Die frauenlose Fraktion löste in der Basler FDP einige Empörung aus. Deshalb wurde die Frauensektion aktiv und veranstaltete am Montagabend einen Workshop. Es seien konkrete Massnahmen diskutiert worden, sagte Grossrätin Christine Heuss auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Diese müssen später der Parteileitung unterbreitet werden.

Bei ihren Bemühungen erhalten die Basler Frauen auch Unterstützung von den FDP Frauen Schweiz. Nach Auskunft von Vizepräsidentin Petra Studer ist vorgesehen, mit der Kantonalpartei und der Frauensektion im Stadtkanton Massnahmen zu definieren, damit der Frauenanteil wieder ansteigt.

Auch die Basler SVP thematisiert die Frauenfrage, wie Sprecher Joël Thüring auf Anfrage sagte. Eine Quote werde es aber nicht geben, sagte er. Hingegen sollen junge Frauen besonders gefördert werden. In der Jungen SVP gebe es einige Frauen mit Potenzial für ein Grossratsmandat. Auch mit den Themen Sicherheit und Familie wolle die SVP die Frauen ansprechen.

Keine bürgerliche Regierungsrätin

Bei den Wahlen im vergangenen Herbst wurden nur vier bürgerliche Frauen ins 100 Mitglieder zählende Parlament gewählt. In der letzten Legislatur sassen sechs bürgerliche Frauen im Grossen Rat. In den Städten Zürich und Bern sieht das anders aus: Im Gemeinderat Zürich liegt der Anteil der bürgerlichen Frauen bei rund acht, im Stadtrat von Bern bei rund 10 Prozent.

Basel ist aber kein besonders hartes Pflaster für Politikerinnen. 2008 eroberte der Stadtkanton mit einem Anteil von 38 Prozent Frauen im Parlament die Spitze aller Parlamente in der Schweiz. Bei den letzten Wahlen sank der Anteil auf 36 Prozent. Nur: Die grosse Mehrheit der gewählten Frauen vertreten linke oder grüne Parteien.

Frauenförderung war vor den Wahlen nur in der CVP ein Thema. Sie portierte 42 Politikerinnen und platzierte diese auf den Listen nach den Bisherigen. Genützt hat es nicht viel. Gewählt wurden die zwei bisherigen Grossrätinnen.

Erste und zweite Plätze bei Nachrückern

Immerhin eroberten die Frauen erste und zweite Plätze bei den Nachrückenden. Die FDP verzichtete darauf, die Frauen besonders zu fördern, was einige Kritik auslöste. Die vier bürgerlichen Parteien CVP, FDP, LDP und SVP schafften es auch noch nie, eine Frau in die Regierung wählen zu lassen.

Starke CVP- und FDP-Frauen in Baselland
Was sind die Gründe für die geringe Präsenz der bürgerlichen Frauen in der Basler Politik? Mehrere Politikerinnen stellen im Gespräch fest, dass sie von der eigenen Wählerschaft nicht gewählt werden. Auch seien die Männer im kleinräumigen Kanton Basel-Stadt in Zünften, Ehrengesellschaften und Fasnachts-Cliquen besser vernetzt.

Erwähnt wird auch, dass im Stadtkanton die Gemeinde-Ebene fehlt. In Kantonen mit vielen Gemeinden könnten bürgerlich gesinnte Frauen via Schulinspektion und Gemeindeparlament schneller aufsteigen.

Im Baselbiet sieht es anders aus

Dies zeige sich besonders im Kanton Baselland. Dort sind die FDP- und CVP-Frauen stark vertreten: Mit Sabine Pegoraro sitzt eine FDP-Frau in der Regierung, FDP und CVP schicken je eine Nationalrätin nach Bern und beide Parteien werden von einer Frau präsidiert. Im fünf Mitglieder zählenden Regierungsrat sassen auch schon gleichzeitig zwei bürgerliche Frauen.

Andererseits müssen die linken Frauen weiterhin darauf warten, eine Vertreterin in den Regierungsrat schicken zu können. Auch für die nächsten Wahlen kandidiert ein SP-Mann, obwohl fähige Frauen zur Verfügung gestanden wären. Die SP-Frauen protestierten leise.