» organisiert. Sie kritisieren unter anderem, dass durch den Stadionbau neun Hektaren streng geschützter Magerrasen zerstört werden, setzen sich für den Erhalt der ihrer Ansicht nach grünen Lunge ein und beklagen, dass Segelflieger und Fallschirmspringer dem Vorhaben weichen müssen. Anwohner sorgen sich zudem vor dem grossen Verkehrsaufkommen während der Spiele.

Damit der Bürgerentscheid rechtskräftig ist, müssen mindestens 25 Prozent der Freiburger Wahlberechtigten daran teilnehmen. Wird das Quorum erreicht, ist das Parlament drei Jahre an die Entscheidung gebunden. Kommt die erforderliche Mehrheit nicht zustande, entscheidet der Gemeinderat.